Rundwanderung um den Großglockner

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Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer für sich. Eng und schmal in den fast senkrechten Hang gebaut, windet sich die Glocknerstraße in atemberaubenden Kehren nach oben.

Oft bleibt nur eine Handbreit Platz zwi­schen dem dumpf dröhnenden Bus und dem Abgrund.

Wir sind heilfroh, daß wir unser Auto unten haben stehen lassen. Am Steuer kann das grandiose Landschaftserlebnis nämlich leicht in Streß ausarten.

Und ganz genau den wollen wir nicht haben. Nur einfach draußen sein, die Ruhe genießen und abseits von Touri­stenströmen die ganze Vielfalt der Berge erleben. Die mehrtägige Wanderung, die wir uns dafür ausgesucht haben, über­trifft unsere Erwartungen sogar noch. Obwohl ein beständiges Hoch für den entsprechenden Andrang sorgt — als wir am Glocknerhaus das Vehikel verlassen, sind wir allein. Ein paar hundert Meter weiter oben gibt es dagegen keinen frei­en Parkplatz mehr.

Alles scheint sich auf diesen einen Punkt zu konzentrieren, der der höchste Oster­reichs ist.

Wir begnügen uns mit einem Blick auf den imposanten Granitklotz, der mit seinen abweisenden Nordflanken das Tal beherrscht, und stapfen mit unseren angenehm leichten Rucksäcken los. Der Weg, den wir uns vorgenommen ha­ben, führt in einem weiten Bogen um das Glocknermassiv herum. Kein einziges Mal muß man das Eis betreten. Die be­wirtschafteten Hütten liegen alle in ei­nem Abstand zueinander, der es ermög­licht, nur ein paar Stunden beschaulich zu bummeln oder aber auch von Son­nenaufgang bis Sonnenuntergang stramm draufloszumarschieren. Ganz nach Lust und Laune. Und wenn man gar keine Lust mehr verspürt, dann kann man auch jeden Tag von einem Talort aus die Rückreise mit öffentlichen Ver­kehrsmitteln antreten. Zugegeben, in den Genuß eines Gipfels kommt man nicht. Es sei denn, man schließt sich ei­nem Bergführer an, der einen über den unschwierigen Stüdlgrat auf das Haupt des Großglockners führt. Dann kann man jedoch sicher sein, daß es mit der Ruhe vorbei ist.

Doch die Rundwanderung ist so vielfäl­tig, daß es nicht schwerfällt, auf das Gip­felerlebnis zu verzichten.

Der Weg leitet uns durch alle alpinen Regionen. Wir kommen tief unten im Tal vorbei an saftigen Wiesen, auf denen braungefleckte Kühe wiederkäuend in der Sonne liegen. Wir steigen auf klei­nen Wegen durch lichte Lärchenwälder hinauf, folgen dem raschen Lauf von klaren Bächen, wühlen uns mühsam durch Schotter in der Mittagshitze die letzten Meter in die Paßübergänge hin­auf und lassen unsere Haare vom ange­nehmen Sommerwind zerzausen.

Manchmal führt der Weg so dicht an die gewaltigen Gletscher heran, daß man fröstelnd vor ihrem kalten Atem rasch das weite sucht, um aus respektvoller Entferung den Eislawinen zuzuschauen, die donnernd ins Tal stürzen.

Wir wandern vorbei an alten Bauernhäusern aus denen es verlockend nach frischem Brot und Käse duftet, lassen unsere heißen Füße ins kalte Gletscher­wasser hängen und balancieren gegen Ende unserer Tour einen messerscharfen Gratrücken entlang, der an Ausgesetztheit seinesgleichen sucht. Und — wir bleiben die ganze Zeit über allein. Nur selten und nur in unmittelbarer Nähe der größeren Hütten treffen wir auf

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