Falkenstein Direkte Westkante

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Als gewaltiger südöstlicher Eckpfeiler schließt der Falkenstein die langgezo­gene Kette der Schrammsteine ab. Fast allseitig fallen etwa 100 Meter hohe, senkrechte Wände in den Wald ab, ein eindrucksvoller, gigantischer Felsklotz steht grauschwarz über den grünen Tannenwäldern. Eine der schönsten Klettereien am Falkenstein bietet die Direkte Westkante, eine atemberau­bende Linie; irrwitzig ausgesetzt, öffnet sie die gesamte Palette der Elbsand­steinkletterei, von feingriffiger Wand über Hangelrisse bis zur steilen Rei­bung im Ausstieg. In ALPINISMUS 4-81 findet sich eine Anstiegsskizze dieser Route. Die Erstbegehung gelang im Jahr 1956 Wulf und Fritz Scheffler; 25 Jahre nach der Eröffnung dieser Klet­terei durchstieg Wulf Scheffler die Direkte Westkante zum zweiten Mal, er erinnert sich.

Der FalkensteinDie Direkte Westkante am Falkenstein ist eine einmalige Kletterei, und vielleicht ist die Vorgeschichte dieser Erstbegehung ebenso einmalig wie die Route selbst. Es war ein Freitag im Jahr 1956, als mein Vater und ich zum ersten Mal direkt über die scharfgeschnittene Kante zum Fal­kensteingipfel kletterten. Allerdings war für jenen Tag eigentlich gar keine Erstbe­gehung geplant.

Zwei Tage vor diesem Freitag — es war der 27. Juli 1956traf ich ganz zufällig auf dem Bauplatz meines Vaters in Dresden Dieter Hasse. Wir kannten uns nur flüchtig, mehr vom Namen her. Unser kurzes Gespräch endete mit der obligaten Frage: »Was machst du am Wochenende?« Dieter Hasse platzte heraus: »Ich gehe am Samstag zum Falkenstein und versuche die Westkante direkt.« Meinem erstaunten Gesicht muß Dieter angesehen haben, daß die direkte Westkante auch für uns schon längere Zeit ein lockendes Ziel war. Bedauernd sagte ich abschließend zu Dieter, daß mir nichts anderes übrigbliebe, als am Sonntag die Zweitbegehung zu versuchen, denn meine damalige Arbeits­zeit endete erst Samstagmittag. Ich eilte sogleich in Vaters Büro, und wir hielten »Kriegsrat« ab. Noch niemand hatte es vorher an der direkten Kante versucht und irgendwelche Schlingen oder Ringe hinter­lassen, die ihm Falkenstein Westkante ( direkt VIIIb)ein gewisses »Vorrecht« nach den Sandsteinregeln eingeräumt hätten. Ich plädierte dafür, am Samstag sehr früh am Morgen einzusteigen, um dem Dieter zuvorzukommen. Vater war da anderer Meinung . . .

So sind wir, Vater und ich, schon am Freitag gegen 6 Uhr an der Schrammstein­baude, dem Ausgangspunkt für viele Klettertouren in der Schrammsteinkette. Ein herrlicher Tag wartet auf uns, himm­lische Ruhe und Sonnenschein begleiten uns auf dem kurzen Weg zum Falkenstein. Am Einstieg angelangt, betrachten wir unser Problem: Vom dritten Ring der alten Westkante leitet eine schwach ausge­prägte Rißfolge und anschließende Rei­bungskletterei direkt zum Gipfel. Wird es wohl gehen? Die üblichen, bangen und zweifelnden Fragen machen sich breit, wie jedes Mal, wenn wir Neuland betreten. Den Zweifel nachzuhängen, nützt nichts, los geht’s! Ein wahrer Klettergenuß bringt uns bald zum obersten und dritten Ring der alten Westkante von Otto Dietrich, eine seiner sportlichen Meisterleistungen aus dem Jahre 1920. Von hier querte er nach rechts in einen Schulterriß und folgte diesem zum Gipfel. Wir jedoch wollen direkt an der Kante weiterklettern, ins absolute Neuland. Sinnend hängen Vater und ich im Ring und betrachten den Weiterweg. Da hören wir drunten am Einstieg plötzlich Stimmen, wer könnte das sein, an einem Wochentag? Es war der Hasse Dieter mit seinen Begleitern, auch er wollte nicht bis zum Wochenende warten und war schon heute, am Feitag, aufgebrochen. Von unten dringt ein Schwall von teilweise nicht unbedingt druckreifen Ausdrücken an Westgratunser Ohr. Ein schadenfrohes Grinsen können wir uns nicht verkneifen; warum hat er auch geplaudert, der Dieter?

Unser Auftrieb wird durch die ärgerliche Bodenmannschaft natürlich stark erhöht. Und das ist vonnöten, denn bereits nach vier Metern im Neuland bin ich vorerst mit meinem Kletterlatein am Ende. Etwa abseilen? Die eigentliche Kantenschneide liegt greifbar nahe. Glück oder Instinkt? Links der Kante fühle ich einen Riesengriff, ich überwinde meine Angst, ziehe durch und stehe direkt an der luftigen, direkt unter mir überhängend abbrechenden Kanten­schneide. Ich finde eine hundertprozentige Sanduhr zur Sicherung. Was können wir uns noch mehr wünschen? Nach einer kurzen Ruhepause klettere ich weiter, Fingerloch, dann die seichte Rißspur anhangeln, ein kleiner Pfeilerkopf. Noch vier Meter fehlen, dann wäre der liegende Teil der Kante erreicht. Die Sicherungen jedoch lassen sehr zu wünschen übrig. Also Ringschlagen! Nach den damaligen Kletterregeln mußte der Ring aus der Kletterstellung heraus geschlagen werden. Eine lange,

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