Palon Ostwand

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Nur noch etwa dreißig Meter trennen uns vom Gipfel des Palon. Monte Bondone-Palon, heiß­begehrter Skiberg im Trentino. Ein Alpini winkt uns, und als wir vor ihm sind und durch die Ab­zäunung steigen, mit der der Gipfel verbarrikadiert ist, sagt er uns, daß das nicht möglich sei! Zum Lachen: ,,… daß das nicht möglich sei.” 400 m Wand liegen unter uns, und die letzten Meter sollen nicht möglich sein, weil dort oben ein Geländer an­gebracht ist. Ich gebe ihm eine wohlgezielte Antwort, die den Mann mit den zwei Winkeln auf den Armen verstummen läßt, und wir schwingen uns über das Geländer, steigen die Treppe hinauf und stehen auf dem Gipfel. Ein seltsamer Gipfel, den man über eine Treppe erreicht! Mit unseren Seilen, Karabinern, Haken und Schlingenzeug stehen wir inmitten sich in der Mittagssonne bräunender Menschen. Schon gut, daß wir vergessen, uns die Hände zu drücken, denn unser Gipfel ist kein Gipfel. Die Skiläufer machen dumme Gesichter und fragen, woher wir kämen. Man kann ja nicht immer antworten, daß man vom Mond käme, denn oft sind die Fragen gar nicht so dumm gemeint, und so geben wir ihnen eine zufriedenstellende Antwort.

Aber dann sind Freunde um uns; man begrüßt sich, stellt den Partner vor, gratuliert und photographiert (die sich bräunenden Leute sieht man später nicht auf den Photos). Die Begleitmusik: Motoren­geräusch des Sesselliftes. Aber wir wollten ja die Wand durchsteigen und auch den Gipfel erreichen. Wir durften uns also hier oben keine Einsamkeit er­warten. Trotzdem: In der Wand waren wir einsam, und das bei einer Erstbegehung, die leichter war, als wir annahmen.

Im vergangenen Jahr nahm ich mir vor, diese Wand zu durchsteigen. Jedesmal wenn ich um die Straßen­ecke bog, konnte ich nicht widerstehen, sie zu be­trachten. Dann, als der erste Novemberschnee die Wand bestäubte und die schwachen Stellen in der Spätvormittagssonne durch die Schattenbildung klar ins Auge stachen, verliebte ich mich in diese Wand. Und wie ein Verliebter wollte auch ich mein Ziel erreichen …

Könnte man diese Wand nicht im Winter durch­steigen? Warum immer Erstbegehungen im Sommer? Schon der benachbarte Canfedin mit seiner schwie­rigen Ostwand und der Sperone Vettorato an der Paganella zeigten mir, daß man auch im Winter schwierigste Klettereien durchführen kann, ohne ein

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