Die Meije 3983 m – eine Besteigung

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und gescheitert, so der Paul Guillemins mit Émile Pic. Mehr Glück hatte C. Verne mit P. Gaspard sen. und jun., M. Gaspard und Rodier am 2. Juli 1885, die von der Brèche aus über den Westgrat anstiegen, den Petit Doigt an der Nordseite umgingen, durch ein Couloir die Schulter gewannen und am Doigt vorüber den Glacier Carré und damit den alten Südweg erreichten.

Dort unten, wo sich der Südgrat der Meije noch einmal zusammenschnürt, um dann in ausgebreiteter Fächerform als »Promontoir« unter das Eis des Étançon gletschers zu tauchen, blinkt uns liebliches Willkommen entgegen, das funkelnde Blechdach der neuen Hütte, verwegen auf die Felsschneide geklebt.

Eine Stunde verrann rasch in seligem Schauen, dann nahmen wir den Weg abwärts über die plattigen Felsstufen und liefen über den Gletscher hinunter, bis uns die Klüfte wieder zwangen, das Seil zu nehmen und mit mehr Vorsicht zu unserem Obdach zu steuern. Eine hochtouristische Hütte, wie sie schöner kaum gedacht werden kann, für deren Schaffung die Société des Touristes du Haute Dauphiné den wärmsten Dank aller Meijefahrer verdient. Auf schmalen Felsgrat ist das Holzhüttchen hingezimmert, zwei Drahtseile auf jeder Seite dienen als Anker, kein Steig führt zu ihr, wer hinein will, muss klettern. Die Tür besteht aus zwei ge­trennten, übereinander stehenden Hälften, damit bei vielem Schnee durch die obere, für sich zu öffnende Hälfte hineingestiegen und die innere Tür aufge­schlossen werden kann.

Und drinnen erst ! Alles blitzsauber und nett; alles ist vorhanden, was der Hochtourist braucht und noch mehr.

Der Rucksack wird hingeworfen und ich jage die groben Felsen ober der Hütte hinauf, bis sie ganz frei vor mir liegt: die Südwand der Meije.

Keine Wolke schwächt das leuchtende Blau des Himmels, in den sich die ungeheuere Felswand da vorne in erdrückender Wucht hineinreckt; von mir weg klettert der dünne Grat aufwärts, bis er an jener fast senkrechten Wand landet, die den Namen »die große Mauer«, »Le Grand Mur«, führt, und darüber das glit­zernde Eisfeld des Glacier Carré. Und da, ewig abweisend herüberdrohend, wie eine Säule dem Gletscher entwachsend, der höchste Gipfel, der Grand Pic, dessen hornartig gebogene Spitze einem Chapeau de Capucin ähnelt. Dieweil der Atem stockt vor Aufregung und Ehrfurcht, läuft der Blick weiter über die tief einge­schnittene Brèche Zsigmondy hinüber zum Pic Central und gleitet zurück über die »Brèche Joseph Turc« östlich desselben, die Aug. Reynier und C. Verne mit J. Turc und den beiden Gaspards am 20. Juli 1895 zum ersten Male von Süden her über­schritten haben, zu den wahnwitzig glatten Abstürzen der Südwand. Unlöslich sind beide Namen miteinander verbunden, Emil Zsigmondy und die Südwand der Meije. Fiducit !

Lange, lange stehe ich unbeweglich da und sinne in Wehmut, bis die Pflicht zur Arbeit, zur Hütte zurückruft. Aber nur eine Weile und wir steigen gemein- sam wieder herauf und sind glücklich wie Kinder. Nichts anderes können wir herausbringen, als: »Herrgott, das ist schön, das ist schön!« Noch nie habe ich solches in den Alpen gesehen und die Worte Purtschellers ergänze ich so: Wer die Meije nicht sah, hat nichts gesehen, aber wer die Meije nicht von Süden sah, der hat die Meije nicht, gesehen.

Allmählich  senkte sich der Abend nieder, wir mussten hinab in unser neues Heim.

Ich hatte für den nächsten Tag die Überschreitung zum Pic Central geplant, doch Hacker steckten der Westgrat und die ideal schöne Lage der Hüte, zu der er wieder zurückkehren wollte, zu sehr im Kopfe, so dass ich schließlich einwilligte, am anderen Morgen nur den Grand Pic zu ersteigen und den Westgrat auf seine Begehbarkeit im Abstiege zu versuchen. Dafür verpflichtete sich Hacker, am zweitnächsten Tage unter allen Umständen meinen Wunsch zu erfüllen, den Grat zu machen.

Mildes Mondlicht webt sich draußen um die Berge und hüllt sie in ge­spenstische Töne, schwarz gähnen die Spalten des Eismeeres herauf und über allem dem zucken die Sterne wie Irrlichtlein um die Gipfel der wild durcheinander-geworfenen Spitzen, aber feierliche Ruhe, starres Schweigen lagert auf der ganzen Welt ringsum und auch über den Zweien, die es noch einmal unwiderstehlich hinausgetrieben, um wieder und wieder dem dämonischen Berg ins Antlitz zu blicken. Ja, ein dämonischer Berg ist die Meije, unheimlich, niederschmetternd, und doch hinreißend schön; wer sie einmal gesehen, der ist ihr verfallen sein Lebenlang. — Ein prachtvoller Morgen guckte bereits durch die Fenster, als wir am 19. September um 5 Uhr 30 Min. früh unser liebes Hüttlein hinter uns ver­riegelten. Das meiste von unserem Gepäck hatten wir zurückgelassen und nur das Nötigste an Ausrüstung und Proviant mitgenommen, da wir ja abends wieder da sein wollten. Wenige Schritte über den Grat und wir standen an dem kleinen Mäuerchen, hinter dem ein etwa 15 m hoher Kamin nicht leicht auf die höhere Gratstufe leitet. Dort ging es bequem und aufrecht weiter, bis der Grat wieder steil aufsteigt und wir an seiner westlichen Flanke auf schönen Bändern in das Grand Couloir hineinquerten.

Der Fels ist trocken, Eis ist keins zu sehen und schnell klettern wir über den gut gestuften Fels in der Rinne zur Höhe. So harmlos das Couloir jetzt aussah, so bösartig kann es bei schlechtem Wetter werden, wie der Unfall Payerne‑

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