Doldenhorn Ostgrat – Erste Winterbegehung

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die Kletterei. Die Stunden verfliegen, ohne daß wir bedeutend weiterkommen. Teilweise ist der Grat verwächtet und zwingt uns zu atemberaubenden Balanceakten in der inzwischen schwarzen Ostwand.

Um 22 Uhr sitzen wir rittlings auf dem schmalen Grat und halten die erste Mahlzeit seit dem Früh­stück um 4 Uhr morgens. Wir sind guter Dinge und finden auch den Humor zu einigen Witzen.

Die Kälte und der eisige Wind fahren uns unbarm­herzig in die Glieder und treiben uns wieder an. Hapi geht wieder als erster. Er ist unwahrscheinlich gut in Form. Seillänge um Seillänge gewinnen wir dem Grat ab. Jedesmal, wenn wir überzeugt sind, endlich den letzten Aufschwung vor uns zu haben, müssen wir immer wieder eine bittere Enttäuschung erleben. Der Mond, der uns bis jetzt unseren Weg genügend beleuchtete, ist nun verschwunden. Hapi nimmt eine Stirnlampe, wir klettern ohne Licht weiter.

Langsam spitzt sich unsere Lage zu. Der Körper würde noch durchhalten, aber die Sinne wollen nicht mehr mitspielen. Mehrmals erwische ich mich beim Träumen, statt zu sichern. Die Freunde berichten von gleichen Erscheinungen. »Wie spät ist es eigent­lich?“ fragt Peter. Hannes sucht seine Uhr hervor. .Unglaublich“, staunt er, „bereits 1 Uhr vorbei.“ Aber immer noch zeigt sich keine Biwakmöglichkeit. Unser Thermometer zeigt 26 Grad minus, und der eisige Wind läßt nicht nach. So plagen wir uns wei­ter über brüchige, von Eis, Schnee und der Nacht zu großen Hindernissen gemachte Grataufschwünge. Endlich, gegen 3 Uhr morgens, erreichen wir eine Eismulde direkt unter dem Galletgipfel. Abwech­selnd gilt es nochmals, hart zuzuschlagen, bis wir eine kleine Höhle aus dem blanken Eis gehauen haben, in der wir wenigstens nebeneinandersitzend mit dem halben Körper Platz finden. Hannes, Hapi und ich verkriechen uns in den Nylonsack, ein gro­ßes Problem, denn der Biwaksack ist nur für zwei gemacht. Peter ist besser dran, er hat einen Daunen­schlafsack. Zu erschöpft, etwas zu essen oder noch zu kochen, schlafen wir sofort ein. Lang hält der traumlose Schlaf aber nicht an. Kälte und Muskel­krämpfe schütteln mich. Die Krämpfe schmerzen unsagbar, was ich auch unternehme, ich bringe sie nicht los.

Als der Tag heraufgraut, finden wir noch keine Kraft aufzubrechen. Erst als nach 9 Uhr die ersten Sonnenstrahlen in unsere kleine Eisgrotte fallen, raffen wir uns auf.

Langsam erwärmen sich unsere unterkühlten Kör­per wieder. Der Galletgrat ist gefährlich verwäch­tet. Doch jetzt ist heller Tag, ein wunderschöner, klarer Tag. Die großen Schwierigkeiten liegen hin­ter uns, da kann der Grat uns noch so viele und große Wächten in den Weg stellen, nun sind wir nicht mehr aufzuhalten. Um 12 Uhr erreichen wir den Gipfel des Doldenhorns.

Dankbar und glück­lich reichen wir uns gegenseitig die Hände. Zwei Jahre haben wir von dieser Wintertour geredet.

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