Monte Circeo — nur 541 m hoch!

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versuchte, einen Schritt nach vorwärts zu tun. „Ich habe genug von der Flora!“

Wir begannen die Felswand hochzuklettern. Fels-wand? Ein überhängender Urwald war das!

Unsere Griffe waren Äste, Zweige, Schlinggewächse, Sträucher, lange Grashalme und kurze Grasbüschel. Manchmal gruben wir auch Griffe in die Erde. Und manchmal fuhren wir uns mit den Händen übers schweißnasse Gesicht. Mit einem Zaubertrank hatte die Circe seinerzeit die Gefährten des Odysseus in kleine Schweinchen verwandelt. Wir hatten an keinem Zaubertrank genippt — und schauten zumindest ebenso dreckig aus wie seinerzeit die verzauberten Gefährten des Odysseus.

Endlich erreichten wir den Gipfelgrat — eine schmale Felsschneide, welche aus dichter Macchia hochragte. Über diesen Grat erreichten wir den Gipfel.

Auf dem Gipfel fanden wir wieder die gelbe Markierung. Ich hoffte nur, daß uns diese Markierung beim Abstieg nicht zuletzt zu der Buschgasse leitete, von der Fritzerl überzeugt war, daß durch sie der richtige Anstieg führe … „Ich bin doch kein Anfänger, der kerzengerade durch Latschen- oder Buschgassen hochsteigt …“, hatte ich gesagt.

Wäre ich nur ein Anfänger gewesen!

Der richtige Weg führte durch die Buschgasse!

In uralter Zeit war der Berg der Circe eine dem Festland vorgelagerte Insel. Später verband sich diese Insel mit dem Land. Wie auf einer Insel fühlt man sich jedoch auch heute noch auf diesem Berg. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Seite das flache Schwemmland.

Schon antike Schriftsteller berichten von einem Tempel auf der Spitze des Berges, in dem jener Becher aufbewahrt worden sein soll, aus dem Odysseus und seine Gefährten den Zaubertrank der Circe gereicht bekamen. Die Tempelreste sind noch zu sehen … Er war gegen das Meer gerichtet, und Zyklopenmauern waren seine Basis. Diese Mauern dürften aus dem fünften oder vierten Jahrhundert vor Christus stammen. In römischer Zeit wurde die Tempelanlage ausgebaut. Man erweiterte die Spitzen des Berges auf der gegen den Meerwind geschützten Seite durch eine von mächtigen Mauern gestützte Terrasse. Man errichtete Wohnungen für die Priester und schuf Zisternen für die Trinkwasserversorgung. Zu dieser Zeit war der Berg der Circe anscheinend bereits ein Wallfahrtsort geworden.

Heute wachsen mächtige Bäume aus diesen Stützmauern, und das Regenwasser der Jahrtausende hat die Fugen zwischen den Steinen versintern lassen. Die Pilgerstraße, die einst auf diesen heiligen Berg führte, ist zum Dschungelpfad geworden. Und um den Berg der Circe ziehen Vögel ruhig ihre Kreise. Wir knieten auf dem Boden und untersuchten Tonscherben auf ihr Alter. Wir wußten, daß es keinen Odysseus gab und auch keine Circe. Und wir konnten uns doch nicht der Magie dieses Ortes entziehen! Nur 541 m hoch ist dieser Berg der Circe. Aber so wie der Wert eines Geschenkes nicht an eine Geldsumme gebunden ist, so ist auch das Gipfelglück unabhängig von Höhenmetern. Ich werde die Gipfelstunde auf dem Berg der Circe nie und nimmermehr vergessen.

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