Das Eis im Kilimandscharo

No Comments
 
 

Den Kibo als einen erloschenen, untätigen Vulkan zu bezeichnen, wie man immer wieder liest oder hört, ist schlicht falsch. Er zeigt zwar schon seit langer Zeit keine Aktivität mehr in Form von Eruptionen, doch gibt es im Reuschkrater und in der Aschengrube mehrere Fumarolen (Ausströmen von vulkanischen Gasen und Dämpfen). Diese Beobachtungen machten auch wir im Februar 1981, als wir einige Tage im Krater verbrachten.

Ein Gipfel für Familien, Abenteurer und Verrückte

Der Durchmesser des gesamten Kibo-Kraters beträgt etwa 2,5 km; 700-800 m sind es beim Reuschkrater, dessen Rand nur wenige Meter tiefer liegt als der Uhuru Peak. Das eigent­liche Zentrum, die Aschengrube, ist ein sehr gleichmäßiges Rund mit größten­teils senkrechten Wänden. Der etwa 130 Meter tief liegende Kraterboden hat einen Durchmesser von rund 80 bis 100 Meter.

Das vielleicht Bizarrste und Fremd­artigste am Kibo sind sicherlich seine Gletscher. Die eigenartige Form des Stufen- oder Kaskadengletschers ist einmalig. Seine Entstehung und die Ursachen sind bis heute nicht geklärt. Der weltweite Gletscherrückgang hat auch den Kili nicht verschont. Die vor wenigen Jahrhunderten noch zusam­menhängende Gletscherdecke besteht heute aus elf größeren und kleineren Eisfeldern. Die am weitesten hinab­fließenden Gletscherarme enden schon in einer Höhe von 4700 Meter.

J. Kunsky notierte im Jahre 1948 noch eine Höhe von 3350 bis 3650 Meter.

Berge in aller Welt sind seit Menschengedenken Wohnsitze von Göttern, Dämonen, Geistern und Fabel wesen. Sie werden verehrt und verherr­licht, man bringt ihnen Opfer, betet zu ihnen und fürchtet sie. In der Religion und Mythologie der verschiedenen Stämme und Völker spielen sie eine wichtige Rolle. So auch der Kilimand­scharo, was in der Sprache der Einheimi schen soviel wie »Strahlender Berg« heißt, im Gegensatz zum Mawenzi, den man den »Dunklen« nennt. Die Masai nennen ihn Oldonjo Oibor (auch «Strahlender Berg«) oder Ngaze Ngaj – »Haus der Götter«. Die Chagga, die Bewohner am Fuße des Kili, glauben, daß die Geister ihrer verstorbenen Häuptlinge im Krater des Kibo leben, und von dort über Leben und Wohler­gehen ihres Stammes wachen.

Unter den hohen Bergen der Erde gibt es keinen zweiten Gipfel, der so häufig bestiegen wird wie der Kilimand­scharo. Das liegt unter anderem daran, daß er ein sehr bekannter Berg ist. Und er ist leicht zu besteigen und schnell zu erreichen.

Viele Menschen standen schon aul dem Kibo. Einige wie der Führer Efata aus Marangu auch schon sehr oft. Er ha seinen Hausberg weit über zweihundert Mal bestiegen. Normalerweise benötigt man von Marangu zum Gipfel und wieder zurück fünf Tage. Ein Marathon, läufer aus Kenia schaffte den Uhuru Peak (so wird der Kibo seit 1962 auch genannt — es heißt Freiheitsgipfel) in 16 Stunden, auch von Marangu hin und zurück. Auf dem Kibo standen Siebzig­jährige und ehrgeizige Eltern mit ihren Kindern, Blinde, Taubstumme und Einbeinige. Bis zum Gillman’s Point ist ein Verrückter mit dem Motorrad gefahren; mit dem Auto kam ein an­derer bis auf 5000 Meter. Die Reihe der Abenteurer, die diesen Gipfel auf ihre Art stürmten, ließe sich beliebig fortsetzen.

  • kilimandscharo

  • kilimandscharo
  • Fundusfeiler schneebedeckt
  • Kilimanscharobesteigingen 2012
  • Kilimandscharo
  • afrika schnee

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

More from our blog

See all posts
 
 
No Comments