Schutzhütte des Schweizer Alpen-Clubs

Schweizer Alpen-Club

Schweizer Alpen-Club SAC
(SAC)
Logo des Clubs
Zweck: Bergsportverband
Vorsitz: Françoise Jaquet
Gründungsdatum: 1863
Mitgliederzahl: 145'000 Mitglieder (2014)
Sitz: Bern
Website: sac-cas.ch

Der Schweizer Alpen-Club SAC (französisch Club Alpin Suisse CAS, italienisch Club Alpino Svizzero CAS und rätoromanisch Club Alpin Svizzer CAS) ist die Dachorganisation für Bergsteiger in der Schweiz. Der Verein wurde 1863 auf Initiative von Rudolf Theodor Simler im Bahnhofbuffet Olten gegründet. Seine 111 Sektionen betreiben 152 Berghütten in den Schweizer Alpen.

Tätigkeiten

Mit rund 145'000 Mitgliedern (2014)[1] ist der Schweizer Alpen-Club SAC einer der grössten Sportverbände und der bedeutendste alpine Verein der Schweiz. Seine Tätigkeiten sind sehr vielfältig und gliedern sich in folgende Aktivitäten:

Geschichte

Auf Initiative des Zürcher Rudolf Theodor Simler trafen sich am 19. April 1863 35 Herren aus Aarau, Basel, Bern, Buochs, Glarus, Luzern, Olten, St. Gallen und Zürich im Bahnhofsbuffet Olten und gründeten den Schweizer Alpen-Club SAC. Simler war Dozent für Chemie und Geologie an der Universität Bern. Er warnte davor, die damals boomende Eroberung der Alpen den Ausländern alleine zu überlassen. Bereits 1857 war der Alpine Club in London und 1862 der Österreichische Alpenverein gegründet worden. Ende 1863 zählte der SAC bereits 7 Sektionen mit total 358 Mitgliedern. Noch im Gründungsjahr wurde mit der Grünhornhütte in den Glarner Alpen die erste SAC-Hütte gebaut.

Hauptziel war damals die Förderung des Alpinismus – namentlich des Bergsteigens – und die Erforschung des Alpenraums. Der Klub verstand sich im 19. Jahrhundert als Verein der bürgerlichen Eliten.

1900 zählte der SAC 43 Sektionen mit 6'000 Mitgliedern. Durch die verbesserte Verkehrserschliessung der Alpen, der wachsenden Anzahl SAC-Hütten und durch das Aufkommen des Winteralpinismus – namentlich des Skibergsteigens – wuchs der SAC in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Massenverein an. Die Mitgliederzahl stieg bis 1963 auf 44'500 an.

1977 wurde die Geschäftsstelle in Bern eröffnet. Sie ist das Dienstleistungszentrum und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.[2]

Als Gründungsmitglied nimmt der SAC am multilateralen Abkommen Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde, teil.

Der SAC ist Mitglied der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA.

Der SAC und die Frauen

Dem Verein stellte sich 1880 die Frage, ob Frauen dem Verein betreten dürften oder nicht. Die Argumente der konservativen Gegner überwogen und es wurde schliesslich den Sektionen überlassen, ob sie Frauen wenigstens als Passiv- oder Ehrenmitglieder aufnehmen wollten. 1907 wurden die Frauen ganz aus dem SAC ausgeschlossen. Daraufhin gründeten mehrere Alpinistinnen 1918 einen eigenen Verein, den Schweizerischen Frauen-Alpenclub. Erst 1980, neun Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz auf nationaler Ebene, fusionierte der SAC mit dem Schweizerischen Frauen-Alpenclub. Von da an waren die Frauen im SAC willkommen und die Mitgliederzahl stieg sprunghaft an auf 69'201.[3] Seit 2013 wird der SAC von einer Frau präsidiert.

Organisation

Sektionen

Der SAC hat 111 Sektionen, pro Kanton bestehen eine oder mehrere Sektionen. Die Sektionen bilden das Fundament des Clubs. Diese sind als Vereine organisiert und bestimmen ihr Vereinsleben weitestgehend autonom. Die Sektionen bauen und betreiben die Hütten, organisieren Touren und Kurse für ihre Mitglieder und stellen Delegierte für die Abgeordnetenversammlung, welche dem Zentralvorstand und der Geschäftsstelle vorsteht. Es steht den Mitgliedern frei, welcher Sektion in der Schweiz sie angehören wollen. Die mitgliederstärkste Sektion ist die Sektion Uto in Zürich[4] Durch die Mitgliedschaft bei einer Sektion ist man automatisch auch Mitglied des Zentralverbands. Eine Direktmitgliedschaft beim Zentralverband ist nicht möglich.[5]

Zentralverband

Der Zentralvorstand ist das eigentliche Führungsgremium des Vereins. Zehn Fachkommissionen unterstützen den Zentralvorstand bei seiner Arbeit. Die Tätigkeiten im Zentralvorstandes sowie in den Fachkommissionen werden ehrenamtlich geleistet.

SAC-Hütten

Die Sektionen des Schweizer Alpen-Club SAC betreiben derzeit in den Schweizer Alpen 152 Hütten mit rund 9200 Schlafplätzen. Die Hütten bieten einfache Unterkünfte für Alpinisten, Kletterer, Wanderer, Naturgeniesser und immer häufiger auch für Familien mit Kindern. Die Solvayhütte am Matterhorn ist die einzige Hütte, die dem SAC-Zentralverband selbst gehört. Die erste SAC-Hütte, die Grünhornhütte, wurde 1863 gebaut. Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Hütten hinzu. Anfänglich dienten sie der geografischen und naturkundlichen Erforschung des Gebirges sowie dem Alpinismus, später auch dem aufkommenden Bergwanderern und Skifahrern. Immer wieder werden bestehende Hütten renoviert, ausgebaut oder durch Neubauten ersetzt.

Viele SAC-Sektionen besitzen nebst den Alpenhütten noch sogenannte Sektionshütten. Diese, häufig bewirteten und auch für Nichtmitglieder offenen Hütten, stehen auf den Hügeln des Mittellandes, den Jurahöhen oder in den Voralpen. Ein Verzeichnis über diese Hütten besteht nicht.

Tätigkeiten

Jugendförderung

Eine Mitgliedschaft ist ab dem 6. Lebensjahr möglich. Für Kinder bis 14 Jahren bieten die Sektionen ein spezielles Tourenprogramm unter dem Titel Kinderbergsteigen (kurz KiBe) an. Einzelne Sektionen haben zusätzlich eine Gruppierung Familienbergsteigen (kurz FaBe). Im Gegensatz zum KiBe werden die Kinder im FaBe von den Eltern begleitet. Die jugendlichen Mitglieder des SAC im Alter von 14 bis 22 Jahren werden durch die SAC-Jugendorganisationen (kurz JO) betreut. Es werden Lager und Wochenendtouren in der Schweiz und auch im angrenzenden Ausland durchgeführt.

Alpine Rettung Schweiz

Der SAC hat 2006 zusammen mit der Schweizerischen Rettungsflugwacht die Stiftung Alpine Rettung Schweiz gegründet. Die Alpine Rettung Schweiz ist für Rettung von Personen in den Schweizer Bergen verantwortlich und betreut im Alpenraum und im Jura 98 Rettungsstationen mit 3000 Bergrettern und 80 Rettungsspezialisten Helikopter (RSH).

Publikationen

Der SAC publiziert verschiedene Skitouren-, Wander- und Kletterführer. Zur Vereinfachung der Tourenplanung, aber auch zur Verbesserung der Sicherheit schuf der SAC verschiedenen Bewertungsskalen, so die SAC-Berg- und Hochtourenskala, die SAC-Wanderskala, die SAC-Skitourenskala, die SAC-Absicherungsskala und die SAC-Schneeschuhtourenskala.

Literatur

Weblinks

 Commons: Schweizer Alpen-Club – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. SAC-Jahresbericht 2014
  2. www.sac-cas.ch: Geschichte
  3. Beobachter: SAC-Geschichte – Club der Patrioten; vom 18. März 2013
  4. Homepage der SAC-Sektion Uto, Zürich
  5. www.sac-cas.ch: Sektionen
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Schutzhütte des Club Alpino Italiano

Club Alpino Italiano

Club Alpino Italiano (CAI)
Logo des CAI
Gründungsdatum/-jahr 1863
Gründungsort Turin
Vereine (ca.) 500 Sektionen
Mitglieder (ca.) 319.467
Homepage http://www.cai.it/

Der Club Alpino Italiano (CAI) ist der nationale alpine Verein in Italien. Sein Hauptsitz ist in Mailand.

Der Club Alpino Italiano wurde am 23. Oktober 1863 auf Initiative von Quintino Sella in Turin gegründet. Erster Präsident des Vereins war Ferdinando Perrone di San Martino, Vizepräsident Bartolomeo Gastaldi. Ein Höhepunkt in der wissenschaftlich-bergsteigerischen Geschichte war die Erstbesteigung des K2 im Jahr 1954 durch eine vom CAI geführte Expedition.

Er hatte im Dezember 2011 319.467 Mitglieder in fast 500 Sektionen und 308 Untergruppierungen in 21 Regionalgruppen,[1] von denen zwei (Società degli Alpinisti Tridentini und Alto Adige–Südtirol) “raggruppamenti provinciali” sind.

Der CAI verfügt (Stand etwa 2011) über 763 “Rifugi alpini” (Schutzhütten und Biwake) mit etwa 23.500 Betten in der gesamten Alpenkette und im Apennin.

Seit 1909 gibt es im CAI den “Club Alpino Accademico Italiano”.

Im Jahr 1954 entstand der Bergrettungsdienst Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico als Unterorganisation des CAI.

Der CAI ist Gründungsmitglied des multilateralen Abkommens Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde.

Neben dem CAI gibt es in Italien auch einen Ableger der internationalen Naturfreunde (Amici della Natura), weiters den deutsch- und ladinischsprachigen Alpenverein Südtirol (AVS) sowie eine Sektion des Slowenischen Alpenvereins (PZS) in Triest.

Weblinks

 Commons: Club Alpino Italiano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Liste der Regionalgruppen des CIA (PDF; 50 kB) abgerufen am 4. Dezember 2015
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Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins

Deutscher Alpenverein

Deutscher Alpenverein (DAV)
Logo des Deutschen Alpenvereins
Gründungsdatum/-jahr 1869
Gründungsort München
Vereine (ca.) 356 Sektionen
Mitglieder (ca.) 1.184.507
Homepage www.alpenverein.de
Flagge des DAV an der Knorrhütte

Der Deutsche Alpenverein e. V. (DAV) ist die größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt und der fünftgrößte nationale Sportfachverband Deutschlands.[1] In ihm sind 356 rechtlich selbstständige Sektionen mit insgesamt 1.184.507 Mitgliedern organisiert, und er verfügt über 323 Berg- und Schutzhütten.[2] Er ist im Deutschen Olympischen Sportbund der zuständige Fachverband für das Sport- und Wettkampfklettern, das Bergwandern und Bergsteigen, Hochtourengehen, Eisklettern und Expeditionsbergsteigen sowie das Skibergsteigen. Präsident des DAV ist seit Oktober 2010 Josef Klenner, der dieses Amt schon von 1992 bis 2005 ausübte.

Geschichte

Der DAV ging aus dem am 9. Mai 1869 gegründeten Bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein hervor. Die Gründer waren überwiegend unzufriedene Mitglieder des sieben Jahre zuvor gegründeten Österreichischen Alpenvereins (ÖAV), welche die touristische Erschließung der Alpen nicht nur moralisch und akademisch, sondern aktiv, etwa durch den Bau von Hütten und Wegen, unterstützen wollten.

Treibende Kräfte waren der österreichische Kurat Franz Senn, der Prager Kaufmann Johann Stüdl, der Münchner Student Karl Hofmann und der Mandatar des Österreichischen Alpenvereins in Bayern, . Zur Gründungsversammlung im Gasthaus „Blaue Traube“ in München kamen 36 Männer, und Ministerialrat Gustav von Bezold wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Bereits nach 10 Monaten gab es 22 Sektionen mit 1070 Mitgliedern, 1876 waren es bereits 500 Sektionen. Von 1873 bis 1938 waren der deutsche und der österreichische Zweig zum Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV) zusammengeschlossen.

Bereits im Kaiserreich entwickelten sich im DuÖAV antisemitische Tendenzen. 1899 wurde die Sektion „Mark Brandenburg“ ausschließlich für „christlich getaufte, deutsche Staatsbürger“ gegründet. 1905 gründete sich die Sektion Wien bereits exklusiv für „arische“ Mitbürger. Die Akademische Sektion Wien nahm 1907 den Arierparagraphen in ihre Satzung auf. Weitere Sektionsgründungen mit diesen Einschränkungen folgten in den darauffolgenden Jahren bis 1921. Einige der ausgeschlossenen Bergsteiger gründeten daraufhin die Sektion Donauland des DuÖAV. Diese wurde 1924 aus dem Gesamtverein ausgeschlossen. Zuvor war bereits 1921, nach der Übernahme des Vorsitzes der Sektion Austria durch Eduard Pichl, der Arierparagraph in 98 von 110 Sektionen eingeführt worden. 1922 schloss die Akademische Sektion Dresden des DuÖAV Juden von der Mitgliedschaft aus. Diese Sachverhalte sind durch den Kulturbeauftragten des DAV, , ausführlich aufgearbeitet worden.[3]

1938 wurde der Alpenverein, jetzt nur noch Deutscher Alpenverein (DAV), als „Fachverband Bergsteigen“ in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) eingegliedert und Arthur Seyß-Inquart zum „Führer des Deutschen Alpenvereins (DAV)“ bestellt. Mit dem am 10. Oktober 1945 erlassenen Gesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates wurde der DAV als Teil des NSRL für aufgelöst erklärt und sein Eigentum beschlagnahmt. Die Neubildung unter dem gleichen oder unter einem anderen Namen wurde verboten. Schon 1945 gründete sich der Österreichische Alpenverein OeAV neu. Der OeAV verwaltete bis zur 1952 erfolgten Wiedergründung des DAV dessen Vermögen und Grundbesitz (Hütten) treuhänderisch.

In der DDR erhielt der DAV keine Neuzulassung. Bergsteiger und Kletterer fanden sich im 1958 gegründeten Deutschen Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO) zusammen. Nach der Wende gründeten sich viele der vor 1945 bestehenden Sektionen neu.

Der DAV ist Gründungsmitglied des multilateralen Abkommens Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde.

1992 trat der Alpenverein dem Deutschen Sportbund bei, zu diesem Zweck wurden erstmals Landesverbände gegründet, die wiederum Mitglied in den Landessportbünden wurden.

2008 trat der DAV zum Jahresende zusammen mit dem OeAV und dem VAVÖ aus der UIAA aus.[4] Grund dafür waren Verstimmungen über die Bemühungen der UIAA, Sportklettern als olympische Disziplin zu etablieren.[5][6] Nach einer Neuausrichtung der Verbandsziele der UIAA traten der DAV und der VAVÖ der UIAA im Jahr 2013 wieder bei.[7]

Gliederung

Josef Klenner, Präsident des DAV, 2012

Sektionen

Der DAV mit der Bundesgeschäftsstelle in München ist ein Dachverband für derzeit 356 Sektionen genannte eigenständige Mitgliedsvereine, die alle wiederum eingetragene Vereine sind. Eine Mitgliedschaft im DAV ist für natürliche Personen nur mittelbar über die Sektionen möglich. Die Sektionen sind weitgehend selbstständig, viele davon haben eigene Büros, Schulungs- und Veranstaltungsprogramme sowie Kletter- und Boulderhallen. In größeren Städten gibt es häufig mehrere Sektionen mit zum Teil stark unterschiedlichen Schwerpunkten und Mitgliederzahlen.

Die Sektionen sind auf regionaler Ebene zu Sektionentagen bzw. Sektionenverbänden verbunden. Darüber hinaus gibt es 11 Landesverbände.[8][9]

Die Organe des Dachverbandes sind die Hauptversammlung, das Präsidium und der Verbandsrat.

Jugendorganisation

Die Jugendorganisation des Deutschen Alpenvereins ist die „Jugend des Deutschen Alpenvereins“ (JDAV).

Die JDAV ist in einzelne Landesverbände aufgeteilt, die wiederum können in einzelne Bezirksverbände aufgeteilt sein. Dementsprechend gibt es neben der Bundesjugendleitung einzelne Landes- und Bezirksjugendleitungen als Vertreter der Jugendlichen. Die Vertreter in den Bundes-, Landes-, und Bezirksjugendleitungen werden von den Jugendleitern des DAV gewählt und vertreten die Interessen der JDAV gegenüber dem Alpenverein und der Öffentlichkeit.

Hüttenwesen

Die Freiburger Hütte als Beispiel einer Alpenvereinshütte

Vom Deutschen Alpenverein werden (2017) in 208 hüttenbesitzenden Sektionen 323 Alpenvereinshütten betreut, davon sind 195 mit rund 20.500 Gastraumplätzen bewirtschaftet und 65 bewartet. In 67 Fällen handelt es sich um Selbstversorgerhütten oder Biwaklager. 78 Hütten liegen in den deutschen Mittelgebirgen.

Das Brandenburger Haus in den Ötztaler Alpen der Sektion Berlin ist auf 3277 Metern die höchstgelegene Hütte des DAV. Bei der Rappenseehütte, 2091 m im Allgäu, der Sektion Allgäu-Kempten handelt es sich um die größte bewirtschaftete Hütte, die kleinste Selbstversorgerhütte mit vier Matratzenlagern ist die Breitenkopfhütte, 2017 m, im Mieminger Gebirge (DAV-Sektion Coburg). Bereits 1832 wurde die Bochumer Hütte, 1430 m, in den Kitzbüheler Alpen, Tirol, Österreich, erbaut und ist damit die älteste Kategorie-1-Hütte des DAV. Die neuste DAV-Hütte ist die Höllentalangerhütte im Wettersteingebirge auf 1387 Meter. Die alte Höllentalangerhütte wurde 2013 vollständig abgerissen und der Ersatzbau 2015 eröffnet.

Auf den etwa 20.000 Schlafplätzen gibt es jährlich rund 750.000 Übernachtungen, je nach Hütte liegen die Zahlen zwischen 300 und 21.600, der Maximalbetrag pro Übernachtung wurde bei der Hauptversammlung mit 18 Euro festgelegt. Sorgen bereiten dem DAV gut 100 Alpenvereinshütten mit weniger als 1000 Übernachtungen pro Jahr, hier reichen die Einnahmen kaum zur Finanzierung aus (Neuanschaffungen, Wasseraufbereitung, Kläranlage, Energieanlagen). Beispielhaft sind die Bereitstellungskosten von fünf Euro für einen Liter Wasser auf einer Hütte ohne eigene Quelle, die nicht in Relation mit den Einnahmen durch die Gäste stehen (1 l Eistee für 3 € oder kostenlose Toilettenbenutzung).

Jährlich werden von den Sektionen 20 Millionen Euro für Baumaßnahmen beantragt, davon können jedoch nur 10 Millionen Euro bereitgestellt werden.[10]

Leistungssport

Eine Kletterwand, die der DAV speziell für einen Kletterwettbewerb eingerichtet hat

Der Alpenverein betreut als Sportverband die Nationalmannschaften im Klettern[11] und im Skibergsteigen.[12] Dazu kommen Nachwuchsteams auf der Ebene der Sektionen. Das IOC beschloss am 4. August 2016, dass Sportklettern ab 2020 eine olympische Sportart sein wird.[13]

Für den Leistungssport werden Stützpunkte in Bad Tölz für Klettern und in Bad Reichenhall für Skibergsteigen unterhalten. Außerdem richtet er in beiden Sportarten die in Deutschland stattfindenden internationalen Wettkämpfe aus.

Das Expeditions- und Leistungsbergsteigen wird mit dem „DAV-Expedkader“ gefördert. Je ein Damen- und Herren-Team von Nachwuchsalpinisten wird über jeweils zwei Jahre hinweg ausgebildet.[14][15]

Naturschutz

Ökologisch sinnvoll den Alpenraum zu erreichen, ist schon lange ein Anliegen des Alpenvereins. Auf dem Bild eine entsprechend lackierte Lokomotive der Deutschen Bahn AG in den grünen DAV-Farben mit entsprechendem Logo, die öffentlichkeitswirksam für eine verantwortliche, sanfte Mobilität wirbt: Mit der Bahn in die Berge

Bereits 1927 wurde der Naturschutz in die Satzungen der Alpenvereine aufgenommen. Heute setzen sich die Sektionen im Interesse kommender Generationen gleichermaßen dafür ein, Naturzerstörungen zu verhindern, Umweltbelastungen zu vermindern und eine nachhaltige Entwicklung des Alpenraumes zu fördern.

Das Umweltgütesiegel für Alpenvereinshütten, das die Alpenvereine geschaffen haben, will ein Signal nach innen und außen sein, die Idee eines sanften Tourismus zu fördern und zu verbreiten.

Der Deutsche Alpenverein ist ein nach § 63 BNatSchG anerkannter Naturschutzverband.

Ziele

Mitgliederabzeichen

In der Anfangszeit des DAV waren die Ziele hauptsächlich Erfahrungsaustausch und Erschließung der Alpen durch Wege und Unterkunftshäuser (Berghütten). Derzeit betreibt der Alpenverein 327 solcher Alpenvereinshütten genannten Unterkunftshäuser mit etwa 20.000 Übernachtungsmöglichkeiten. Die Hütten sind im Besitz einzelner Sektionen, stehen aber allen Alpinisten offen. Viele Sektionen unterhalten außerdem nichtöffentliche, nur den Sektionsmitgliedern zugängliche Unterkunftshäuser in allen Teilen der Alpen und den deutschen Mittelgebirgen. Des Weiteren betreibt der Alpenverein 180 Kletteranlagen bzw. Kletterhallen.

Daneben tritt der DAV auch als Interessensvertreter und Dienstleister für auf, etwa für Versicherungen, Leihausrüstung oder Kartenmaterial.

In den 1980er und 1990er Jahren erfolgte eine verstärkte Hinwendung zum Naturschutz, der im Grundsatzprogramm von 1994 auch als zentrales Ziel aufgenommen wurde. Die der Alpen wurde für beendet erklärt, seitdem werden keine weiteren Hütten und Wege mehr gebaut, sondern nur noch die bestehende Infrastruktur instand gehalten oder Gebäude ersetzt.

Sonstiges

Der Alpenverein unterhält in München ein Alpines Museum. Auf dem Bild ein Teil des Alpengartens mit Gesteinsproben aus verschiedenen Regionen der Alpen

Publikationen

Der DAV gibt gemeinsam mit dem Österreichischen Alpenverein und dem Alpenverein Südtirols die Taschenbuchreihe Alpenvereinsführer heraus, die beim Bergverlag Rother in München verlegt wird. Mit beiden Vereinen gemeinsam wird zudem das jährlich erscheinende Alpenvereinsjahrbuch herausgegeben.

Bergreisen und -expeditionen

Seit 1984 tritt der DAV über sein Tochterunternehmen „DAV Summit Club“ auch als kommerzieller Veranstalter von zum Teil sehr anspruchsvollen Bergtouren und Expeditionen auf.

Alpines Museum

Auf der Praterinsel in München unterhält der Verein das Alpine Museum, das sich hauptsächlich mit der Geschichte des Vereins und des Alpinismus im Allgemeinen auseinandersetzt.

Literatur

  • Rainer Amstädter: Der Alpinismus. Kultur, Organisation, Politik. WUV-Universitäts-Verlag, Wien 1996, ISBN 3-85114-273-X.
  • Anneliese Gidl: Alpenverein. Die Städter entdecken die Alpen. Der Deutsche und Österreichische Alpenverein von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Böhlau, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-205-77668-0 (Rezension)
  • Nicholas Mailänder: Im Zeichen des Edelweiß. Die Geschichte Münchens als Bergsteigerstadt. AS-Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-909111-28-9.
  • Provisorischer Ausschuss der Sektion München: Aufruf an alle deutschen Alpenfreunde! Gründungsaufrufe DAV 1869. Juni 1869 (Historisches AlpenArchiv der Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol (PDF, 284 kB) [abgerufen am 27. August 2010]).
  • Helmuth Zebhauser: Alpinismus – quo vadis? (= Alpines Museum des Deutschen Alpenvereins. Schriftenreihe. Band 3). Deutscher Alpenverein, München 1999, OCLC 76368279

Weblinks

 Commons: Deutscher Alpenverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rekordzuwachs: DAV zählt 939.063 Mitglieder. Deutscher Alpenverein e. V., 20. Januar 2012; abgerufen am 2. Juli 2016.
  2. Der DAV in Zahlen. Deutscher Alpenverein e. V.; abgerufen am 30. August 2017.
  3. Helmuth Zebhauser: Alpinismus im Hitlerstaat (= Dokumente des Alpinismus. Band 1). Bergverlag Rother, München 1998, ISBN 3-7633-8102-3. Neueres zum Antisemitismus des Vereins: Nicholas Mailänder: Das dunkelste Kapitel unserer Vereinsgeschichte. Die Donaulandaffäre des DÖAV. In: Panorama. Magazin des Deutschen Alpenvereins. 59. Jg., Heft 1, 2007, S. 60–62, siehe Weblinks: Donaulandaffäre.
  4. UIAA: Circular letter to all UIAA Member Federations. (PDF; 90 KB) abgerufen 10. Januar 2012.
  5. Jörg Eberlein: Abschied des DAV aus der internationalen Bergsteigerorganisation UIAA. (PDF; 3,4 MB) abgerufen 10. Januar 2012.
  6. http://www.czechclimbing.com/fotos/fil_3585.pdf Kündigungsschreiben im Wortlaut – ohne Bezugnahme auf die Olympischen Spiele
  7. Press Release: German and Austian alpine clubs to rejoin the UIAA. UIAA, 5. Oktober 2013; abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch).
  8. Sektionentage, Sektionenverbände, Landesverbände, alpenverein.de
  9. Struktur des DAV, alpenverein.de
  10. DAV Panorama, Magazin des Deutschen Alpenvereins, ISSN 1437-5923, München, Januar 2013, S. 38 ff.
  11. DAV: Klettersport
  12. DAV: Skibergsteigen
  13. IOC bewilligt fünf neue olympische Sportarten. spiegel.de. Abgerufen am 6. September 2016.
  14. Expedkader - Ziele und Auswahlkriterien, alpenverein.de
  15. DAV-Expedkader Geschichte – Förderung ambitionierten Bergsteigens im Wandel der Zeit, alpenverein.de
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Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins

Österreichischer Alpenverein

Österreichischer Alpenverein (ÖAV)
Neues Logo des Österreichischen Alpenvereins
Gründungsdatum/-jahr 1862
Gründungsort Wien
Präsident Andreas Ermacora
Vereine (ca.) 195 Sektionen (236 Hütten und ca. 26.000 km Wander- und Bergwege)
Mitglieder (ca.) 500.000 (Anfang 2016)
Verbandssitz Innsbruck
Homepage www.alpenverein.at

Der Österreichische Alpenverein (ÖAV; bis 2014: Oesterreichischer Alpenverein, OeAV)[1] ist der größte Bergsteigerverein in Österreich. Sein Hauptsitz ist Innsbruck in Tirol.

Logo des OeAV bis 2014[2]

Organisation

Sektionen

Der ÖAV ist in 195 Sektionen gegliedert. Die Sektionen sind ihrerseits wieder eigenständige Vereine, die in manchen Fällen außerhalb des Alpenvereines entstanden: Zum Beispiel trat der 1890 gegründete Österreichische Gebirgsverein, der sich dem weltweiten Hochgebirgsalpinismus verpflichtet, erst 1955 als Sektion in den Alpenverein ein. Das Arbeitsgebiet einer Sektion (in dem die Sektion bergsteigerische Infrastruktur wie Wege und Hütten bereitstellt) ist im Arbeitsgebietskataster entsprechend der Arbeitsgebietsordnung (ArgO)[3] gemeinsam mit dem DAV festgehalten. Es weicht in vielen Fällen vom Gebiet, in dem die Sektion zuhause ist und ihre Mitglieder rekrutiert, ab, insbesondere bei außeralpinen Sektionen.

Neben Orts-Sektionen finden sich auch akademische Sektionen in Wien, Innsbruck und Graz, die aus Studentenverbindungen hervorgegangen sind, sowie Sektionen im Ausland (Sektion Britannia, Sektion Flandern).[4] Es gibt auch einige inländische Sektionen, die Ortsgruppen im Ausland unterhalten. Die , deren Arbeitsgebiet auf Weitwanderwege beschränkt ist, versteht sich als überregionale Sektion.

Die größten Sektionen sind ultimo 2016 die Sektion Innsbruck (51.538 Mitglieder), die Sektion Edelweiss (49.658 Mitglieder) und die Sektion Austria (39.950 Mitglieder).[5]

Ämter in den Sektionen

Zu den wichtigen Ämtern einer Sektion gehören – neben den vereinstypischen, also Vorsitzender, Schriftführer, Kassier – im Besonderen der Wegewart des jeweils betreuten Wegenetzes, der Hüttenwart, der sich um die vereinseigenen Schutzhütten kümmern muss, der (Alpinreferent), der die bergsteigerischen und kletterischen Aspekte betreut, der , der sich um Belange des Alpinschi- und Schitourenwesens, die Lawinenkunde und andere wintersportlichen Aspekte kümmert, und der (Naturschutzreferent), der die satzungsgemäßen Naturschutzbelange der Sektion betreut.

Publikationen

Der ÖAV publiziert – neben Kartenmaterial, Wanderführern und Lehrschriften – eine fünfmal pro Jahr erscheinende Mitgliederzeitschrift mit dem Namen Bergauf.

Agenden

Hütten und Wege

Der ÖAV betreut (2012) 238 Schutzhütten. Mit etwa 13.000 Schlafplätzen, im Sommer ca. 1550 Arbeitsplätzen, und jährlich etwa einer Million Besucher ist der ÖAV der größte Beherbergungsbetrieb in Österreich.[6] Die Hütten sind durchwegs saisonell – aber meist langfristig – in Pacht an einen Hüttenwirt vergeben, der den Wirtschaftsbetrieb aufrechterhält und meist auch die Funktion des Hüttenwarts innehält.

Zu den Hütten des ÖAV siehe: Liste der Schutzhütten in den Alpen

Daneben hat der ÖAV Verträge mit privaten Quartiergebern, die als ÖAV-Vertragshäuser vergünstigte Übernachtungen für Mitglieder anbieten.[7]

Der Österreichische Alpenverein betreut in Österreich rund 26.000 Kilometer markierte Bergwege, Wanderwege, Klettersteige und eine Vielzahl von Klettergärten. Rechnet man die vom Deutschen Alpenverein in Österreich betreuten Wege dazu, sind es gut 40.000 km.[6] Die Wege und Klettersteige werden von ehrenamtlichen Funktionären in deren Freizeit kostenlos betreut. Für diese Wege trägt der Verein die Wegehalterhaftung und die Erhaltungskosten. Dieses Wegenetz erhöht die Sicherheit der Bergwanderer und ist eine wesentliche Voraussetzung für den Bergsport und den Sommertourismus. Darüber hinaus sind die markierten Wege eine effektive Besucherlenkung.

Besitzungen sowie Natur- und Umweltschutz

Der Alpenverein setzt sich schon lange für naturverträglichen Alpinsport ein. Auf dem Foto eine Hinweistafel für Wintersportler, wie sich umweltverträglich Berggipfel der Tannheimer Berge im Winter besteigen lassen

Der Alpenverein besitzt über 400 km² Grund. Dieser wurde seit dem frühen 20. Jahrhundert erworben, um alpine Schutzgebiete zu bilden, oder geht auf Schenkungen zurück. Damit ist der ÖAV einer der überhaupt.[8] Ein Gutteil dieser Gründe, etwa 330 km², liegt im heutigen Nationalpark Hohe Tauern, Österreichs erstem Nationalpark, wo der ÖAV den größten Gebietsanteil stellt, und der ohne den Verein nicht entstanden wäre. So gehören beispielsweise mit die prominentesten Berge Österreichs, der Großglockner und der Großvenediger, in ihrem Gipfelbereich umfassend dem Verein, ebenso die Krimmler Wasserfälle.[8] Ein weiterer Erfolg war 1988 der Ankauf von acht Quadratkilometer Grund an der Hochalmspitze, der ÖAV verhinderte damit die Errichtung eines Gletscherskigebiets. Die Gegend gehört heute ebenfalls zum Nationalpark.[8]

Mit weiteren Engagements, wie Bemühen um sanften Tourismus, Bewusstseinsbildung, der Aktion „Saubere Berge“ (seit 1970), dem Umweltgütesiegel für Alpenvereinshütten (seit 1994), Bergwaldprojekten und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gehört der ÖAV zu den wichtigsten Umweltorganisationen des Alpenraums. Er wurde nach dem anerkannt, sodass er bei Eingriffen im alpinen Landschaftsraum Parteienstellung bei Umweltverträglichkeitsprüfungen hat. Seit 1980 gibt es auch eine eigene Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz, die sich um geographisch-politische Belange der Vereinsabsichten kümmert.[9]

Ausbildung

Der Alpenverein veranstaltet ständig Ausbildungskurse für die Tourenführer, Jugendführer und Funktionäre der einzelnen Sektionen, die das Erlernte an die Mitglieder weitergeben.

Geschichte

Hinweistafel des Österreichischen Alpenvereins

Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 als erster Bergsteigerverband des europäischen Festlands und damit als zweitältester der Welt nach dem britischen Alpine Club gegründet. Gegründet wurde er auf Anregung der Studenten Paul Grohmann, Edmund von Mojsisovics und , unterstützt wurden sie dabei in der Anfangsphase von Eduard Suess, Anton von Ruthner, Eduard Fenzl und . Am 19. November 1862 fand unter der Leitung von Eduard Fenzl, der auch zum ersten Vorstand gewählt wurde, im grünen Saal der Akademie der Wissenschaften die Gründungsversammlung statt.

Gedenktafel zum Zusammen­schluss von DAV und OeAV

Am 23. August 1873 fand im ehemaligen Schützenhaus neben dem Schloss Gayenhofen in Bludenz der Zusammenschluss mit dem unter anderem von Franz Senn mitgegründeten Deutschen Alpenverein zum Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein (DuOeAV) statt. Der Österreichische Alpenverein und die Sektion Wien des Deutschen Alpenvereins wurden zur Sektion Austria des D.u.Oe.A.V.[10] Eine Gedenktafel am Treppenaufgang von Schloss Gayenhofen zum Schlosshotel erinnert an das Ereignis.

Von 1873 bis 1938 waren mehr als 400 Sektionen in Deutschland, Österreich und (nach dem Ersten Weltkrieg) in der Tschechoslowakei im DuOeAV zusammengeschlossen. In diese Zeit fällt unter anderem die Einrichtung des Gletschermessdienstes 1891.[11] Im Jahr 1914 hatte der DuOeAV bereits mehr als 100.000 Mitglieder.[12]

Zur 50-Jahr-Feier der Sektion Austria äußerte sich Eduard Suess zur Gründungsgeschichte in den Mitteilungen des DuÖAV 1912 wie folgt: [13]

„In meinen Vorlesungen war gar oft von den Alpen die Rede und im Wintersemester 1861/62 teilte mir einer meiner Hörer, Edmund v. Mojsisovics, mit, daß er und zwei seiner Freunde, Paul Grohmann und Guido v. Sommaruga, die Absicht hätten, einen Alpenverein zu gründen. Sie hätten sich bisher nur mit dem Advokaten Dr. v.Ruthner in Verbindung gesetzt. Ich möge an einer zweiten Besprechung teilnehmen. Ich sagte zu. (…) Bei der zweiten Besprechung waren sechs Personen anwesend, und zwar die drei eigentlichen Begründer: Grohmann, Mojsisovics und Sommaruga, ferner Dr. A.v.Ruthner, der spätere Gemeinderat Achilles Melingo und ich. Wir waren durch das Scheitern des ersten Versuchs (Anm.: 1856) klüger geworden. Der neue Alpenverein sollte nicht international, sondern besonders für die österreichischen Alpen bestimmt sein. Räumlich eingeengt, sollte er dafür stofflich erweitert werden und nicht nur wissenschaftliche Ziele verfolgen. So entstand damals das Schlagwort vom ‚Wegsammachen‘ der Ostalpen. Im März wurde der Kreis auf 20 Personen erweitert. Statuten wurden entworfen und am 1. Juli genehmigt. Am 19. November fand im ‚Grünen Saale‘ der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (in Wien) unter dem Vorsitze des Professors Fenzl die konstituierende Versammlung statt. Die Zahl der Mitglieder betrug bereits 625.“

Zwischenkriegszeit

Kritisch gesehen wird heute die nationalsozialistische und antisemitische Ausrichtung des Alpenvereins während der Zwischenkriegszeit. In einigen Sektionen wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Arierparagraph angewandt: In der Sektion Wien des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins wurde bereits 1905 in einem Statut festgehalten, dass nur Deutsche sogenannter "arischer" Abstammung Mitglieder werden können; 1907 bzw. 1910 verboten auch die Akademische Sektion Wien bzw. München Juden die Mitgliedschaft, weitere folgten. 1921 wurde der Nationalsozialist Eduard Pichl Vorsitzender der Sektion Austria des DuÖAV und begann, den Antisemitismus durchzusetzen. Im gleichen Jahr wurde die Sektion Donauland gegründet, in der sich viele ausgeschlossene jüdische Bergsteiger sammelten, u. a. Viktor Frankl, Fred Zinnemann und Joseph Braunstein. 1924 wurde diese Sektion aus dem Gesamtverein ausgeschlossen, und 98 der 110 österreichischen Alpenvereinssektionen führten nun auch formell den Arierparagraphen ein. Juden durften weder Mitglied sein noch auf den Vereins-Hütten bewirtet werden.[14]

1938–1945

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (Hitlerdeutschland) im März 1938 kam es zur Gleichschaltung aller alpinen Vereine im Großdeutschen Reich und aus dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DuÖAV) wurde im Mai 1938 der Deutsche Alpenverein (DAV). Dieser war bis zum Kriegsende als Fachverband Bergsteigen in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Vorsitzender war zu dieser Zeit der ehemalige österreichische Bundeskanzler Arthur Seyß-Inquart, ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit.

Nachkriegszeit

1945 wurde der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) neu gegründet. Bis zu der 1952 erfolgten Wiedergründung des Deutschen Alpenvereins (DAV) verwaltete der OeAV dessen Vermögen und Grundbesitz (Hütten) treuhänderisch.

Der OeAV ist Gründungsmitglied des multilateralen Abkommens Gegenrecht auf Hütten, das 1978 eingeführt wurde.

Der Österreichische Alpenverein ist heute laut seinen Statuten unpolitisch und überkonfessionell; er wird – quasi als Gegenpol zu dem laut Statuten bekennend sozialdemokratischen Verein Naturfreunde Österreich – überwiegend dem bürgerlichen Lager zugerechnet.

Literatur

Weblinks

 Commons: Österreichischer Alpenverein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Alpenverein: "Ö" statt "Oe". Alpenverein Sektions-News Nr. 23, November 2014
  2. Neues Logo für den Alpenverein
  3. Arbeitsgebietsordnung in: Wegehandbuch der Alpenvereine (PDF)
  4. Sektionen Österreichischer Alpenverein. In: alpenverein.at. Abgerufen am 25. Juni 2017.
  5. Aktuelle Mitgliederstatistik Österreichischer Alpenverein. In: alpenverein.at. Abgerufen am 23. Juni 2017.
  6. a b Peter Kapelari: Hütten & Wege. Alpine Infrastruktur des Alpenvereins – braucht es die noch? In: Bergauf 04-2012, S. 26 ff (Fundstelle S. 29 resp. 28);
    Alpenverein: Wanderwege brechen wegen Klimawandel weg. APA/Die Presse, 17. Oktober 2008; abgerufen am 28. November 2009.
  7. ÖAV-Vertragshäuser. 13. März 2015; abgerufen am 21. November 2015.
  8. a b c Die Alpenkönige. trend.at, 21. Juli 2005; Grundbesitz: Wem gehört Österreich? In: Die Presse, 19. Juni 2011 (online-Artikel).
  9. Alpenverein & Naturschutz. alpenverein.at (abgerufen 24. Februar 2017).
  10. Alpenverein.at: Geschichte
  11. Bergauf 2/2016. In: alpenverein.at. S. 6–7; abgerufen am 13. Dezember 2016.
  12. Franz Senn, Gründer des Alpenvereins in den NÖN Print-Ausgabe Bezirk Mödling Woche 28/2012
  13. Ein Beitrag zur Gründungsgeschichte des Alpenvereins. Gedenkrede, gehalten von Professor Eduard Sueß zur Fünfzigjahrfeier der Sektion „Austria“. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1912 (Band XXXVIII), S. 304 f. (Online bei ALO) sowie
    Chronik Bergwacht, Teil 1 (PDF; 3,84 MB). In: Bergwacht-bayern.org, abgerufen am 16. April 2011.
  14. Martin Achrainer: „So, jetzt sind wir ganz unter uns!“ Antisemitismus im Alpenverein (PDF), in: Hanno Loewy, Gerhard Milchra: Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte, Hohenems/Wien 2009
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Übersicht der wichtigsten Hochgebirge

Hochgebirge

Der Aneto in den Pyrenäen
Der Alpamayo in den zentralperuanischen Anden
Der Fitz Roy in den patagonischen Anden

Unter einem Hochgebirge versteht man nach der Definition in Dierckes Wörterbuch Allgemeine Geographie: „eine größere Vollform, die sich bedeutend über den Meeresspiegel erhebt und über spezielle geoökologische Merkmale verfügt.“[1]

Begriffsdefinition

In der Geschichte der Hochgebirgsforschung wurde lange nach einer allgemeingültigen Definition für Hochgebirge gesucht.[2] Sie ergab sich aus der Notwendigkeit, in Mitteleuropa die Alpen im Gegensatz zu den Mittelgebirgen Mitteleuropas zu kennzeichnen und sie sollte alle Hochgebirge von der Arktis bis in die inneren Tropen, der ozeanischen Küstengebirge bis zu den Hochgebirgen der absoluten Trockenzonen sowie Vulkanen mit Hochgebirgscharakter, einschließen. Als wirkungsmächtig hatte sich dabei zuerst die Definition Carl Trolls erwiesen, die: eine rezente oder ehemalige Vergletscherung, eine Erhebung über die klimatische Waldgrenze und das Vorhandensein einer Solifluktionsstufe mit den geomorphologischen Prozessen der Frostverwitterung voraussetzte.[3]

Da die Definition Trolls nur den Bereich oberhalb der Waldgrenze, nicht aber den Gebirgsfuß einschloss sowie Polar- und Trockengebirge sowie Vulkane nicht in die Definition mit einschloss, wurden die Attribute weiter ergänzt. Demnach sind folgende Kriterien notwendig:[4]

  • Die Erhebung über die obere Waldgrenze
  • Die erkennbare Wirkung jahreszeitlicher Bodengefrornis mit Frostsprengung, Strukturböden und Solifluktion
  • Eine rezente Vergletscherung oder Spuren quartärer Vergletscherung mit Karen, Trogtälern und Hängetälern
  • Ein Gebirgszug, der sich aus Voll- und Hohlformen zusammensetzt und Reliefenergie von mehr als 1500 m aufweist
  • Eine weitgehende Aufzehrung von flachen Altformen
  • Das Auftreten von Graten, Gipfelpyramiden und Hörnern
  • Ein steiles Relief (mehr als 30°) mit aktiven Hangschutthalden
  • Mehrere übereinanderliegende Höhenstufen
  • Ein raues Klima im Vergleich zu wärmerem tieferen Umland

Charakteristik

Physiogeographisch zeichnen sich Hochgebirge in den mittleren Breiten (ca. 40–70° Nord/ Süd) durch glaziale Formen wie Kare, Vergratungen und Wandversteilungen aus, die in den Gipfelfluren in Höhen ab etwa 2000 bis 2200 m anzutreffen sind, Wandversteilungen auch tiefer. Ebenfalls werden das Vorkommen rezenter Solifluktion und das Erreichen der Waldgrenze als landschaftsökologische Gesichtspunkte herangezogen. Landschaftlich (geomorphologisch) sind oft Steilformen und große Höhenunterschiede auf engem Raum für Hochgebirge kennzeichnend, damit verbunden eine ausgeprägte Gliederung in Vegetations-Höhenstufen.

Neben der Kennzeichnung eines Gebirgszuges als solches beschreibt der Begriff aber auch nur die Höhenstufe, die Hochgebirgsstufe, die – in den Alpen und anderen Gebirgen der gemäßigten Breiten – die beiden an der Frostgrenze geteilten Stufen alpin und nival umfasst, und sich oberhalb der Mittelgebirgszone (montan) erstreckt.

Während sich in Mitteleuropa die Grenzziehung zur Mittelgebirgsstufe beziehungsweise den Mittelgebirgen, die die Hochgebirgsstufe gar nicht erreichen, ab etwa 1500 bzw. 2000 m nach Waldgrenze (weil ab dieser Höhenstufe die Felsformationen weitgehend offen zutage treten) wie auch Besiedelbarkeit (Obergrenze der Ökumene, des Dauersiedlungsraumes) etabliert hat, ist das Bild je nach Klimazone sehr differenziert: Im (sub-)tropischen andinen Bereich etwa liegen selbst größere Städte bevorzugt auf 2000 bis 3500 m über dem Meeresspiegel, das Kriterium der Besiedlung erscheint hier wenig sinnvoll, ähnlich verhält es sich in äthiopischen Hochland von Abessinien oder am Himalaya.

Übersicht der wichtigsten Hochgebirge

Europa

Asien

Afrika

Amerika

Ozeanien

Antarktis

Siehe auch

Literatur

  • Rathjens C.: Geographie des Hochgebirges, 1 - Der Naturraum. Teubner, Stuttgart, 210 S. 1982.
  • Stahr A.R. & Hartmann T.: Landschaftsformen und Landschaftselemente im Hochgebirge. Springer, Berlin, 398 S. 1999.
  • Troll C.: Vergleichende Geographie der Hochgebirge der Erde in landschaftsökologischer Sicht. In: Geographische Rundschau, 27, 185–198. 1975.
  • Geographische Rundschau, 12, 2001. Thema: Hochgebirge.

Weblinks

 Wiktionary: Hochgebirge – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Hartmut Leser (Hrsg.): Diercke - Wörterbuch Allgemeine Geographie. 13. Auflage, 1.119 S., Dtv 2005. ISBN 978-3-423-03422-7
  2. 1980: Vergleichende Geographie der Hochgebirge, an Beispielen aus den Subtropen. Christoph Jentsch und (Hrsg.) 1980: Höhengrenzen in Hochgebirgen. Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes, Bd. 29, 15-27, Saarbrücken. ISSN 0563-1491
  3. Christoph Jentsch und Herbert Liedtke 1980: Höhengrenzen in Hochgebirgen - Einleitende Bemerkungen zum Rundgespräch. In: Christoph Jentsch und Herbert Liedtke (Hrsg.) 1980: Höhengrenzen in Hochgebirgen. Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität des Saarlandes, Bd. 29, 29-33, Saarbrücken. ISSN 0563-1491
  4. Christoph Jentsch und Herbert Liedtke 1980: S. 30
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