Die Kitzbüheler — wirklich nur ein Skigebiet?

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Von dem Skivölkchen, das sich den Winter über, und da auch nur auf markierten Abfahrtspisten, in der Kitzbüheler Gegend tummelt, verirrt sich im Sommer kaum jemand in dieses Gebiet. Selbst von Bergsteigern ist es keineswegs überlaufen, wohl des­wegen, weil die Erhebungen eher zu der Gattung „Mugel“ gehören und mit den imponierenden Wän­den, Kanten und Graten des nahen Kaisers nicht konkurrieren können. Schwierigkeiten gibt es kaum, und gewiß ist diese Gruppe für Kletterer nicht das richtige Betätigungsfeld. Wer jedoch nicht das Ex­treme sucht und auch beschaulichem Wandern etwas abzugewinnen vermag, der sollte sich einmal ge­nauer umsehen in diesen Kitzbüheler Bergen.

Die Gipfel erheben sich, von einigen der Hopf­gartengruppe abgesehen, nicht über 2 500 m, und im Frühjahr, wenn es mit dem Skifahren nichts mehr und mit großen Fahrten noch nichts ist, kann man hier schon allerhand unternehmen. Am schönsten aber ist es bestimmt im Herbst, wenn sich Blaubeer und Alpenrosenstauden rostbraun färben. Zu dieser Zeit haben die Hochgebirgshütten schon geschlossen, und die Tage sind kurz geworden. Dann sollte man sich einmal Zeit nehmen, nicht um etwas zu erstür­men, sondern um sich zu ergötzen an dieser Farben­harmonie, die nur der Herbst hervorzuzaubern ver­mag, und der großartigen Aussicht, die sich nahezu von jedem Gipfel präsentiert.

Es gibt viele Möglichkeiten zwischen dem Zillertal und Zell am See, wobei dem Besucher über ein halbes Dutzend alpiner Schutzhütten und viele private Unterkunftsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Erst ein Blick auf die Karte vermittelt den richtigen Eindruck.

Einige wenige des reichhaltigen Repertoires im näheren Kitzbüheler Bereich will ich herausgreifen, ohne dabei dem einen oder anderen Gipfel den Vor­zug zu geben; schön sind sie alle.

Von Hopfgarten gelangt man über Kelchsau zum Gasthof Wegscheid. Bis hierher besteht Fahrmög­lichkeit. Der I. ständige Aufstieg zur Neuen Bam­berger Hütte ist kurzweilig und eher ein Vergnü­gen als eine Mühe. Die Tourenmöglichkeiten von hier aus sind mannigfach, und das Betätigungsfeld ist so vielseitig, daß sich bestimmt für jeden Ge­schmack etwas findet. Da gibt es den Mitter- und Obersee beim Aufstieg zum Schafsiedl zu entdecken oder den wunderschönen Reinkarsee hinter dem Kröndlberg. Doch auch der kurze Spaziergang zum Salzachjoch, über das auch der Weg zum Salzach­geier führt, ist es wert, daß er gemacht wird. Be­quem kann man in 2 Stunden über die Streitfeldner Alm den Tristkopf, von dem man herrliche Einblicke in die Venediger- und Reichenspitzgruppe hat, er­reichen.

Im Spertental steht die Oberlandhütte, die, trotz­dem man mit dem Auto vor die Haustüre fahren kann, ein Bergsteigerheim geblieben ist.

Sie ist Ausgangspunkt für den Großen Rettenstein. Eine halbe Stunde etwa verfolgt man die Fahrstraße in den Unteren Grund, schwenkt dann nach links ab und erreicht über steile Serpentinen die Sonnwend­alm. Dann geht’s gemächlicher bergan, und ehe man’s versieht, ist man bei der in einem herrlichen Grund gelegenen Schöntalalm. Von hier führt ein Steiglein hinauf zu den Steinernen Frauen, und wenig später steht man am kreuzgeschmückten Gipfel.

Dort heißt es erst einmal die Luft anhalten, um diese umfassende Aussicht voll aufnehmen zu können. Es gibt so viel zu sehen, daß selbst kundige Berghasen eine ganze Weile brauchen, um auch nur einen Teil der vielen, vielen Gipfel zu bestimmen. Während man so sitzt und sich gar nicht satt sehen kann an diesem großartigen Panorama, werden manche Er­lebnisse vergangener Sommer wieder lebendig, und man hört, wie der Schorsch dem Sepp in allen Pha­sen den Weg aufs Wiesbachhorn und die anschlie­ßende Überschreitung zur Oberwalderhütte schil­dert. Noch während des Erzählens wandern

  • Schafsiedl bergtour
  • winterbesteigung wiesbachhorn

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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