Die Schüsselkarspitze Südwand – Wettersteingebirge

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Bohrhaken und vielen Nor­malhaken ab. »Sunny« nannte sei­ne Route »Bayrischer Traum« und bewies damit, daß er nicht nur in den fränkischen Klettergebieten großartige Erstbegehungen finden kann, sondern auch in den Alpen.

Sicher zählt der »Bayrische Traum« zu den schönsten Anstiegen in den gesamten Nördlichen Kalkal­pen, jede Seillänge birgt neue Überraschungen in bestem, griffi­gem Gestein — eine wirkliche Meisterleistung. Nachdem Kurt Al­bert bei der Zweitbegehung im September des gleichen Jahres eine Möglichkeit gefunden hatte, die problematischen vier Haken der achten Länge frei zu umklettern, zählt diese Stelle des VIII. Grades zum »Muß« für jeden ehrgeizigen Sportkletterer. Der »Bayrische Traum« ist für mich auf jeden Fall die eindrucksvollste und genuß­reichste Freikletterei der Nördlichen Kalkalpen.

Der Innsbrucker Heinz Zak und sein Freund Hansjörg Leis wußten nichts von der neuen Route, als sie im September 1980 ebenfalls das Neulandproblem zwischen »Direk­ter« und »Südost« lösen wollten. Knapp links des »Bayrischen Trau­mes« fanden sie eine Möglichkeit, ohne Zwischenhaken durch die kompakten Platten zu klettern.

Nur durch Klemmkeile ge-sichert, folgten sie feinen Rißspuren im VII. Grad — der Name »Hexentanz der Nerven« sagt bereits einiges aus über den Charakter der Kletterei; noch mehr die Tatsache, daß bisher nur eine Seilschaft — Wolf­gang Güllich und Kurt Albert — den Spuren von Heinz Zak in freier Kletterei folgen wollten und konn­ten. Sie sprachen voller Hochach­tung vom Mut des Erstbegehers, der die Nerven hatte, in hohen Schwie­rigkeiten weite Strecken von der letzten Sicherung wegzuklettern.

Obwohl nicht zur eigentlichen Südwand gehörig, muß eine letzte Neutour unbedingt genannt werden: »Locker vom Hocker«. Wolfgang Güllich und Kurt Albert begingen sie erstmals im Jahr 1981 über die kompaktglatte Plattenwand links der »Spindlerführe«. Sie bewerteten ihre Route, die heute bereits fünf Begehungen, zählt, mit dem VIII. Grad. Der VIII. Grad ist der augenblickliche Höhepunkt einer rapiden, sportlich orientierten Ent­wicklung im Felsklettern der letzten fünf Jahre. Über die Bedeutung dieser jungen Disziplin des Sport­kletterns für die alpine Geschichte werden die Historiker der nächsten Jahrzehnte zu entscheiden haben.

In den Südabstürzen der Schüs­selkarspitze dokumentieren sich siebzig Jahre extremes Felsklettern, von Otto Herzog und Hans Fiechtl bis zu den Freikletterern der siebzi­ger und achziger Jahre. Auch künstliche Hilfsmittel, wie Haken und Trittschlingen, störten die logische Entwicklung des Kletter­sports nicht — eher waren sie förderlich, denn das sportliche Frei­klettern war allein die Antwort der jungen Generation auf das Hakenklettern der sechziger Jahre.

Im Jahr 1982 sind fast alle Schüsselkar-Anstiege frei geklettert, allein in der Ostsüdostwand von Schubert und Werner sind noch zwei Fortbewegungshaken obligat, während die wenigen Bewerber um eine freie Begehung der »Verbin­dungsführe« bisher chancenlos blieben.

Nur ganz wenige Wände der Alpen tragen die Geschichte des Klettersports so deutlich einge­schrieben wie die eindrucksvolle Wand über dem Puitental. Und jeder Kletterer sollte in der Lage sein, aus dieser Wand die Historie seines Sports zu lesen, denn das Bergsteigen wäre tot ohne eine lebendige Geschichte.

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