Piz Palü – Auch im Winter locken die Nordpfeiler des Piz Palü

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Blaues Eis und brauner Granit

Der Piz Palü mit seinem mächtigen Gipfeldrei­gestirn (3905 m) zählt zweifellos zu den schönsten und auch beliebtesten Gipfeln der Berninagruppe. Leider be­schränkt sich seine Populari­tät mehr und mehr auf den Kreis der gemäßigteren Hoch­touristen und Skitourengeher. Für den Extremen ist halt doch etwas wenig geboten. Die drei klassischen Pfeiler-führen, früher begehrte Sammlerobjekte jedes Steil­eisgehers, sind durch moder­ne Ausrüstung und allgemei­nen Anstieg des Leistungsni­veaus der Kletterer zu „gmah­ten Wiesen“ abgesunken. Vielleicht nicht ganz zu Un­recht, wäre es doch ein Ar­mutszeugnis für die heutige Bergsteigergeneration, wenn sie noch immer an Problemen zu beißen hätte, die bereits vor knapp 100 Jahren in wirk­lich sauberstem Stil gelöst wurden.

Piz Palu face Nord, 3905mEin kleiner Exkurs dazu: Schon 1887 wurde der „Bumil­lerpfeiler“, auch heute noch die schwerste Route am Palü, durchstiegen. Bedenkt man, daß dies für die Führer damals „free solo‘, „Erstbegehung“ und „Führungstour“ zugleich war, so verdient das höchste Anerkennung. Daran sollte der junge Extreme ruhig einmal denken, wenn er mit seinem Chacal oder Hummingbird ausgerüstet um die Eisnase herumtänzelt und feststellen muß, daß alles nicht so wild ist.

Was soll’s, man spricht re­spektlos von Schotterhalden und fährt nach Chamonix, wo die modernen Probleme wie eine Droites-Nordwand oder ein Dru-Couloir locken. Den­noch hat sich der Palü seine Aktualität erhalten (oder sollte man eher sagen wiederer­langt?), wenn auch in einer et­was anderen Spielform. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die Pfeiler tolle Winterziele sind. Lange, großzügige Routen in begeisternder Umgebung, in­teressante und abwechs­lungsreiche Kletterei in kom­biniertem Gelände, klirrende Kälte und blaues, hartes Win­tereis – ein Hauch von Westal­pen weht einem um die Nase. Bei den Routen handelt es sich um Eis- und kombinierte Kletterei mittlerer Schwierig‑keit, die objektiv relativ sicher sind. Für den Zugang sind Skier unentbehrlich, der Zu­stieg zu den einzelnen Routen ist bequem und relativ kurz. Als Stützpunkt ist das Touri­stenlager im Diavolezzahaus, 2973 m, sehr zu empfehlen (Übernachtung mit Frühstück etwa 25 Franken, sehr schö­nes Lager). Für schnelle Geher sollte die erste Bahn auf die Diavolezza auch noch ausrei­chen, vor allem im Spätwinter. Man sollte aber bedenken, daß die Abfahrt über den Mor­teratschgletscher vom Skidepot bis ins Tal noch eine knap­pe Stunde in Anspruch nimmt, und dies bei der Zeitplanung entsprechend berücksichti­gen. (Die andere Möglichkeit, Gegenanstieg zurück auf die Diavolezza und uber die Skiabfahrt hinunter zur Talsta­tion der Seilbahn, ist zeitlich nicht kürzer, bei einbrechen­der Dunkelheit aber auf jeden Fall empfehlenswert.) Die bei­den Abstiegsmöglichkeiten vom Gipfel zu den Skidepots (vom Ostgipfel durch die Mul­den des oberen Persglet­schers sowie der Fotezzagrat vom Piz Spinas) können je nach Verhältnissen gefährlich sein – große Spalten und Schneebretter sind unbedingt zu beachten.

Nord du Piz PaluDie Routen im einzelnen:

1. Ostpfeiler

1. Beg.: Moritz von Kuffner, Martin Schocher und Alexan­der Burgener, 22.8. 1899.

III bis IV, 55° im Eis, 600 m. In der Einstiegsflanke je nach gewählter Route interessante kombinierťe Kletterei. Der Felsgrat selber bietet ab­wechslungsreiche Blockklet­terei mit einigen kniffligen Stellen, natürlich immer ab­hängig von den Verhältnissen. Der abschließende Firngrat ist relativ flach (45°). Vorsicht beim Überklettern der Gipfel­wächte!

Zugang: Über die klassische Skiaufstiegsroute (Persglet­scher), etwa 1 1/2 bis 2 Std.

Abstieg: Über den Ostgrat und den Persgletscher zum Skidepot (1 Std.)

2. Bumillerpfeiler

1. Beg.: Martin Schocher und Johann Groß mit dem Touri­sten Bumiller, 1. 9. 1887 (!). IV+, 65° (je nach Verhältnis­sen an der Querung unterhalb der Eisnase auch steiler), 950 m.

Piz Palu 00Der anspruchsvollste der drei Pfeiler. lm unteren Drittel rela­tiv flaches Eisgelände, aber Spalten- und Eisschlaggefahr. Der Mittelteil bietet anspruchsvolle kombinierte Kletterei, im Charakter ähnlich der Matterhorn-Nordwand. Der Eisnasenquergang kann je nach Verhältnissen schwie­rig und auch gefährlich sein (große Séracs). Im oberen Teil relativ flaches Gletscherge­lände, in dem die Gefahr eines Spaltensturzes nicht unter­schätzt werden darf.

Zugang: Durch das flache Becken des Persgletschers (etwa 1 Std.).

Abstieg: Gratüberschreitung zum Piz Spinas, dann weiter über die Fuorcula Bellavista zum Fortezzagrat. Über die­sen bis über die drei Felshök­ker hinunter, anschließend die steile Ostflanke )Schneebret­ter, Spalten) hinab zum Skide­pot (ca. 2 Std.).

3. Spinaspfeiler

1. Beg.: J. T. Burton-Alexander mit C. Zippert und F. Gruss, 1899.

III, 55° im Eis, 800 m. Nahezu reine Eisroute mit kurzem, kombiniertem Mittelteil. Rela­tiv sicher vor objektiven Ge­fahren. Rassige und abwechs­lungsreiche Kletterei. Der Eis­grat im oberen Drittel ist we­sentlich steiler als der am Ost­pfeiler und auch dementspre­chend ausgesetzt, meist aber weniger überwächtet.

Zugang: Wie zum Bumiller­pfeiler. Skidepot unterhalb des Auslaufes des Einstiegs-couloirs (ca. 1 1/2 Std.).

Abstieg: Wie vom Bumiller­pfeiler (11/2 Std.).

Weitere Eisanstiege am Piz Spinas

Nordwestwand und Nordostwand

(1. Beg.: jeweils P. und N. Corti und Dell’Avo, 1939)

Beides nahezu reine Eisan­stiege, aufgrund der nahen Hängegletscher nicht ganz ungefährlich. Aufgrund der idealen Linienführung des Spi­naspfeilers von untergeordne­ter Bedeutung.

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