Palon Ostwand

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Hasardspiel betreiben zu müssen.

Reinhold Meßner, den bekannten Südtiroler Berg­steiger, mache ich auf das Problem aufmerksam. Photos, die ich von der Wand geschossen habe, ver­raten die schwächsten Stellen im Wandzentrum. Mit dem Fernglas tastete ich mehrere Male die Wand ab. Werden wir in einem Tag durchkommen? Ein Ver­such Ende Dezember wird vereitelt. Wir gehen noch nicht einmal zum Einstieg. Heftiges Schneegestöber, Nebel, empfindliche Kälte. Verschieben wir’s auf später. Aber der Winter vergeht, ohne daß wir die Wand angehen können. Mit der verstreichenden Zeit steigt die Angst, daß ein anderer von unserem Plan erfahren könnte, und andere Alpinisten haben auch Augen im Kopf, um erkennen zu können, welche Möglichkeiten es noch gibt. Nein, die „Geliebte“ lasse ich mir nicht wegnehmen. Bis zum nächsten Winter wird sie mir nicht treu bleiben!

Sonntag, 30. April 1967:

Um 2.30 Uhr ist Wecken. Hüttengeräusche in mei­ner Wohnung, schlaftrunkene Gesichter, hochquel­lender Kaffee in der Mokkakanne. Gepackte Ruck­säcke, leise Schritte, ein sanfter Kuß der Frau. „Ciao! Paß gut auf und mach’s gut, nichts übereilen, biwakiert lieber!“ (Die Biwakausrüstung hat uns, als wir mittags auf dem Gipfel waren, ausgelacht.) Die Stadt Trient schläft. Einmalige Gelegenheit, der Geschwindigkeitsbegrenzung zu trotzen. Die Kur­ven zum Monte Bondone hinauf machen uns end­gültig wach. Auf 1 600 m Höhe fahren wir auf der Westseite um den großen Skiberg herum und sind beim Morgengrauen an seiner Südflanke angelangt. Mit einem Photo in der Hand queren wir unter der Wand. Jeder größere Vorsprung wird mit dem Photo verglichen. Wir kommen uns fast wie Pfad­finder vor. (Schade, daß wir keine Uniform tragen, so könnten wir tatsächlich als solche gelten.)

Der Feuerball, der einen heißen Tag ankündigt, geht über den Bergen der Valsugana auf. Der tiefste Punkt der Wand ist erreicht. Hier wird ein Stein­mann errichtet; wir photographieren ihn auch, weil er besonders schön ausgefallen ist. (Aber bei einer Routenbeschreibung braucht man keine langwierigen Erklärungen abzugeben; da wird es heißen: „Vom Steinmann links haltend gewinnt man …“

Von hier unten sieht die Wand abweisend, fast un­möglich aus, gelbe

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