Die Lhotse Südwand 1981

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Vor neunzehn Jahren ist uns zum ersten Mal die Südwand des Lhotse aufgefallen. Damals galt der Gedanke, eine 3300 Meter hohe Wand an einem Achttausender zu durchsteigen, als enthusiastische Utopie, er hat sich jedoch von Jahr zu Jahr als realisierbarer erwiesen. Für uns standen in der Zwischenzeit andere Ziele im Vordergrund, Erfolge und Mißerfolge. Einige Jahre mußten wir auch auf eine Genehmigung der nepalesischen Regierung warten.

Ende 1980 wurde uns schließlich für die Vormonsunzeit 1981 die Lhotse-Wand freigegeben. Als erstes stellte sich nun die Frage nach der Organisationsform und nach der Durchführung unserer Expedition. Sollten wir im «alpine style« agieren, um die Kletterzeit und die Gefahren in der Wand auf ein Minimum zu reduzieren, oder sollten wir auf die klassische Organisa­tionsform mit dem üblichen Materialauf­wand zurückgreifen?Uns erschien schließlich unser Ziel selbst schon so modernistisch, daß wir darauf verzichten wollten, mit dem «alpine style« zu experimentieren, und uns für ein relativ großes Team entschlossen. Eine Vorkal­kulierung ergab sechs Hochlager in der Wand, dazu Strecken fixer Seile und ver­sicherte Schlüsselstellen. Aus diesen Über­legungen resultierten zumindest vierzig Tage Vorbereitungszeit in der Wand sowie eine Teilnehmermindestzahl von sech­zehn Mann.

lhotse 01Der große Respekt vor der Wand machte einiges an Technik erforderlich, Arzt, Funker, Kameramann, Journalist, und zum ersten Mal war auch ein Koch dabei, denn wir wollten nicht wieder, wie bei der letzten Expedition, ungekochte Kartoffeln essen. Durch einige Ersatzleute verstärkt, zählte unser Team bei der Abreise schließlich 23 Mann und fünf Begleiter.

In der Wand selbst erwarteten wir ernst­hafte Kletterschwierigkeiten und wollten uns deshalb nicht voll auf die Unter­stützung von Sherpas verlassen. Wir hatten zwölf Sherpas, von denen sich bereits zehn am Westgrad des Mount Everest im Jahr 1979 bewährt hatten. Prinzipiell erwarteten wir von den Sherpas ernsthafte Mitarbeit nur im unteren Wand­teil, in den Wandlagern war die Mitarbeit freiwillig und sollte wegen der zu erwarten­den Schwierigkeiten und Gefahren mit Prämien unterstützt werden. Nachträglich kann ich sagen, daß die Unterstützung durch die Sherpas, mit einer Ausnahme, ausgezeichnet war, trotz schlechter Wand­verhältnisse sind zwei der Sherpas bis ins Lager VI gekommen.

Vor uns hatten sich bereits Expeditionen aus anderen Ländern um die Lhotse-Süd­wand beworben, Japaner, Italiener und Franzosen. Der Aufbau der Wand bietet kaum Möglichkeiten für einen unschwieri­gen Aufstieg. Unten könnte der Versuch der Japaner ganz links in der Wand eine mögliche Aufstiegslinie anbieten, doch sind dort die oberen Wandpartien sehr problematisch. Der gesamte rechte Wand­teil ist aufgrund der vielen Seraks äußerst gefährlich, sodaß die erfolgversprechend­ste Möglichkeit ziemlich in der Gipfelfallinie zu suchen ist. Die Aufstiegslinie in der unteren Wandhälfte ist recht logisch bis zu einem ersten Steilaufschwung, der mit großen Schwierigkeiten aufwarten dürfte. Ein markanter Schneegrat leitet dann empor bis zu einer weiteren Sperre, einem etwa 1000 Meter hohen Aufschwung zwischen 7000 und 8000 Meter. Die ideale Linie verläuft rechts des eigentlichen Aufschwunges, entlang des Gratsporns direkt zum Lhotse-Gipfel. Diese Routen­führung dürfte größte Kletterschwierigkei­ten Lhotse South Face 8516m from Chukhung Ribieten, weshalb wir uns nach längerem Überlegen für die Umgehung des Auf­schwunges auf der linken Seite entschie­den hatten, wobei dennoch der Gipfel in direkter Linie erreicht werden sollte, indem nach der Umgehung wieder zurück auf den Pfeiler gequert werden sollte. Eine dritte Möglichkeit erlaubt das Ausqueren aus der Wand nach links zum Grat.

Bereits zwei Tage nach ihrer Ankunft in Kathmandu konnte die Hälfte der Expedi­tionsteilnehmer Richtung Lukla weiterflie­gen, und vier Tage später, am 16. März, war das Basislager auf 5200 Metern Höhe auf der Westseite des Lhotse-Gletschers errichtet. Wegen des anhaltend schlechten Wetters konnten die restlichen Expedi­tionsteilnehmer erst am 21. März nach Lukla fliegen. Unterdessen war bereits die erste Etappe bezwungen und das Lager I auf 5800 Metern errichtet. Obwohl der erste Steilaufschwung etwas Schutz vor Lawinen bietet, mußten die Zelte einige Male ausgewechselt werden, schließlich hackten wir eine bequeme Höhle aus dem Eis. Diese Lektion war für den weiteren Lagerausbau lehrreich; alles, was nicht eingegraben war, stand ständig in Gefahr, von den abgehenden Lawinen fortgerissen zu werden.

Die Eisverhältnisse der Wand zwangen uns, den ersten großen Steilaufschwung zu umgehen. Mit einer Leitergalerie

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