Südwestwand der Rotwand – VI/A2 – Peter Livesey – Rosengarten – Dolomiten

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„VI/A2“ steht im „Extremen Fels“ für die Südwestwand der Rotwand am Ka­rerpaß. Elnst mit der Zinnen-Direttissima verglichen, gilt der „Hermann-Buhl-Ge­dächtnlsweg“ auch heute noch als an­spruchsvolle Hakenkletterei. Der Ge­danke an eine freie Begehung ruft mit­leldiges Lächeln hervor und den Kom­mentar „Unmögllch“.

Die ,,Christian-Kehrer-Reisen“ vor uns scheinen sich endgültig in der Haar­nadelkurve verklemmt zu haben. „Spar Dir Nerven und Verdruß — Fahr mit uns, fahr mit uns Bus.“ Münder in rotbraunen Piz-Buin-Gesichtern bewegen sich unter grauem Haar, gescheitelt und gelockt. Aus hellen Sommerkleidern und Tennis­hemden heraus deuten Arme erregt die Paßstraße hinauf. Aber der Fahrer des gegnerischen Gefährts aus Roma zuckt nur mit den Schultern und weist nach hinten auf die Kolonne, die sich an der nächsten Biegung im Lärchenwald ver­liert. „Scusi Signore, ritorni per favore!“ Rückzug unter Fanfarenstößen zur näch­sten Ausweichstelle. Über der asphaltier­ten Schneise liegt ein dünner gräulicher Nebel, an den Fahrzeughecks verdichtet zu kleinen Wölkchen, die der einsetzen­de Aufwind im Hochwald verteilt. So schlimm kann es der König Laurin auch wieder nicht gemeint haben, als er sei­nerzeit den Rosengarten verflucht hatte. Durch eine Lücke in den Bäumen schaut er herab, ein bißchen blaß zwar wegen des Dieselqualms vom MAN, der sich soeben an seinem welschen Widersa­cher vorbeischiebt. Wir kurbeln das Fen­ster hoch und mit schleifender Kupp­lung, den Geruch von brenendem Gra­phitkautschuk in der Nase, gehts ruccweise durch Vallonga und Chiusel hin­auf zum Karerpaß.do aui gibs a route dei noch hermann buhl benonnt isch

An allem ist der Pete schuld. Grinsend sitzt er neben mir, der „häßlichste Klet­terer Englands“, wie er sich stolz nennt. Vor neun Uhr kriegt er seinen korken­zieherlockigen Halbglatzkopf nie vom Kissen, und danach auch bloß, wenn ihm jemand eine Tasse Twinings unter die platte Nase hält. Dann stopft er sich gewöhnlich seinen dürren Leib eine Stunde lang mit weißen Bohnen, klebrigem Weißbrot und Heinzspaghetti voll und fängt endlich an, im Extremen Pause zu blättern. „Isn’t there any proper climbing in the Dolomites?“ „Was soll das heißen? War die Mess­ner-Führe durch die Nordwand des Zweiten Sellaturms gestern vielleicht kein ,richtiges’ Klettern?“ „Easy rub­bish!“ Pete schiebt seinen fliehenden Unterkiefer trotzig nach vorn. Peter Li­vesey’s Ruf als bester englischer Klet­terer war fast zehn Jahre lang unange­fochten, seine Freunde nennen ihn in spöttischer Hochachtung „God“. Er blät­tert im Buch, hält inne: „This looks good. Where is it?“ Ich schau ihm über die Schulter. „Du spinnst, der ,Hermann-Buhl-Gedächtnisweg’ an der Rotwand ist VI/A2, der geht nie frei!“ „We’ll see.“ Eine halbe Tasse Darjeeling fliegt in die Alpenrosen, etliche Saubohnen in den Abfall, die Schlafsäcke zurück ins Zelt. Eine dreiviertel Stunde später kocht un­ser Kadett im Stau an der Karerpaß­straße. Elf Uhr ist es, als wir unser Klet­tergeraffel an der Talstation des Sessel­lifts zur Paolinahütte im Rucksack ver­stauen.

Suedwestwand der Rotwand 02Den Rucksack auf dem Bauch, lehne ich mich in meinen schwankenden Liftses­sel zurück. Wir fahren direkt auf die Rot­wand zu. Sie sieht aus wie eine sencrecht gestellte Resopaltischplatte. 400 Meter über dem Geröllkar, rötlich-gelb, was bedeutet, daß nicht viel Wasser an sie rankommt. Bei genauerem Hinsehen löst sie sich jedoch in ihre Strukturen auf: Unten der 60 Meter hohe Vorbau — no problem, dann kommt’s allerdings dick, der Hakenriß durch die überhän­gende Bruchwand zu den grauen Ram­pen, die relativ leicht schräg nach rechts ins zweite Wanddrittel führen, der 90­Meter-Schulterriß ist deutlich zu erken­nen, den man bis zur Bohrhakenleiter in der Wandmitte verfolgt, doch darüber nur noch ungegliederte Glätte, bis hinauf zum großen Band unter den Gipfelüber­hängen.

Im Herbst des Jahres 1958 haben sich Lothar Brandler und Dietrich Hasse, die damals wohl zu den besten Kletterern der Welt zählten, fast vier Tage lang durch diese Wand gekämpft. Drei Biwaks, teilweise in Hängematten, 180 Haken,    Bohrhaken      und      Holzkeile.
Schlingenstände, Hunger, Durst, Unsi­cherheit. Bis Mitte der sechziger Jahre galt der „Buhl-Gedächtnisweg“ als sehr Schwierig. Wiederholer ließen jedoch Haken stecken an Stellen, die Hasse und Brandler in riskanter Freikletterei bewältigt hatten. Man wurde frecher und degradierte die Route zu einem zwar anstrengenden, aber dennoch trivialen „Hakenraßler“, Im „Pause“ stehen 12 Stunden Begehungszeit, aber eben m Trittleitern und dem sonst üblichen Krempel. Der Pete, das alte Schlitzohr hat jedoch meine Leiter aus dem AL geräumt und irgendwo beim Zelt in den Latschen versteckt. „Aid climbing“, also die Kletterei mit künstlichen Hilfsmitteln, ist für ihn ein Schimpfwort. Wenn

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