Die Meije 3983 m – eine Besteigung

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liches Fernrohr, mit dem man die Meije eingehend studieren kann. Deutlich war die Spur einer wenige Tage vorher über die Brèche de la Meije gezogenen Partie zu sehen. Große Fußstapfen vom oberen Ende der Enfetchores gegen die Brèche hin verrieten, dass noch hinreichend Schnee oben sei und der Steilhang zur Brèche noch gut sein musste. Nachmittags ging ich, damit, wir am nächsten Morgen keine Zeit mit dem Wegsuchen verlören, hinauf zum Fuße jenes Enfetchores ge­nannten, schmalen Felsrückens, der den Glacier, de la Meije durchschneidet. —

Heller Mondenschein durchflutete die kühle Nacht und warf silberne Schimmer auf die zierlich dahintanzenden Wellen der Romanche, als wir am 18. September um 3 Uhr 50 Min. früh das Hôtel mit seinen für den Bergsteiger gefährlichen üppigen Pfählen verließen, nach wenigen talabwärts gerichteten Schritten nach links zur Brücke hinabstiegen und am jenseitigen Hange auf bequemem Steige emporstrebten. Bald war der tief eingefressene Torrent de Cavalchère erreicht und nun darf man nicht, wie man verleitet werden kann, auf schönem Stege über den Wildbach, sondern man geht an dessen rechtem Ufer an den edelweißreichen Hängen zu den Chalets. Der Weg führt weiter etwas abwärts und über den Bach, worauf der jenseitige Hang solange als möglich ober der  nahen Moräne benützt wird; schließlich geht es über diese und durch die blaugrünen Trümmer abge­stürzter Seraks zum Sockel des nashornartigen Felsrückens der Enfetchores.

Von linksher erreichten wir mühelos den ersten Felskopf des Rückens, 2 3/4 Stunden nach dem Abmarsche von La Grave. Um 7 Uhr nahmen wir unsere schwere Last wieder auf und wandten uns nunmehr in die Westseite des Fels- rückens. Der Weg ist nicht zu verfehlen, die Kletterei in dem festen Gneisgranit ein wahrer Genuss. Wie unheimlich steil und ungangbar hatte doch dieser Rücken von der Aiguille du Goléon her ausgesehen und wie spielend ging es hinauf! Um  ¼ 10 Uhr betraten wir den durch Konservenbüchsen kenntlichen Frühstücksplatz. Wir wussten hier nicht genau, ob wir geradeaus weiter über die Felsschneide oder in den aus dem Eise hervorragenden Felsen rechter Hand gehen sollten. Hacker kletterte neben einem durch ein Mäuerchen geschützten Biwakplatz (vielleicht dem des Émile Pic) schwierig auf die Schneide hinauf, sah aber, dass auf dem messer­scharfen Grat kein Fortkommen war, stieg daher wieder ab und querte auf dem steilen, vereisten Hang zu mir herüber, der ich mittlerweile nach rechts gegangen war. Als wir wieder beisammen waren, brachte uns eine kleine Anzahl Stufen über die vereiste Schneezunge in die Felsen rechts und der Schnee neben den- selben in kurzer Zeit auf die letzten im Eise versinkenden Felsen. Es war ½ 11 Uhr. Da wir Zeit in Fülle hatten und bei einem Übergang über die Brèche eine kleine Nebentour nicht möglich ist, so konnte Hacker diesmal ohne Einwand meinerseits seinen Über-Rucksack öffnen, seinen vielgeliebten Über-Kochapparat in Tätigkeit setzen und einen Über-Tee brauen.

Indes mustere ich unsere Nachbarschaft.

Aus dem wild zerrissenen, in überstürzenden Wogen zur Tiefe wallenden Eismeere baut sich dort drüben die Nordwand der Meije auf, viel Schnee liegt in den finsteren Wänden und schreckhaft jäh schießen die düsteren Rinnen an dem Berge herab. Hier das von der Brèche du Petit Doigt herabziehende Couloir, weiter gegen Osten das lange Felscouloir, das zwischen Épaule und Pic du Glacier Carré einschneidet, ferner das mittlere, große Couloir aus der Scharte zwischen Pic du Glacier Carré und Grand Pic, noch weiter gegen Osten die Rinne, welche Eugène Gravelotte am 23. September 1898 mit vier Führern, M. Gaspard und seinen beiden Brüdern Casimir und Devouassoud, sowie J. Turc nach einem Biwak in den Enfetchores zum Aufstieg erwählte, worauf er nach ungemein gefährlicher Arbeit die Brèche Zsigmondy betreten konnte.

Zwei Stunden waren im Fluge entschwunden. Über den obersten Teil des Glacier de la Meije wand sich weiter unser Pfad, durch die wenigen Klüfte hin­durch, zuerst gegen den Râteau, dann scharf links unter die Brèche, von deren Höhe uns noch ein beträchtlicher Schneehang trennte. Die Randkluft übersetzten wir mit einem weiten Schritte und stiegen in den zur Linken befindlichen Felsen zur Brèche empor. Ein Jubelruf der Überraschung erscholl, als wir um 2 Uhr in der Scharte auftauchten, denn das was da drüben im Süden lag im flimmernden Sonnenglanz mit unzähligen funkelnden Scheiteln, gleißenden Wänden und ver­derbenbringenden Eisströmen, das war unser Traum, das Dauphiné. Ein leiser Wind strich durch die Brèche, aber auf der Südseite, wenige Meter unterhalb, war es heiß, und dort lagerten wir uns, nachdem Hacker seine Mosetig-Battistschlafsack­hose an seinem Pickel gehisst hatte, so dass sie sich an Gestalt gleich einem zigarrenförmigen Fesselballon im Winde blähte.

Im Hôtel hatte man uns natürlich fortwährend beobachtet und freute sich jetzt über den Gruß mit der sonderbaren Fahne.

A. W. Moore, H. Walker und E. Whymper mit Chr. Almer sen. und Michel Croz waren die ersten, die am 23. Juni 1864 ohne Schwierigkeiten diesen 3300 m hohen Pass von La Grave nach La Bérarde überschritten hatten. Von hier aus waren auch so manche Versuche, den Grand Pic zu ersteigen, gemacht worden

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