Die Meije 3983 m – eine Besteigung

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Zuerst stiegen wir direkt etwa 10 m hinab, dann querten wir nach rechts zum Schneegrat. »Wir sind aus dem Wasser,« rief Hacker. »Nur Geduld, es werden schon noch »Sachen« kommen,« war die Antwort. Nachdem wir wieder versammelt waren, ging es besser in die Scharte vor dem vierten Turm hinab. Auch dessen Höhe wurde verhältnismäßig gut gewonnen, leider traten wir jetzt in den Bereich des Mondschattens, den der Pic Central gegen uns warf und das er­schwerte unser Vordringen sehr.

Wieder sahen wir uns genötigt, die verschneite Flanke zu Hilfe zu nehmen, und kletterten an dem Eishange mehr als 12 m zu einem aus dem Eise hervor­stehenden Felsbrocken, der als Sicherungsblock dienen sollte, ab; während sich der eine weiter den Weg zur Scharte bahnte, legte der andere einen Seilring um den Block und ließ das Seil als Nachfolgender durchlaufen.

Endlich befanden wir uns in der Scharte vor dem Aufbau des Pic Central. Hurrah, da gab’s schneefreie Felsen, finster war’s zwar, aber unsere Augen waren auch schärfer geworden.

Den linken Fuß im Schnee, den rechten in den Felsen, so kletterten wir rüstig weiter, bis wir in halber Höhe zum Gipfel eine kleine Terrasse in der Süd­seite entdecken, die R. H. Schmitt als Biwakplatz des Professors Kellerbauer be- zeichnet. Ein allerliebstes Fleckchen in der weithinaushängenden Südwand des Pic Central. Wir beschließen, zu rasten und etwas zu kochen. Um 12 Uhr 15 Min. nachts lagern wir uns hinter dem kleinen Steinwall und nehmen bei dieser Berg­fahrt zum ersten Male das ein, was man bei anspruchslosen Bergmenschen so halbwegs Mahlzeit nennen kann. In meinem kleinen Schnellkocher schmolzen wir Schnee und taten Schokolade hinein, auf dem Deckel oben wärmten wir Wurst und mischten Wiener Torte dazu. Es war beinahe wie bei der Table d’hôte im Hôtel Juge, nur der Wein fehlte.

Eine Stunde ruhten wir so in emsiger Beschäftigung mit unserem leiblichen Wohle; erst als uns fror, dachten wir an den Aufbruch.

Bisher hatten wir nicht zu leiden gehabt, denn der Schwitzer, die gespannteste Vorsicht und die schwierige und gefährliche Arbeit am Schlusse hatten uns tüchtig eingeheizt, nun aber waren wir wieder froh, uns rühren zu können. Unsere Schätze fanden wir so ziemlich zusammen und kletterten das kurze Stück zum Gipfel empor.’

Eine halbe Stunde verweilten wir und begannen hierauf den Abstieg. Ge­wöhnlich steigt man direkt nach Norden ab, hält sich dann rechts und erreicht den Glacier de Tabuchet über eine in der Regel vorhandene, fein in das Eis ge­hauene Stiege. Wir gingen nicht nach Norden, weil wir erstens nicht wussten, dass das der übliche Weg sei, und zweitens es bei dieser Beleuchtung nicht hätten wagen können, dort abzusteigen, denn Eishänge täuschen in der Finsternis zu sehr; wir wandten uns daher gegen den Ostabsturz.

Anfangs ließ es sich ganz gut an, dann wurde der Weg erbärmlich schlecht. Eine unübersichtliche plattige Wand senkt sich vor uns zu der Scharte im Osten hinab, in der wir zu stehen wünschen.

»Nur hinunter, es muss gehen!«

Hacker klettert vorsichtig die schwierige Wand hinab, Schnee liegt auch noch darinnen, und unser bleicher Reisegefährte hat sich hinter dem Pic Oriental ver­steckt, er ist es schon müde geworden, uns zu leuchten. Nachdem Hacker Stand hat, komme ich zu ihm. Es ist eigentlich eine große Platte, deren rechter über dem un- heimlich schwarzen Abgrund abbrechender Kante ich nun zusteuere, bis ich bei meinem Gefährten eintreffe; wir treiben nun einen Haken ein, denn sonst ist keine Möglich­keit zur Versicherung. Das Auge späht hinaus in die Finsternis und läuft suchend an den Felsen hinab, und was ihm ein Rätsel bleibt, das müssen die anderen Sinne erforschen.

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