Hohe Tauern – Nordwände um die Rudolfshütte – Zweitausendvierhundert Höhenmeter an einem Tag

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Der Grünsee liegt als ruhige, dunkelschillernde Fläche da, nur selten, wenn ein Fisch nach Eßbarem schnappt, laufen ein paar winzige Wellen ausein­ander. Durch Krummholz und Heidekraut windet sich der Steig hinauf zur Rudolfshütte, meinem Ziel. Düster und drohend breitet sich der gewaltige Nordwand­abbruch von Eiskögele, Ödenwinkelwand und Ho­hem Kasten aus. Ich schaue hinein in die Wand, bis auch das letzte Licht schwindet und die Grenzen zwischen Fels und Eis zerfließen. Der Satz, den die Erstbegeher der ÖdenwinkelwandEiskögele Nordwand 1937 nach ihrem geglückten Un­ternehmen in den Führer schrieben, »in verschneitem Zustand unüberwindliche Schwierigkeiten-, drückt doch etwas auf mein Gemüt. Zudem weiß ich auch, daß der einzige Versuch diese Wand zu wiederholen, tödlich endete. Als um 3.40 Uhr mein Wecksignal ertönt, bin ich zwar unausgeschlafen aber dennoch froh, endlich wieder aktiv werden zu können. Die Konturen der umliegenden Berge heben sich deutlich vom sternenhellen Horizont ab. Während ich über den anfangs nur leicht ansteigen­den Gletscherboden hinein-wandere, wird es allmählich heller.

Ein sechzig Meter hohes, na­hezu senkrechtes, im Grunde eisgefülltes Couloir bildet den Auftakt zur eigentlichen Wand. Schneestaub rieselt die Wand herab, sucht sich den Weg in Kragen und Hemdsärmel. Oft muß ich aus den Handschuhen heraus, um mich an kleinen, eiskalten Griffen halten zu können.

Wie ein Tier springt mich die Angst an

Eine 60` steile Eisrinne führt hinauf zum Beginn der immer steiler werdenden Gipfelwand. Angespannt suche ich nach einem möglichen Weg durch diese abweisende, ver­schneite Mauer. Der Tiefblick hinunter auf den wild-zerklüfteten Gletscher ist ge­waltig und furchterregend. Plötzlich, wie ein Tier springt es mich an — die Angst, gebo­ren aus dem Wissen des Al­leinseins und allen damit ver­bundenen Konsequenzen. Mit aller Macht kämpfe ich es nieder, dieses Tier, das einem die Kraft so schnell aus dem Körper saugt, zwinge mich, nicht nur die Gefahren des Berges, sondem auch die eigenen Pluspunkte, meine Erfahrung, mein Können zu sehen.

Langsam ebbt dieses schreck­liche Gefühl ab, doch als ich weitersteige und spüre, daß der Körper funktioniert, der Puls das Blut durch die Adern jagt, durchströmt es mich heiß vor Freude.

Ein Quergang ist die Schlüsselstelle

Eine tritt- und grifflose Platte zeigt mir die Zähne. Gerade hinauf? — Nein, das ist un­möglich, also ein Quergang nach rechts in gestufteres Gelände. Als erstes schlage ich mir einen Haken, um we­nigstens gesichert zu sein. Zentimeter um Zentimeter quere ich. Glasklar arbeitet der Verstand, willig gehorcht der Körper. Die Eisgeräte sind kaum als solche zu gebrau­chen, da nur eine dünne Schneeauflage die Felsen be­deckt. Hin und wieder kann ich den Pickel in einer Fels­ritze verklemmen, meist muß ich aber den Schnee von den Leisten fegen, um einen Griff für die längst gefühllosen, ge­schundenen Hände zu be­kommen. Noch ein heikler Tritt, gerade so viel, daß ich eine Frontalzacke meines Steigeisens unterbringe, dann ist es geschafft. Aufatmend ziehe ich das Seil ab. Der Weg nach oben scheint frei, und doch gilt es noch einige schwierige Passagen zu über­winden, erst dann empfängt mich die Sonne am Grat. Nach der düsteren Nordwand ist es jetzt doppelt so schön, hier in den wärmenden Strah­len zu verweilen. Bald treibt es mich aber weiter den Grat entlang, hinüber zum Eiskögele.

lm Abstieg durch die Eiskögelewand

Der Blick hinunter in die Nordwand erscheint mir we­nig einladend und doch ent­schließe ich mich, wenigstens einen Versuch zu machen. Im eisgefüllten Grund des Schrägcouloirs komme ich mit den Eisgeräten gut voran, doch als ich die Rinne verlas­se und in die freie Wand hin­ausquere, wird es plötzlich wieder schwierig. Von Pul­verschnee bedeckte Platten machen mir nun das Leben schwer. Nur mit äußerster Sorgfalt, jeden Schritt genau überlegend, wage ich mich weiter. Durch die fehlende Übersicht muß ich immer wieder kurze Querungen in Kauf nehmen, um einen gangbaren Weg hinunter auf den Gletscher zu finden. Trotz aller Mühe bleiben einige kurze senkrechte Passa­gen, die das Äußerste fordern. Als ich nach einem gewalti­gen Satz über die Randkluft auf dem Gletscher lande, bin ich doch froh, die Wand hin­ter mir zu haben. Rasch hole ich meine Skistöcke beim Ödenwinkelwandeinstieg und marschiere über den Glet­scher hinüber auf die Südsei­te. Dort in der Sonne, die so­eben bezwungenen Wände vor Augen, gönne ich mir die schon lange verdiente Rast.

Ödenwinkelwand, 3330 Meter

Nordwand, Wandhöhe 500 Meter R. Schinko, A. Bi­schofsberger, 1937. Bis heute wurde keine weitere Bege­hung bekannt. Die Erstbe­geher gaben die Kletter­schwierigkeiten mit dem obe­ren V. Grad an und durch­stiegen die Wand in völlig ausgeapertem Zustand. Sie bezweifelten damals die Mög­lichkeit, ihre Route in ver­schneitem Zustand zu wieder­holen. Die Zweitbegehung durch Peter Rohrmoser ge­lang auf teilweise neuer Füh­re, er stellt die Anforderun­gen der Ödenwinkelwand über die der Eiger-Nordwand oder Matterhom-Nordwand.

Eiskögele, 3436 Meter

Nordwand, Wandhöhe 550 Meter W. Welzenbach, K. Wien, 1926. Sie gilt als schwierigste kombinierte Kletterei der Glocknergruppe und erhält im Jahr drei bis vier Begehungen. Im Mai 1982 hatte Peter Rohrmoser zusammen mit Hans Wallin­ger die Nordwand bereits einmal durchstiegen in 2 Stun­den und seilfrei.

Totenkopf, 3173 Meter

Nordwestgrat, Gratlänge etwa 300 Meter. R. Gerin, O. Pitschmann, 1911. Diese herrliche Urge­steinskletterei zählt zu den be­liebtesten Routen im Umkreis der Rudolfshütte im III. und IV. Schwierigkeitsgrad.

Hohe Riffl, 3346 Meter

Nordwand, Wandhöhe 250 Meter P. Aschenbrenner, K. Baumgartner, 1929. Reine Eistour, Neigung zwi­schen 50 und 60 Grad, selten begangen.

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