Über den Biancograt zum Piz Bernina 4049 m

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Als »Hochtouren-Neuling« — und etwas ängstlich — kam Hansgeorg Kling mit einem Freund zur Bernina und erstieg mit ihm seinen ersten Viertausender.

Um vier Uhr weckt uns der Hüttenwirt. Beim ersten fahlen Tageslicht machen wir uns auf den Weg, denn der Schnee soll von der Kühle der Nacht noch möglichst hart sein. Vor uns liegen fast 1500 Meter Höhenunterschied und ein Grat, dessen Abbildungen in Büchern bei uns eher Bangigkeit hervorgerufen haben, und dessen Schneeleiste jetzt erstmals her­vorleuchtet: der Biancograt.

Biancograt at Piz BerninaZunächst gewinnen wir in der Felsflanke des Piz Morteratsch oberhalb der Tschiervahütte Schritt für Schritt an Höhe, bis der Gletscher nicht mehr zu umgehen ist. Wir zurren die Steigeisen fest und seilen uns an. Die Firnmulde, in der der Gletscher entspringt, wird an ihrem oberen Rand immer steiler, und der Schnee hat in dieser frühen Morgenstunde erhebliche Ähnlichkeit mit Eis.

Wir kommen gut voran, und nach dreieinhalb Stunden sind wir auf der Fourcla Prievlusa, einer Art Scharte wischen Piz Morteratsch und Piz Bernina, 3430 Meter hoch, von wo sich der Blick auf die Ostseite auftut zu den drei Gipfeln des Piz Palü.

Wir verschnaufen. Der Blick auf den Biancograt flößt uns keinerlei Furcht mehr ein; wir spüren, daß unsere Kondition gut ist, und wir haben kei­nen Zweifel, den »Bianco« packen zu können. Das unterste Stück des Grates erfordert Felskletterei. Wir überholen hier mehrere Seilschaften, die vor uns, im Dunkeln schon, gestartet sind.

Am oberen Ende des Felsengrates gibt es eine kurze Rast, schon deshalb, weil es den Biancograt zu fotografieren gilt, diese weit geschwungene, phan­tastisch elegante Firnlinie.

Was aus der Ferne als kunstvoll zugespitzte Schneide erscheint, präsen­tiert sich aus der Nähe als fester, gut begehbarer, griffiger Schnee. Wir stapfen bald rechts, bald links von der Gratkante, streckenweise aber auf ihr: Sie ist dann extrem scharf und schmal, so daß für Momente Beklommenheit aus der Herzgegend hochzieht. Denn keiner von uns dürfte jetzt stolpern.

Ich bin konzentriert wie kaum einmal zuvor. Rechts und links geht es viele hundert Meter haltlos steil hinab. Aber das Gefühl, in Gefahr zu sein, stellt sich nicht ein: Immerhin wollen wir nach oben. Da bringt es nichts, mit dem Gedanken bei irgendeinem Unten oder Hinab zu verweilen. Bergsteigen ist eine Sache der Einstellung.

Gut ist, daß René nicht hetzt. Bei der Sicherheit, die ich bald gefunden habe, wird der Weg hier hinauf zu einer königlichen Fahrt: kein Laut in der Stille; die Sonne, dazu das Erleben des eigenen Körpers; und durch dies alles eine stille innere Freude.

Als die Sonne am höchsten steht, erreichen wir das Ende des Biancogrates: Wir stehen auf dem 3995 Meter hohen Piz Bianco. Der Piz Bernina, der erst jetzt zum Vorschein kommt, ist zum Greifen nahe, aber er verlangt uns noch einmal eine Stunde Felskletterei ab; in die Bernina-Scharte hinab und über den Turm mit seiner lustigen Abseilstelle.

Nach acht Stunden sind wir auf 4049 Meter Höhe. Die Empfindung, das Ziel erreicht zu haben; in diesem Falle sogar, einen berühmten und geachteten Weg gegangen zu sein: »Glück«, »ein­maliges Erlebnis«, »Erfüllen eines Wunschtraums — mein erster Vier­tausender! « — das sind die üblichen Vokabeln. Treffen Sie die Wahrheit? Vielleicht ist es nur dies: Oben zu sein ist immer hohe Befriedigung; aus eigener Kraft — umso mehr. Der Blick ist unvergleichlich; wir sind still und schauen.

Den Gipfel haben wir fast eine Stunde allein für uns. Hinab nehmen wir den Weg über den Südgrat, den Spallagrat, einen Firn- und Felsgrat, der zu einem sanften Firnhang hinabführt. An seinem Rand liegt die Marco-e-Rosa-Hütte. Wir werden hier über­nachten.

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