Wandern zwischen Bernina und Bergell

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Wind wird zum Sturm, als wir über den Nordwestgrat schließlich zum Gipfel kommen. Wir wollten eigentlich über den Südgrat absteigen — dort liegt aber wieder viel zu viel Schnee und Eis.

Als wir um zehn Uhr wieder in der Hütte sind, beschließen wir, einmal etwas total Verrücktes zu machen. Die Hütte steht auf einem steilen, felsigen Moränenrücken, an dessen Fuß ein langes Tal beginnt. Im Norden wird es vom Scerscen-Gletscher abgeschlos­sen, und nach Süden erstreckt es sich scheinbar ins Endlose. Dieses Val di Scerscen ist wild und unberührt wie zu Urzeiten.

Flaigs »Kleiner Beminaführer« nennt die Tour durch dieses Tal ein einzigartiges Erlebnis und meint, der Eingang sei »einfach zu finden«. Von hier oben sieht das aber nicht so einfach aus, und wir erkundigen uns noch schnell bei dem freundlichen Hütten­wirt. Möglicherweise haben wir uns nicht recht verstanden; auf jeden Fall finden wir uns eine Stunde später unmittelbar über der Schlucht in einer sehr steilen und brüchigen Wand wieder, mit dem dringenden Bedürfnis nach einem Seil.

Das war wohl nicht der rechte Weg. Nach weiteren Schwierigkeiten stießen wir schließlich auf einen Weg­weiser und fanden den Anfang des versprochenen Weges durch das Tal. Die spärliche Beschilderung, so erkann­ten wir, ist nur zu sehen, wenn man von unten nach oben geht. Flaigs Führer ist unseres Erachtens zu summarisch, und das nicht nur in diesem Falle.

Ansonsten ist die Tour einmalig. Das Ende der Welt: wilde Schönheit in absoluter Einsamkeit, durchsetzt mit bizarren Wasserfällen und Felsforma­tionen. Nach 1000 Metem Abstieg mündet das Tal in die Musella-Alm, deren Bewohner in einer vergangenen Zeit leben. Der Blick auf die dünn bewaldete Alm ruft mir Flaigs Schil­derung dieser Landschaft ins Gedächt­nis, die er nach einem Non-Stop­Marsch von Sondrio bis hierher erlebte. Das waren noch Zeiten — im Jahre 1924. Es ist gefährlich, dieses herrliche Buch zu lesen, denn es kann einen lebenslang in den Bann dieses »Festsaals der Alpen« (so sein Titel) bringen.

Nun noch einmal 1000 Meter nach oben, und wir sind wieder in der Marinellihütte. Am nächsten Morgen ist der Himmel endlich strahlend blau, und so ziehen wir schon früh unsere Spur durch den jungfräulichen Schnee auf dem Gletscher zum Caspoggio-Paß (3000 m) im Osten. Hier tut sich ein atemberaubender Blick auf. Im Süd­westen erhebt sich in der Feme die Disgrazia-Gruppe mit ihren weißen Wänden und Graten, im Norden fesselt die weißbeschneite Beminakette in ihrer unvergleichlichen Pracht unseren Blick, und deutlich vor unseren Augen bieten sich hier die vielen Touren an — vom Piz Zupo bis zum Sella-Paß und dem Pizzo Tremoggia.

Der Wind weht immer noch kalt und scharf. Der Spallagrat weit über uns trägt nach wie vor einen eindrucks­vollen Schneemantel, so daß an irgend­welche Touren nicht zu denken ist.

Etwas später rutschen wir mit großem Vergnügen auf Schaumstoffmat­ten durch den tiefen Schnee ein paar hundert Meter talwärts und gehen dann weiter zu der sehr schön und geschützt gelegenen Bignamihütte (2400 m), dabei die Aussicht auf den Sasso Rosso und den Sasso Moro (3100 m) ge­nießend.

Die Grenzpässe in die Schweiz sind im Osten gut zu sehen — sie ermögli­chen die Überschreitung zum Bernina­paß oder zum Schweizer Poschiavo. Wir aber steigen zum Stausee unter der Hütte ab. Von dem kalten Wind da oben ist hier nichts mehr zu spüren. Das Auto wartet in sengender Sonne auf uns. Und wieder lockt in der Feme der majestätische Disgrazia-Gipfel.

Wir können nicht länger wider­stehen. Von Chiareggio ist die Be­steigung nicht möglich — die Nordwand ist für uns zu schwer. So fahren wir ein paar Tage später durch das Val Masino ins Valle Preda Rossa, zum Ausgangs­punkt für die Ponti-Hütte.

Niggs »Führer durch das Bergell« verspricht eine Straße von Cataeggio bis zur Preda-Rossa-Alm — von dort wären es dann nur noch zwei Stunden zu laufen. Ich habe gegen die Führer und Karten für dieses Gebiet inzwischen jedoch ein gesundes Mißtrauen ent­wickelt, und trotz der Hitze brechen wir schon in der Mittagszeit auf. Und siehe da — kurz über Cataeggio hat ein riesiger Bergsturz einen großen Felsbrocken auf die Straße geworfen. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber zu lesen ist es noch nirgendwo. Also doch ein Vier­einhalb-Stunden-Fußmarsch. Die Preda-Rossa-Alm (2200 m) sieht aus wie ein langer, schmaler, völlig eben liegender Absatz des Preda-Rossa-Tals. Die Alm endet an einer hohen Felsenmauer; der Weg zur Hütte führt darüber. Man

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