Die Meije 3983 m – eine Besteigung

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Schließlich einigten wir uns dahin, dass ich beide Enden des langen Seiles um meine Mitte band, dasselbe um das letzte Köpfel legte und am doppelten Seile herabglitt. Außerdem verlangsamte Hacker, der vorläufig auf dem Köpfel blieb, durch das zweite Seil die Schnelligkeit.

Es war der letzte Akt der Vorstellung, die wir einem hochzuverehrenden Publikum von La Grave gaben. Mit beiden Händen hielt ich das doppelte, noch immer zu dünne Seil und hackte mit den Steigeisen unaufhörlich in das beinharte Eis, wobei ich mich möglichst senkrecht zur Eisfläche stellte. Langsam kam ich abwärts, hielt mich immer mehr nach Osten, wo Schnee zu sehen war, und ge­langte endlich, nachdem ich mich unterdessen vom zweiten Seile hatte losbinden müssen, auf eine schüchterne Schneedecke und in alte, ausgeschmolzene Stufen, woselbst ich mich ganz losseilte und die Stufen ausbessernd zum Gletscher hinabstieg.

Freund Hacker hatte die schwierigere Aufgabe, er musste sich am einfachen Seile ohne Unterstützung herablassen. Er hatte den Pickel als Bremse gegen zu rasches Abgleiten zu benützen gesucht und zu diesem Behufe kreuzweise das Seil um die Pickelhaue geschlungen, wobei er Seil und Pickelschaft in der Rechten festhielt, indes das rechte Handgelenk zum Widerhalte in der Pickelschlinge aus einem Steig­eisengurte steckte. In besonderer Vorsicht hatte er überdies in 5 m Länge eine Schlinge ins Seil geknotet und diese um sein linkes Handgelenk gelegt, worauf er möglichst senkrecht zur Eiswand abgestiegen war. Infolge der furchtbaren Reibung und dadurch erzeugten Hitze war im Nu die Pickelschlinge durchgebrannt, riss unter dem Knotungspunkte, Hacker glitt blitzschnell die 5 m bis zur zweiten Seil­schlinge hinab und hing frei am linken Handgelenke in der Eiswand, während mehrere Meter höher der Pickel vom straffen Seile festgehalten war. Systematisch den glasharten Hang mit den Steigeisen bearbeitend, mühte er sich mit übermensch­licher Kraft wieder am Seile empor zu dem unentbehrlichen Werkzeug und sam­melte sich für die Wiederholung des kitzlichen Experimentes. Dann turnte er über dem unheimlichen Schrunde herab zu den Stufen. Seine Handschuhe hatten es freilich mittlerweile vorgezogen, ihren sonstigen Aufenthaltsort in den Taschen Hackers mit dem in der Kluft zu vertauschen. Da das kürzere Seil oben befestigt war, schnitt Hacker soviel davon ab, als er retten konnte, und gelangte in den Stufen zu mir.

Wir hatten rasch herabkommen wollen, hatten aber mehr Zeit gebraucht, als wenn ich, sobald ich bei den alten Stufen gewesen war, neue hinauf zu Hacker geschlagen hätte. Eine Lehre fürs nächste Mal. —

Munter trabten wir nun um die lauernden Klüfte, sprangen nach Bedarf darüber, immer den Rocher de l’Aigle, dann den Pic de l’homme als Richtung annehmend. Noch einmal mussten wir die Steigeisen, die wir von 7 Uhr abends bis 9 Uhr früh an den Füßen gehabt, aus dem Rucksack holen, denn der Schnee beim Bec de l’homme war steil und hart.

Uns war empfohlen worden, über den Glacier du Bec zwischen Bec de l’homme und Pic de l’homme abzusteigen, da der unterste Glacier de Tabuchet unpassierbar sei, wir aber wollten doch direkt durchkommen, so wie es noch Mitte August einer Wiener Partie gelungen war. Beim Pic de l’homme versperrte ein großer Abbruch den Weg, weshalb wir nach links in die Seraks, über Schneiden und Türme, Spalten und Löcher, auswichen, bis wir wieder gerade herunter konnten und in strecken­weiser Abfahrt die Moräne nahe dem Gletscherende erreichten. 1 Uhr 30 Min. mittags.

Ein köstliches Luftbad erquickte unsere von der Sonnenglut versengten Ka­daver und auch unsere Augen empfanden die Wohltat der neuen Umgebung. Die Schneebrillen lagen natürlich wohlverwahrt in der Hütte auf dem Promontoire.

Eine kurze Rast und wir mühen uns die schmählichen Schutthalden, dann nach rechts querend, über die Grashänge nach La Grave hinab, schlendern den

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