Die Schüsselkarspitze Südwand – Wettersteingebirge

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Siebzig Jahre extremes Felsklettern im Wettersteingebirge

BEISPIELHAFT IST DIE ENTWICKLUNG DES MODERNEN KLETTERNS IN DEN ROUTEN DIESER WAND ZU LESEN

1. Oktober 1913. Otto Herzog und Hans Fiechtl durchsteigen erstmals die Südwand der Schüsselkarspitze. Die schwierigste Kletterroute vor dem Ersten Weltkrieg ist geboren, ein Meilenstein des extremen Fels­kletterns in den Nördlichen Kalk­alpen ist gesetzt, eines der großen Wandprobleme der Alpen ist gelöst.

Unter den Überhängen des mittleren Wandteils schien es kei­nen Weiterweg zu geben, doch der Münchner Otto Herzog fand einen Ausweg — im Kletterseil nach links pendelnd, erreichte er wieder klet­terbares Gelände. Noch heute gilt der Pendelquergang in der »Fiechtl-Herzog« als eine der berühmten Schlüsselstellen der Ostalpen.

Die Kritik unter den Bergstei­gern am Stil der Durchsteigung war groß, viele nahmen an dem Pendelquergang und an zwei Abseilstellen Anstoß. Hans Dülfer, ebenfalls Bewerber um die jungfräuliche Süd­wand, vertrat die Ansicht, die Südwand der Schüsselkarspitze sei im Prinzip immer noch nicht durch­stiegen: Beweis genug seien zwei Abseilstellen und der Pendel, ohne Seilhilfe scheinbar unmöglich, ebenso der Ausstieg am Westgrat, weitab des eigentlichen Gipfels, für viele Kletterer nicht die ideale Lösung eines Wandproblems.

Die Kritik ließ Otto Herzog keine Ruhe. Im darauffolgenden Jahr stieg er, zusammen mit seinem Bruder Christian, durch die Süd­wand ab, um dabei die Abseilstellen frei zu erklettern. Den Kritikern war der Wind genommen. Und die Südwand blieb die schwerste Route der Vorkriegszeit in den Nördlichen Kalkalpen, auch die direkte West­wand des Totenkirchls, die Hans Dülfer im Jahr 1914 eröffnete, brachte keine Steigerung.

Erst elf Jahre nach der Erst­durchsteigung, im Jahr 1924, gelang die zehnte Begehung der »Fiechtl/ Herzog-Führe«, ein weiterer Beweis für deren Schwierigkeit. Eine neue Route im westlichen Wandteil aus dem Jahr 1927, durch die riesigen Plattenschüsse, war deutlich leich­ter. Die Gebrüder Spindler, R. Meier und K. Linden erreichten mit ausgeklügelten Seilmanövern die geneigten Platten, die am Westgrat enden.

Sechs Jahre später, 1933, klet­terten Adolf Göttner und Josef Bertl nach den schwierigen ersten Seil­längen der neuen »Spindler« in gerader Linienführung durch die markante Südverschneidung hinauf zum Ausstieg der »Fiechtl-Herzog«. Mancher Haken mußte zur Siche­rung und auch zur Fortbewegung ge­schlagen werden.

Fiechtl und Herzog hatten damals das untere Wanddrittel über einen auffallenden Plattenpfeiler, von rechts her überwunden; von dessen Kopf seilten sie nach links ab. Dorthin führen aus dem Kar in gerader Linie Risse und Verschnei­dungen empor, die heute als »Pfei­lerrisse« viel begangen werden.

Jahrzehntelang glaubte man, diese Risse seien bereits im Jahr 1912, bei einem frühen Ersteigungs­versuch, von Adolf Deye und Anton Schmid erstbegangen wor­den. Dies wäre dann mit Abstand die schwierigste Kletterei der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gewesen, da die Schwierigkeiten zumindest den VI. Grad streifen. Erst vor einigen Jahren hat sich diese Meinung als Irrtum erwiesen — Schmid und Deye hatten weiter östlich, in der Nähe der Südostwand, nach einer Durch­steigungsmöglichkeit gesucht. Die »echten« Erstbegeher der »Pfeilerrisse« waren erst im Jahr 1935 die Münchner Hans Hintermeier und Sepp Meindl.

Im Jahr 1939 war die Zeit reif für eine Direktroute durch die Südwand. Zwar gab es bereits zwei verschiedene Routen, doch bestand immer noch das Problem einer Führe, die direkt am höchsten Punkt endet.

Die beiden Tiroler Paul Aschenbrenner und Kuno Rainer kletterten auf der »Herzog-Fiechtl« bis unter das »Acht-Meter-Wandl«, kurz vor dem einst umstrittenen Pendelquergang. Dann folgten sie mit Hilfe einiger Haken einem überhängendem Riß. Ein kurzer Seilquergang brachte sie mitten hinein in den Gürtel von Fels­dächern, die schwarzgelbdrohend den Weg zum Gipfel abriegelten.

Kuno Rainer führte die Schlüs­selseillänge durch einen weiteren, überhängenden Riß, der später nach ihm benannt werden sollte. Der Weiterweg zum Gipfel löste sich dann überraschend logisch und einfach: Eine Rampe brachte die beiden Bergführer aus dem Laby­rinth gelbüberhängender Felsen heraus; nur wenig links des Gipfels konnten sie nach knapp acht Stunden Kletterzeit den Westgrat betreten.

Die lange Wandflucht, die in das obere Puitental abstürzt, reicht nach Osten hin immer tiefer in den Talgrund

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