The state of graníte — New Hampshire – traumhafte Kletterparadiese

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Bundesstaat aus Granit« so nennt der Volks­mund New Hampshire im Nordosten der Vereinigten Staaten. Ist dies nicht eine Herausforderung für jeden Felskletterer? Im Gebiet der White Mountains, im Norden des Landes, finden sich die höchsten Wände, etwa 200 Meilen nördlich von Boston. Mit 1880 Metern ist der Mount Washington die höchste Erhebung.

Dreißig Kilometer südlich dieses Berges liegtdas Städt­chen North Conway, mitten im Zentrum des vielleicht schönsten Klettergebietes des amerikanischen Ostens. Die beliebtesten Kletterfelsen finden sich 3 Kilometer von Conway entfernt, das Massiv des Cathedral Ledge mit Wandhöhen bis 130 Metern und, 500 Meter davon ent­fernt, das Whitehorse Ledge mit 150 Meter hohen Platten­wänden. Während Cathedral Ledge wegen seiner schwieri­gen Rißklettereien berühmt ist, herrscht am Whitehorse Ledge Platten- und Reibungs­kletterei a la Glacier Point Apron vor. Etwa 60 Kilometer weiter westlich, in Franconia Notch, findet der Kletterer die höchste Wand von Neu-England, das fast 300 Meter hohe Massiv des Cannon Cliff. Neben diesen drei Hauptklettergebieten finden sich in den endlosen Wäldern von New Hampshire noch viele andere, kleinere Massi­ve, an denen es ebenfalls viele wunderschöne, empfeh­lenswerte Routen gibt. Humphrey's LedgeDoch nicht allein wegen der schwierigen Felsklettereien sollte man New Hampshire besuchen. Auch die Land­schaft ist einmalig: Der schönste Monat ist der Herbst, denn dann kleiden sich die riesigen Laubwälder in tief­goldene, orange und rote Blätterfarben. Dazwischen schlängeln sich schmale Landstraßen von Ort zu Ort, deren Dorfbilder von zahl­reichen Häusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert geprägt werden. Was kann sich ein Kletterer mehr wünschen, als nach einer schwierigen Frei­kletterei unter sich den Teppich der herbstlichen Bäume zu sehen und die friedvolle Atmosphäre der Berge von New Hampshire einzuatmen.

Die Geschichte des Felsklet­terns in New Hampshire reicht zurück bis in die frühen zwanziger Jahre. Mitglieder des Appalachian Mountain Clubs aus Boston und des Harvard Moutaineering Uni­versity Club eröffneten die ersten Anstiege an den drei größten Wänden von New Hampshire. Fritz Wiessner, Robert Underhill, Kenneth Henderson, Miriam Underhill und Elizabeth Knowlton waren nicht nur in den Rocky Mountains, sondern auch in den europäischen Alpen aktiv. Und Robert Underhill war es auch, der den ersten Kletterern im kalifornischen Yose­mite den Umgang mit Seil und Haken lehrte, wie er es in Europa gesehen hatte. Wenig bekannt ist die Tat­sache, daß der Appalachian Mountain Club von Boston mit einer Geldspende den Bau des berühmten Balmat-Denkmales in Chamonix unterstützte.

Big Walls und die ersten freeclímbs

Als in den 60er Jahren die «big walls« im Yosemite als Nonplusultra des amerikani­schen Kletterns galten, trai­nierten die Felskletterer aus dem Osten der USA für ihre Ziele an den hohen Wänden des Cannon Cliff und des Cathedral Ledge. Yvon Chouinard aus Kalifornien eröffnete 1965 den ersten «big wall« von New Hamp­shire am Cannon Cliff, »The VMC Direct« (heute 5.11) zusammen mit den Shawan­gunk-Experten Dick Williams und Art Gran. Weitere her­ausragende Kletterer dieser Zeit waren Joe Cote, der die beiden ersten Kletterführer des Gebietes verfaßte, und Steve Arsenault, der als erster Kletterer aus New Hampshire den El Cap über eine schwie­rige Route erstieg.

The Slabs of Whitehorse LedgeAls Joe Cote 1972 die zweite Ausgabe seines Kletterführers herausbrachte, gab es an fast allen Felswänden des »Bun­desstaates aus Granit« bereits Anstiege, doch die meisten Routen erforderten künstliche Kletterei, und nur ein knappes Dutzend trug den Schwierig­keitsgrad 5.9. Zwei von ihnen ( »Recompense« und »Repentence«) grenzten bereits an 5.10 und waren ihrer Zeit um Jahre voraus.

Nur wenige Wochen nach Erscheinen des neuen Führers im Jahre 1972 änderte sich der Stil des Felskletterns in New Hampshire praktisch über Nacht: Dafür verant­wortlich waren vor allem Henry Barber und Bob An­derson. An einem Wochen­ende kletterte die Seilschaft Barber/Anderson erstmals frei durch fünf ehemals techni­sche Routen am Cathedral Ledge. Zur Sicherung ver­wendeten sie nur die bereits vorhandenen Haken und Bohrhaken, ansonsten allein die neuen Sicherungsmittel, nämlich Klemmkeile. Innerhalb der nächsten zwei Jahre, bis 1974, prägte das Freiklet­tern mit Klemmkeilsicherung den Stil des extremen Fels­kletterns in Amerika. Blitz­schnell änderten sich Kletter­stil und Aussehen der schwie­rigsten Anstiege. Bald gab es auch in New Hampshire Rou­ten im Schwierigkeitsgrad 5.11, dank der vereinten Anstrengungen von Barber, Anderson, Steve Wunsch und John Bragg. Die beiden schwersten und vielleicht schönsten Routen aus dieser Zeit sind »Lichen Delight« und »Airation« (beide 5.11).

5.12er und Genußklettereien

Nachdem Jim Dunn aus Colorado im Jahr 1972 nach einer neuntägigen Gewaltan­strengung am El Capitan im Alleingang eine neue Route eröffnet hatte, wurde er im darauffolgenden Jahr Kletter­lehrer in New Hampshire. Er trainierte fanatisch für seinen Sport, mit einarmigen Klimmzügen, Langstrecken­läufen und Radfahren. Am meisten brachte es ihn jedoch weiter, daß er fast jeden Tag kletterte. Seine Hingabe an den Klettersport beweisen schwierigste Routen wie »The Prow« (5.11+), »The Possessed« (5.12) und »Zonked Qut« (5.12).

Seit 1973 war auch ich in New Hampshire ständig auf der Suche nach neuen Rou­ten und lernte im Laufe der Jahre ziemlich alle Felswände unseres Bundesstaates kennen. Zu meinen schönsten Anstie­gen würde ich sicherlich »Wild Woman» (5.11+, Cathedral Ledge, zusammen mit Henry Barber), »Last Unicorn« (5.10, Whitehorse Ledge) und Cathedral Ledge»Robinson Crusoe« (5.9 am Humphrey’s Ledge) zählen. Im vergange­nen Sommer erschien endlich ein neuer Kletterführer über New Hampshire, in dem ich

Die schönsten Freiklettereien in New Hampshire

Cathedral Ledge

5.6: Thin Air; 5.7: Funhouse; 5.9: Diedre, Recompense; 5.10: Book of Solemnity; 5.11: Wild Women, The Prow; 5.12: The Possessed.

Whitehorse Ledge

5.5: Standard Route; 5.7: Sliding Board; 5.8: Inferno, Wavelength; 5.9: Children’s Cruisade; 5.10: Last Unicorn, Loose Lips; 5.11: Direct Finish to Children’s Cruisade; 5.12: Wonder Wall.

Cannon Cliff

5.5: Lakeview; 5.6: Wiessner’s Route; 5.7: The Whitney-Gilman-Ridge; 5.8: Moby Grape, Reppy’s Crack; 5.9: Vertigo, Union Jack; 5.10: VMC Direct Direct; 5.11: Walk on the Wild Side.

Humphrey’s Ledge

5.8: Sticky Wicket; 5.9: Robinson Crusoe; 5.10: Casta­ways; 5.11: The Great Escape.

all mein Wissen um die Granitwände meiner Heimat einbringen konnte.

Es ist falsch, wenn man glaubt, eine einzige Region hätte den höchsten Leistungs­standard in Amerika. New Hampshire besitzt für die Fels­athleten des Grades 5.12 die gleichen Herausforderungen wie jedes andere Klettergebiet der Vereinigten Staaten. Doch dazu gibt es noch unzählige Routen für Anfän­ger und Genußkletterer, aus­schließlich in bestem Granit, und gut gesichert mit Klemm­keilen und fixierten Haken. Um den Reiz und die Beson­derheiten einer Gegend voll kennenzulernen, reicht es nicht aus, nur 5.11er zu klettern — die »classics« sind ein Muß. Für mich sind diese »Klassiker« stets die wertvoll­sten Erinnerungen an Kletter­reisen in fremde Länder. Einige dieser klassischen Anstiege in New Hampshire möchte ich besonders hervor­heben. Am Cannon Cliff in Franconia Notch ist der »Whitney Gilman Ridge« (5.7) geschichtlich Cannon Cliffinteres­sant und landschaftlich ein­drucksvoll; er wurde 1929 erstbegangen. Einen Besuch wert ist auch der »Wiessner Buttress« (5.6) am Old Man of the Mountains, einem riesigen Felspfeiler, der 1933 von Fritz Wiessner und Robert Underhill durchstiegen wurde. Weitere »Klassiker« der mittleren Schwierigkeits­grade sind »Thin Air« (5.6) am Cathedral Ledge, wie auch »Standard Route« (5.5) und »Sliding Board« (5.7) an den 200 Meter hohen Rei­bungsplatten des Whitehorse Ledge. In meinem neuen Kletterführer erleichtert ein Drei-Sterne-System die Qual der Wahl: Ein Stern ist über­durchschnittlich schön, zwei Sterne sind außergewöhnlich, und drei Sterne bezeichnen einen »classic« der Gegend. Die meisten Besucher von New Hampshire schlagen ihr Basislager in einem der vielen kleinen, privaten Zeltplätze oder in den größeren vom Staat unterhaltenen Camp­grounds auf. Wer viel Geld hat, kann auch in einem ruhigen Landgasthaus unter­kommen, er kann sich sogar einen örtlichen Kletterlehrer engagieren. Detailinformatio­nen habe ich separat zusam­mengestellt.

New Hampshire ist zwar meine Heimat, aber ich stehe mit meiner Meinung nicht allein, daß die Atmosphäre des Klettern im graniten Bundesstaat einzigartig dasteht im Vergleich zu anderen, bekannteren Kletterzentren der USA. Ein kurzer Flug von Boston oder von New York City machen die bis 300 Meter hohen Granitrouten leicht erreichbar. Vor allem ein Europäer, der sich fast 4000 Flugkilometer zur West­küste spart, sollte es sich überlegen in New Hamp­shire zu klettern. Im Sommer ist es oft sehr heiß, so daß sich September und Oktober als ideale Jahreszeit anbieten. Dann werden die atemberaubenden Herbstfar­ben der Bäume und der tiefblaue Himmel über den Granitwänden jedem Fels­kletterer wunderschöne, ruhige Klettertage versprechen

Reíseinformationen

Flug: Entweder nach New York City, von dort mit Inland­flug nach Boston; oder besser direkt nach Boston.

Von Boston fährt zweimal täglich ein Bus nach North Conway.

Zeltplätze: The Covered Bridge Campground oder North Conway Pines Campground.

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  • klettern new hampshire

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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