Wandern zwischen Bernina und Bergell

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Langsam graben wir uns eine mühsame Spur den tiefen Schnee hinauf. Bei jedem Schritt müssen wir uns darauf gefaßt machen, knie-oder gar hüfttief wegzusacken. Die spär­lichen Felsstücke sind mit dünnem Eis überzogen und geben nicht viel Halt. Während wir uns dem Paß über uns nähern, frischt der Wind zur Sturm­stärke auf und bläst uns massenweise Schnee- und Eisnadeln ins Gesicht.

Auf dem Paß tanzen Schneewirbel im Winde hin und her, und wir haben jetzt keine 20 Meter Sicht. Mit Kom­paßhilfe überqueren wir den (übrigens ungefährlichen) Gletscher auf der an­deren Paßseite bis zu dem Punkt, wo wir in den völlig verschneiten Fels hinein­müssen. Von dort ist es nicht mehr weit zur Hütte.

Diese Hütte liegt nicht im Hi­malaya, und wir laufen auch nicht durch den Winter. Heute schreiben wir den 18. Juli, und vor viereinhalb Stunden sind wir in Chiareggio (über dem italie­nischen Valmalenco) aufgebrochen; unser Ziel war, über die Sella del Forno in vier Stunden die Fornohütte (2574 m) zu erreichen.

Ein über den ganzen Alpen liegen­des »Alpentief« ist vor zwei Tagen abge­zogen — unter Hinterlassung von Über­schwemmungen, Lawinen und gewalti­gen Schneemassen. Uns wird jetzt klar, daß wir uns verkalkuliert haben. Auf die Überschreitung des Monte del Forno und den Heimweg über den Passo Vazzeda und die Tour nach Chiareggio müssen wir deshalb verzichten.

Am folgenden Tag steigen wir zu­nächst ein Stück ins Fornobecken ab und kehren dann über den Passo del Muretto (2562 m) zurück. Das ist eine sehr schöne Wanderung über diese alte Schmugglerroute, die in etwa sechs Stunden nach Chiareggio zurückführt.

Während der letzten Stunde haben wir immerzu einen herrlichen Ausblick auf die Nordwände des Monte Disgrazia, die Cima di Rosso und all die anderen Gipfel, die das Bergeller Fornobecken im Osten begrenzen und zugleich den östlichen Abschluß der Bergeller Berge bilden.

Dieser riesige Kessel ist ideal für Bergwanderungen von Chiareggio und von der zauberhaften Porrohütte (1960 m) aus. Zwar kann man hier auch »wild« campieren, doch gibt es im ganzen Valmalenco keinen einzigen offiziellen Campingplatz, weshalb wir mit dem Auto nach Chiesa zurückfahren und von dort weiter nach Sondrio.

Hier, wo das Valmalenco in das Valtellina mündet, befindet sich ein ruhiger Campingplatz unter schattigen Bäumen, mit Blick auf die mit Wein­reben üppig bewachsenen Hänge.

Zwei Tage später fahren wir von Chiesa durch das prächtige Val Lan­terna nach dem Weiler Campo Franscia (1650 m). Hier, am Ende der Straße, ist der Ausgangspunkt für eine Reihe von Touren in den zentralen und westlichen Teil der südlichen Bernina-Gruppe. Hier beginnt auch der Normalweg zur 1250 m höher gelegenen Marinellihütte, unserem Stützpunkt für die nächsten Tage.

Wir fahren aber auf einem schma- len Feldweg weiter bis kurz vor die Stau­dämme, die das Val Lanterna abschlie­ßen. Hier, bei der Zoiahütte (2021 m), parken wir den Wagen, überqueren den Staudamm und folgen dann dem Weg, der auf 2400 m, kurz über der Musella Alm, bei der Normalroute zur Marinelli­hütte endet.

Diese Route kommt noch an der kleinen und gemütlichen Caratehütte (2830 m) vorbei. Die Hütte liegt auf der Boccetta della Forbici (Forbici-Paß) zwischen dem Monte delle Forbici (2910 m) und dem Südwest-Grat der Cima Musella: Der Forbici bietet einen Panoramablick auf die ganze Bernina-Gruppe und ist in einer knappen Stunde zu besteigen (I. Grad). Die Südwände der Musella dagegen sind eine Heraus­forderung für Felskletterer.

Ein eisiger, steifer Wind bläst immer noch Schauer von Eisnadeln über den Paß. Während dieser letzten Etappe zur Marinellihütte reißt die Wolken­decke ab und zu auf und gibt dann für kurze Zeit den Blick auf das Bernina-Massiv vor uns frei: Wir erblicken die ganze Südseite, unter Schnee- und Eis­massen begraben. So treffen wir in der Marinellihütte, die 300 Personen Platz bietet, gerade ein gutes Dutzend Gäste an.

Das glänzende Felsmassiv der Cima Musella sieht in seinem weißen Kleid, das es jetzt noch trägt, umso schöner aus. Leider liegt diese Schneedecke zur falschen Zeit da. Unsere geplante Tour zur Piz Bernina (4049 m) über die Marco-é-Rosa-Hütte und den Spallagrat muß dann auch (wieder) ausfallen.

Am nächsten Morgen brechen wir zur Punta Marinelli (3182 m) auf. Auf dem Scerscen-Gletscher fliegen uns die Wolken regelrecht um die Ohren; und der immer noch eiskalte

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