Pfingstfahrt zur Parseierspitze

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Gleich hinter Madau, dem kleinen Sommerdörfchen am Alperschonbach, tief drinnen in den Lechtalern, geht es den Pfad im Zickzack steil hinauf zur Mem­minger Hütte.

Auf ebenem Weg waren wir zwei durch lichten, sonnendurchleuchteten Mischwald und an jähen Wiesenhängen entlang das Tal hineingewandert, immer hoch über dem frühlingswilden Bach, der tief drunten in der Schlucht toste und rumorte.

Schritt um Schritt stapfen wir nun höher. Die Sonne sticht umbarmherzig, sie brennt und drückt. Noch schlimmer drückt der Rucksack. Und nirgends Schatten, keine Wolken am Himmel! Wir steigen über mächtige Lawinenreste und endlose Schnee­felder. Da kommt uns wahrhaftig noch einmal der Winter entgegen. Hatten wir drunten am Alperschonbach schon Enzian, Trollblumen und Mehl­primeln begrüßt und uns unterwegs noch an den zartlila Soldanellen erfreut, an der mollig ver­mummten Küchenschelle, so stapften wir jetzt auf einmal durch eine tote und einsame Winterland­schaft. Aber ist sie wirklich starr und tot? „Hörst du nicht“, sagt der Freund stehenbleibend zu mir, „wie es da unter der Schneedecke gluckst und mur­melt?“

An der Memminger Hütte gibt es vor der verdien­ten Rast erst Schwerarbeit. Tief verschneit ist der Eingang, und lange haben wir zu schaffen, bis er endlich freigelegt ist. Aber dann … Nein, so schlimm war es gar nicht. Und so sitzen wir zum Sonnen­untergang droben unterm Gipfelkreuz des nahen Seekogels. Die Allgäuer Berge stehen nordwärts im abendblauen Dunst. Merkwürdige Wolkentiere wäl­zen sich drüber hin, gespenstische Drachen, riesige Schlangen, Wölfe, die einer Beute nachjagen. Im Westen drüben die Freispitze steht wie eine Burg im Licht der Abendsonne. Als schwarze Schattenrisse ragen ihre Türme und Zinnen gegen einen märchenblauen, fast schon ins Goldene spielenden Abendhimmel.

Am anderen Morgen halten wir frühe Tagwacht, damit der Schnee noch hart und tragfähig ist für  unseren langen Weg. Föhnfische stehen am giftgrünen Morgenhimmel. Warm ist es draußen. Den­noch wagen wir es! Auf und ab geht es, an bizarren Felsköpfen vorbei, über Scharten und tiefe Runsen. Bei jedem Schritt brechen wir ein. Ein steiler aperer Rasenhang, ein kurzer Abstieg, dann stehen wir in der Schafscharte am Beginn des langen, unübersicht­lichen Nordgrates der Parseierspitze.

Hoch über dem Gatschkopf ziehen schon die ersten Schafwolken: Spätestens innerhalb zwölf Stunden regnet es, wenn nicht schon früher. Wir müssen uns sputen. Oder sollen wir lieber umkehren?

Da hat der andere schon das Seil von der Schulter genommen und sich angeseilt. Ungeduldig drängt er zum Aufbruch. Doch gleich der erste rot-weiße Turm verabreicht uns einen gehörigen Denkzettel, als wir glauben, ihn in einer schmalen Eisrinne rechts um­gehen zu können. Bald stecken wir in unwegsamstem Gelände. Schneebedeckte Bänder, wasserüberron­nene Überhänge zwingen uns zur Umkehr. Das hät­ten wir billiger haben können, denn als wir den Stier gleichsam bei den Hörnern anpacken, ergibt er sich ohne nennenswerten Widerstand.

Jetzt folgen zerbrechliche „Kartenblätter“ und steile Firnkanten in raschem Wechsel. Überall behauptet hier der Winter noch seine Stellungen. Wir schauen uns um, vorwärts und aufwärts, um uns den Weiter-weg zu suchen. Zacken reiht sich an Zacken, Turm an Turm und dazwischen fein geschwungene Wäch­ten und scharfe Firnschneiden. Dabei begleiten uns bizarre Verwerfungen im Gestein, das seine Farbe fast von Seillänge zu Seillänge ändert: rot und grün, dann wieder gelb und grau. Jeder Schritt zeigt uns neue Bilder.

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