Zuviel Schnee am Cho Oyu 8153 Meter

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Ende letzten Jahres (1982) wollte  Reinhold Messner mit 8153 Meter sei­ner Südtiroler Expedition den Cho Oyu () zum ersten Mal im Winter besteigen. Hier erzählt  Messner, warum er vor dem Gipfel umkehrte.  Außerdem nimmt er Stel­lung zum Tod des japani­schen Everest-Bezwingers.

Dieses Mal waren Hans und ich entschlossen, bis zum Gipfel zu klettern. Bei unserem Versuch eine Woche vorher hatten wir Fixseile bis in eine Höhe von 7300 Meter befestigt, und wir wußten, daß die Wand in 7500 Meter leich­ter werden würde — anstrengend zwar, aber eben Gehgelände. Die letzten 200 schwierigen Klettermeter bereiteten uns zwar Kopfzerbre­chen: Voytek und Hans Peter waren an einem ganzen Klettertag keine 20 Meter über unseren Umkehrpunkt gekommen — aber dann war es nur noch ein Tag bis zum Gipfel. Mein Plan war es, mit Hans in aller Frühe vom Lager II aufzusteigen, den schwierigen Pfeiler mit fixen Seilen zu sichern und bis in die Randspalte auf 7100 Meter zurückzukeh­ren. Dort sollten die drei Sharpas Ang Dorje, Phurba und Nawang ein Zwischenlager für eine Nacht aufbauen, das wir am nächsten Tag, am 19. Dezember, gemeinsam bis über den fast senkrechten Eispfeiler stellen wollten. Von diesem dritten Lager aus waren wir sicher, zu dritt den Gipfel an einem Tag zu erreichen und ohne Biwak zum Zelt zurück zu kommen.

»Komm heraus!«, riefen die Göt­ter. Weil sie keine erwachsenen Götter, sondern ungezogene Buben waren, versuchte Ang Dorje, einen von ihnen am Arm zu packen. Als er ihn aber be­rührte, lösten sich die beiden Götter­knaben in Luft auf, und ein glühend heißer Strahl durchzuckte Ang Dorjes Körper. Als er sich wieder im Schlafsack zur Ruhe niedergelegt hatte, rann ihm noch stundenlang der Schweiß aus allen Poren.

Ich sah Hans an. Auch er war un­sicher geworden. Sollten wir aufgeben? Ich bin nicht abergläubisch, aber diese Geschichte machte mir zu schaffen. Ich fragte Ang Dorje, ob er hinab wolle ins Basislager. Hans und ich mußten aufstei­gen! Oben wartete Paul Hanny, der auf 7100 Meter Höhe an einer gefährlichen Stelle eine Nacht verbracht hatte. Ang Dorje und die übrigen Sherpas ent­schlossen sich, uns zu folgen.

Im Osten stand der Mount Everest, wo sich der Japaner Jasuo Kato gerade für einen ersten Vorstoß zum Gipfel vorbereitete. Eine mächtige Wolken­fahne hing am Lhotse. Alles lief nach Plan. Ang Dorje, der die Türkisgötter anscheinend vergessen hatte, betreute uns und trieb seine Freunde an. Sie mußten zurück ins zweite Lager, ehe es Nacht war. Hans und ich kletterten vor­aus. 150 Meter mußten wir an diesem 19. Dezember noch sichern. Am Ende des Eispfeilers aber begann ich zu zögern. Je flacher das Gelände wurde, desto tiefer lag der Schnee, kristalliner Treibschnee, wie Zucker, metertief. Als

1980, als die nepalesische  Regierung ihre Berge für  die Winterzeit (1. Dezem­ber bis 31. Januar) öffnete,  stand ich Winterbegehun­gen skeptisch gegenüber.  Nun plane ich eine wei­tere Winterexpedition.

ich dort stand, wo das letzte Lager ge­plant war, wußte ich, daß wir ein tödli­ches Risiko eingehen oder scheitern mußten. Wir hätten die lawinenschwan­gere Gipfelflanke diagonal queren müs­sen. Dabei sperrten an exponierten Stel­len Schneebretter den Weiterweg, in den Mulden grundloser Schnee.

Der Entschluß, abzusteigen, fiel uns nicht schwer. Einer so massiven Gefahr gegenüber könnte wohl nur ein Fanati­ker in den fast sichern Tod laufen.

Wir waren schon auf unserem Rückweg, als Kato, der Japaner, seinen ersten Gipfelgang wagte. Vom vierten Lager in 7900 Meter Höhe knapp unter dem Südsattel stieg er am Everest allein bis auf 8100 Meter. Das war am 23. De­zember, und der starke Sturm zwang ihn zum Rückzug. Den zweiten Anlauf zum Gipfel unternahm Kato zusammen mit Kubayashi am 27. Dezember. Sie hoff­ten, den Gipfel vom Lager in 7900 Meter Höhe aus in zehn Stunden zu erreichen. Kato erreichte den Gipfel erst am Abend. Er kam noch zurück bis zum Süd­gipfel, 8760 Meter hoch, wo Kubayashi auf ihn wartete. Es war Nacht. Im Biwak ging mit Sicherheit der Sauerstoff in ih­ren Flaschen zu Ende. Kato und Kubaya­shi sind nach meiner Ansicht mit Sicher­heit erfroren, ehe der Morgen kam. Die Strecke von 7900 Meter bis zum Gipfel und zurück ist bei den kurzen Tagen im Winter zu lang und ein Biwak in Gipfel­nähe ohne Flaschensauerstoff und bei 50 Grad Kälte wohl nicht überlebbar.

Nicht, daß die Gefahren im Winter grundsätzlich größer sind, nur der Spiel­raum zwischen Überleben und Tod ist kleiner und die »Disziplin des Risikos« ist viel, viel schwerer zu beherrschen..

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