Messners Hattrick 1982 – drei 8000er in drei Monate – Kangchendzönga – Gasherbrum II – Broad Peak

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In den 90 Tagen von Anfang Mai bis Anfang August letzten Jahres erstieg der 38jährige Reinhold Messner in wechselnder Begleitung nacheinander den Kangchendzönga im Himalaya, den Gasherbrum II und den Broad Peak im Karakorum. Damit hat der Südtiroler neun Achttausender erstiegen. Was er bei seiner Rekordtour erlebte, hat Reinhold Messner fotografiert und notiert.

6. Mai: Kangchendzönga

»Die fünf großen Schatzkammern des Schnees« — dritthöchster (8598 Meter) und östlichster der 14 Achttausender, unter deutsch­sprachigen Bergsteigern als »Kantsch« bekannt. Erstbesteiger: die Briten Joe Brown und Georges Band, 1955. Ich war mit Friedl Mutschlechner und dem Sherpa Ang Dorje auf dem Gipfel.

24. Juli: Gasherbrum II

»Die leuchtenden Berge« heißen sechs Karakorum-Gipfel. Der Gasherbrum II ist deren zweit­höchster (8035 Meter). Erstbe­steiger: die Osterreicher Fritz Moravec, Sepp Lauch und Hans Willenpart. Mit Sher Khan und Nazir Sabir war ich auf dem Gasherbrum II.

2. August: Broad Peak

Die »Breite Spitze« ist ein 8047 Meter hohes gigantisches »Breit­horn« zwischen K2 und Gasherbrum. Erstbesteiger: die Oster­reicher Marcus Schmuck, Fritz Wintersteller, Kurt Diemberger und Hermann Buhl, 1957. Für Her­mann Buhl war es der letzte Berg. Meine Begleiter auf dem Broad Peak waren ebenfalls Khan und Sabir.

Ach, diese Achttausender! Der »Kantsch« war der erste in dieser Saison, er wird wohl für Jahre der letzte bleiben. Die Idee von den drei Achttausendern ist gegenstandslos ge­worden.

Ich bin immer noch krank. Meine Lungenentzündung ist fast ausgeheilt, aber der Leberabszeß bereitet mir nachts Schmerzen bis zur Bewußtlosigkeit. Während ich, am Stadtrand von Kath­mandu, langsam die Treppen zu meinem Hotelzimmer hinaufsteige, lockt mich wieder einmal die Vorstellung: Mit die­sen Expeditionen aufhören, für immer. Plötzlich erinnere ich mich, wo und wann ich mich infiziert habe: Das war am dritten oder vierten Tag während des dreiwöchigen Gehens ins Basislager des Kangchendzönga. Ich hatte Durst, eine alte Frau brachte Chang, das heimische Reisbier.

Schon beim Aufstieg zum ersten Hochlager verspürte ich Schmerzen. Die Kletterei aber forderte mich so, daß ich das Stechen in der rechten Seite nicht nur vergaß, es verschwand.

Drei Wochen lang kletterten Friedl und ich über Eiswülste, endlose Steilwände, sturmgepeitschte Grate. Der Gang zum Gipfel war wie eine Flucht nach vorn — der letzte Ausweg. Sturmpausen waren nicht zu erwarten.

Ich erinnere mich jetzt an diesen Sturm so, als hätte er sich besänftigt, aber er war das alles Umfassende. Frag‘ mich nicht, warum wir trotz des wach­senden Orkans bis zum Gipfel gehen mußten. Seit wir den letzten Lagerplatz verlassen hatten, konnte ich nichts mehr aufnehmen. Es gab keine Linien, keine Gestalten, keine Tiefe mehr um mich. Was ist denn Raum, wenn die Zeit sich auflöst? Beim Abstieg über die kirchturmdachsteile Gipfelwand rettete uns nur noch der Instinkt, im gefährli­chen Augenblick das Richtige zu tun.

Die Nacht verbrachten wir am Nordgrat in zwei winzigen Zelten, und immer noch mehr als 8000 Meter hoch. Es war eine fürchterliche Nacht. Friedl erzählt heute, ich hätte geschimpft auf jene, die Steine auf unser Zelt warfen. Ich kann mich nicht daran erinnern.

Am schlimmsten war der

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