Der Wärmehaushalt des Körpers beim Winterbergsteigen

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Der Kältetod kommt mit dem Wind

Von einer lokalen Erfrierung bis zum Tod durch Unterkühlung ist es oft nur ein kleiner Schritt. Daß die verhängnisvolle Kette vom Frösteln bis zur Katastrophe oft schon beim Schwitzen beginnt, wird viele erstaunen.

Minus zwanzig Grad hat es mindestens; die Feuchtig­keit der Atemluft gefriert beim Inhalieren bitzelnd an den Na­senhärchen. Obwohl kein rechtes Leben in die Füße einkehren will, treibt uns die Anstrengung den Schweiß auf Stirn Waermehaushalt des Koerpersund Rücken, wäh­rend wir schwer atmend das Ein­stiegscouloir der Ortlernordwand hinaufhetzen. Aber die moderne Kli­mawäsche, die wir vorsorglich ange­zogen haben, kommt brav ihren Transportpflichten nach: Das Woll­hemd und der dicke Wollpullover saugen die Nässe auf wie ein Moos­polster. „Daß man bei dieser Hunde­kälte so schwitzen kann! Ob ich nicht eine Schicht ausziehen sollte? Ach was, weiter! Im Februar sind die Ta­ge kurz!“ Bei der Querung des steilen Höllenrachens in Wandmitte wird das Eis so spröde, daß wir endgültig sichern müssen. Fröstelnd stehe ich in der Standkerbe. Die berühmte „Dochtwirkung“ der Wäsche functioniert immer noch — wenn auch jetzt in der falschen Richtung. Kälte­schmerzen an den Füßen. Bei 3300 Meter, während wir die Geräte knir­schend in die Flanken des berühm­ten Eisbalkons dreschen, beginnt es empfindlich zu ziehen. Wenig höher hat sich die „leichte Brise“ zu einem gestandenen Höhensturm entwickelt. Die Standplatzaufenthalte wer­den erlebnisintensiv. Der Pullover unter dem Überanorak ist von einer Rauhreifschicht bedeckt, das Hemd liegt auf dem Rücken wie ein kalter Wickel. In den Böen des Sturms kommt es mir vor, als stünde ich in der Unterhose und nicht im Faser­pelzbeinkleid in der Eiswand. „Wenn ich nur die Überhose anziehen könn­te! Aber ohne Reißverschluß geht die nie über Plastikschuhe und Steigei­sen!“ Bald sind wir beide so durch­geblasen und ausgekühlt, daß wir nur noch mit Mühe die Eisgeräte ziel­sicher zu führen vermögen. Die Ze­hen haben sich abgemeldet. Nur noch widerwillig formt der Mund die Worte, die ihm das Gehirn diktiert.

Kalt ums Herz

Um es kurz zu machen. Wir ver­brachten die folgende bitterkalte Nacht, oder wenigstens ihre letzten Stunden, zu Hause unter warmen Daunen und nicht, wie unsere Vor­gänger, in einem aus dem Eis ge­pickelten Biwakplatz am sturmum­tosten Rotböckgrat. Uns hatte in der winterlichen Ertlroute weit Schlim­meres gedroht als lokale Erfrierun­gen. Nach den Symptomen zu urtei­len, war nämlich die Temperatur in unserem Körperkern bereits gefähr­lich abgesunken. Das nicht mehr be­herrschbare Zittern war ein Zeichen, daß der Körper dabei war, seine letz­ten Reserven in die Kältebresche zu werfen. Unsere Kerntemperatur hat­te bereits ca. 35 Grad Celsius, die untere Grenze des ,,Erregungssta­diums“, erreicht. Kühlt der Kern wei­ter aus, zieht der Körper seine Trup­pen zurück. Um Gehirn, Herz und Lunge zu schützen, reduziert ein noch unerforschter Regelmechanis­mus die Blutzufuhr zu den anderen Organen und vor allem zu den Extre­mitäten. Die Unterkühlung ist mit Einbußen an der psychischen und physischen Steuerungsfähigkeit verbunden. Es bedarf schon einiger Übung, Herr im Haus zu bleiben, wenn die Bewegungen werden wol­len wie die eines Betrunkenen und die Gedanken zähflüssig wie Sirup. In diesem Zustand, dem „Erschöp­fungsstadium“, sind viele Kälteopfer nicht mehr in der Lage, die elemen­tarsten Maßnahmen durchzuführen, um sich das letzte Restchen an Kör­perwärme zu erhalten: Sie lassen Reißverschlüsse offen, verlieren ihre Handschuhe, erlauben Wind und Schnee, ungehindert unter die Kapu­ze zu dringen. Bei weiterer Ausküh­lung folgen der totale Verlust an Kontrolle im Delirium, das Kälteko­ma und schließlich der Tod durch Herzstillstand.

Aber auch wenn wir schwitzend durch den Tiefschnee spuren, sind wir nicht davor gefeit, einzelne Kör­perteile zu erfrieren. Sicher wird sich der eine oder andere schon gewun­dert haben, wenn ihm an einem frostklammen Herbstabend im Stadtpark ein Läufer in kurzen Hosen und Handschuhen begegnet. Die stark durchblutete Arbeitsmuskula­tur zieht das Blut förmlich aus der übrigen Peripherie ab. Ein ähnliches Phänomen ist bei großer Kälte auch bei geringer Belastung zu beobach­ten: Bei niedriger Hauttemperatur re­gen Oberflächensensoren eine Dros­selung der Blutzufuhr an. Arterien und Venen werden förmlich abge­klemmt, um eine Auskühlung des Kerns durch das kalte Blut zu verhin­dern. Der Körper opfert lieber ein Glied, als daß er sich als Ganzes gefährdet.

Wärme kann der menschliche Kör­per auf unterschiedliche Weise

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