Die Meije 3983 m – eine Besteigung

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uns im Stiche, es scheut den grauenhaften Absturz drüben, und wir müssen auf spärlichen Vorsprüngen in die Wand hinaus. Natürlich, da ist ja der verwünschte Neuschnee, doch auch ein dickes, solides Seil, das den Weg zur Spitze weist. Die Stelle, wo man in die Nordseite hinaustritt, ist sehr schlecht, peinliche Achtsam­keit ist notwendig, die Gleichgewichtsfrage muss dabei völlig korrekt gelöst werden, und dass das bisher immer geschehen ist, dafür sorgt der schauerliche Abgrund, der sich unter den Füßen auftut. Als ich ein Stück in die Wand hineingequert habe, bleibe ich stehen und warte auf Hacker. Der hat mittlerweile die Kletterschuhe angezogen, da er sehr gefährliche Arbeit wittert, und nachdem er sich um die Ecke herumgelotst hat, geht er gleich dem Seile entlang weiter über die schnee­bedeckten, noch immer sehr schwierigen Felsen auf die Spitze des Turmes.

Der Schnee, der das Seil mit seinen kalten Armen umfangen hat und den jetzt Hacker durch Losreißen des Seiles herunterwirft, fällt mir auf Kopf und Nacken, und das ist wenig angenehm.

Dann klettere ich nach und suche mir einen Sitzplatz auf der Schneide des Turms, das Schlimmste ist hinter uns, der Weg zum Pic Central steht uns offen. 6 Uhr 30 Min.

Bisher hatte uns das Fernrohr von La Grave verfolgt, nun kam die Dunkel­heit herangekrochen und kopfschüttelnd, Neugierde und Mitleid im Busen, gehen sie drunten zum Diner im festlich erleuchteten Saal und setzen sich an die blendend weiß gedeckten, blumengeschmückten Tische und essen aus Mitgefühl und hungrig vom langen Schauen heute das Doppelte, schmatzen, schwatzen und trinken auch auf das Wohl der zwei armen, erfrierenden Bergsteiger dort hoch oben in den Sternen.

Die zwei aber essen nichts und trinken nichts, sie öffnen bloß die Rucksäcke, um ihre Schwitzer, Schneehaube, Fäustlinge und Eisen anzuziehen. Dabei geht es ihnen so wie dem uralten Haus in dem schönen Märchen. Das war schon recht alt, so dass es am liebsten umgefallen wäre, da es aber nicht wusste, auf welche Seite es fallen solle, so blieb es stehen. Auch wir fielen aus diesem Grunde weder nach La Grave, noch gegen die Hôtelküche von La Bérarde, sondern blieben auf der scharfen Schneide und warteten, bis der liebe Mond käme.

Als ob man uns durch ein Feuerwerk den letzten Trost; die letzte Ehrung spenden wolle, so flammten unten die hellen Lichter auf, bis die ganze Stadt in Brand zu stehen schien, und das blieb so die ganze Nacht, für uns von unver­geßlichem Eindruck. Bis ½ 8 Uhr waren wir festgebannt, denn zum Weitergehen war’s zu finster; dann kam der Mond. Wir nahmen das Seil kurz und setzten uns in Bewegung; langsam mussten wir freilich gehen, doch wir hatten ja Zeit genug.

Zur Rechten immer die schwarze, mehr als 800 geneigte Südwand, zur Linken die etwa 65 ° steilen, vereisten und mit Neuschnee garnierten Korridors und gerade auf der Schnittlinie beider, wo das Leben noch mit Berechtigung seinen müh­samen Weg erkämpfen darf, da gingen wir ihn suchen.

Zuerst ohne besondere Schwierigkeiten, denn die Kletterei ist ziemlich ein­fach, gelangten wir auf die Spitze des zweiten Turmes und stiegen etwas steiler in die nächste Scharte ab. Meter für Meter rücken wir unserem Ziele, dem Pic Central näher, eine Seillänge nach der anderen wird eingezogen, so dass wir glauben, lange vor Mitternacht den Gipfel betreten zu können. Doch das ist Aberglaube gar so spaßen lässt die Meije mit sich nicht. Beim Abstieg vom dritten Gratturm ward sie ruppig; der Felsgrat konnte dort nicht weiter benützt werden, so dass wir in die Nordflanke; in den Schnee übergehen mussten. Wenn’s nur Schnee gewesen wäre, so aber deckte eine trügerische Neuschneeschichte hartes Eis, das wieder nicht kompakt und zum Stufenschlagen veranlagt war, sondern als dünner Überzug über ganz elenden Platten unsere Aufmerksamkeit auf die stärkste Probe stellte.

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