Seckauer Alpen – Erste Winterüberschreitung 1958

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Dieter Marchart und ich haben eine gemeinsame Vorliebe: Den Begriff Osterferien verbinden wir mit dem Wort »großzügige Überschreitung«.
Diesmal wollen wir die Seckauer Alpen mit Ski überschreiten. Die ziemlich ge-wichtigen »Brettln«, Marke: Holunder-Eiche, verleimt, werden einige Tage vor unserer geplanten Abfahrt mit der Bahn nach Knittelfeld geschickt — und am Morgen des Palmsonntags stehen wir mit 35 Kilo-Rucksäcken bei der »Spinnerin«, dem Treffpunkt aller von Wien nach Süden »reisenden« Anhalter. Das Glück ist wechselnd, aber schließlich können wir doch am Spätnachmittag die Ski vom Bahnhof abholen und mit dem letzten Autobus nach Seckau fahren. Eine Nächtigung im Gasthof verträgt unser magerer Geldbeutel nicht, und wir richten uns, vor neugierigen Blicken geschützt, im Wald ein Biwak her. Der Kocher sorgt für warmes Abendessen, und es folgt eine gut durchschlafene Nacht.
Der nächste Morgen: Mit unseren Rucksäcken und den geschulterten Ski geht es jenem Taleinschnitt zu, von dem wir hoffen, daß es der kürzeste Zustieg zur Hochalm, dem östlichsten Gipfel des Hauptkammes, ist. Er ist es nicht — wir sind nämlich in das falsche Tal marschiert (aber das bemerken wir erst nach Stunden…). Bald werden die Ski angeschnallt, und abwechselnd spurend geht es im schweren, nassen Schnee dahin. Reißende Steigfelle (was haben wir doch für schlechtes Material — aber Geld ist Mangelware) und die damit verbundenen Nähpausen bieten in der brütenden Hitze des Tages willkommene Rastpausen. Ein richtiger Urwald nimmt uns auf, und unter Baumriesen, die sich noch unter der Last des Schnees der letzten Tage biegen, geht es der Baumgrenze entgegen.
Ich bin schon recht verdrossen (Dieter vermutlich auch) — man spürt die 35 Kilo des Rucksacks doch ganz schön. Der Schnee ist zäh und schwer, später prägen wir das Wort »Betonschnee« dafür — nur langsam rückt der Hauptkamm näher… Dann sehen wir unser eigentliches erstes Ziel — die Hochalm mit dem Kirchlein — weit östlich von uns. Das Wetter wird zusehends schlechter, und zuletzt geht es im Schneetreiben am Grat des Hauptkammes nach Osten. Im Windschatten des Kirchleins biwakieren wir. Die Überschreitung kann beginnen!
Die Nacht: kalt, aber leidlich gut. Der nächste Morgen bringt keine Wetterbesserung. Es ist aber anderseits eine sehr zweifelhafte Freude, den ganzen Tag im Schneetreiben im Biwaksack herumzusitzen — und so turnen wir bald zum Zeitvertreib auf einigen Felsblöcken herum. Auch das wird mit der Zeit langweilig. Kochen. Essen. Dann beschließen wir einen Erkundungsgang mit kleinem Gepäck. Wir überschreiten einige Gipfel und deponieren das Gepäck dann vor dem Seckauer Zinken. Ein kalter Sturm treibt uns später zu unserem Biwakplatz auf der Hochalm zurück.
Der nächste Morgen verspricht Schön-wetter, und wir machen uns nun endgültig auf den Weg. Das Gepäckdepot. Der folgende Ostgrat des Seckauer Zinkens — im Sommer kaum als Kletterei anzusprechen — verlangt jetzt, teilweise verschneit und vereist, mit den auf den Rucksack geschnallten Ski volle Aufmerksamkeit und ist, wenn auch technisch leicht, so doch anstrengend. Die Abfahrt zum Maiersteg. Ich: solide Stemmbogen (aufgrund des Rucksackgewichtes); dann: Ich sitze unten und schaue Dieter zu. Er beginnt mit Parallelschwüngen. Ein unterbewußtes Interesse beginnt sich bei mir zu regen (»…das wird ja spannend…«), dann fliegt Dieter hin und rodelt die Nordflanke hinab in Richtung Karboden. Nun kann ich für einige Zeit der Ruhe pflegen, denn bis der Freund wieder heroben ist, vergeht einige Zeit. Sie vergeht. Es folgt der Osthang des Maierangerkogels. Er ist beinhart gefroren, und es ist besser, die Ski auf den Rucksack und die Steigeisen an die Schuhe zu schnallen. Jeder geht sein Tempo: Einmal ist Dieter vorn, dann wieder ich. Auf dem Gipfel warten wir aufeinander. Weiter. Abfahrt vom Brandstätter Kogel ins Brandstätter Törl. Das Wetter verschlechtert sich schon wieder und beschert uns ein Frühjahrsgewitter. Wir fahren zum Hochreicharthaus ab. Der nächste, schöne Tag — es ist der 29. März 1958 — sieht uns dann die Überschreitung vollenden…

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