Einsamer Weg durch die Reißeckgruppe

No Comments
 
 

Ein jäher Wettersturz hatte die mehrwöchige Schönwetterperiode beendet, und just in diesen Wetter-umschwung hinein waren wir mit unserer seit Iangem geplanten Bergfahrt in die Reißeckgruppe geraten. Im Fahrtenprogramm sah alles so schön aus: am ersten Tag auf die Hohe und die Kleine Leier, am zweiten aufs Große Reißeck und über den Gebirgsvereinshöhenweg durch die Reißeckgruppe bis hinüber zum Arthur-von-Schmid-Haus, am letzten Tag dann einen Dreitausenderabschied mit dem Säuleck Nun gut, mag’s einen Tag regnen, wird man eben ein paar Streichungen machen. Dennoch zuversichtlich bleiben, das ist auch eine bergsteigerische Tugend. In Kolbnitz haben sie uns argwöhnisch gemustert, als wir, nach oben zu die zwei einzigen Fahrgäste dieses Tages, die Karten für die Reißeckbahn lösten. Wind, Regen, Schnee, was lag da schon drin? So ließen wir uns, mit Anorak und Zipfelhaube angetan, schweigend mit dem Schräg-aufzug hochziehen und mit dem romantischen Schmalspurbähnchen durchs Berginnere auf das Seenplateau hinüberfahren. Durch schuhtiefen Neu-schnee stapften wir dann die letzten zehn Minuten hinauf zur einladenden Reißeckhütte unterhalb des mit einer mächtigen Mauer gestauten Mühldorfer Sees in 2 300 m Höhe. Ein paar Unentwegte harrten hier eines besseren Wetters. Wir indes gingen gleich auf Kundschaft. Das Schneetreiben wich einem kalten, besseres Wetter verheißenden Wind, und über die beiden Mühldorfer Seen hinauf suchten wir uns den Steig aufs 2 525 m hoch gelegene Rieckentörl. Dort, so hatte es uns geschienen, war ein blauschimmerndes Loch im heute sonst so unfreundlichen Firmament. Nach einer Stunde standen wir droben. Der Wunsch nach schönem Wetter mag der Vater unserer Gedanken gewesen sein, mit welchen wir da jetzt eine so eindeutige Wetterprognose für den morgigen Tag stellten, als gäbe es nicht einmal eine Alternative.

Beim Dunkelwerden kamen wir zur Hütte zurück. Um halb fünf Uhr saßen wir am Morgen schon beim Tee. Draußen war alles schwarz. Noch verbargen wir unsere heimlichen Bedenken voreinander. Doch was störte uns an der absoluten Stille der aufkommenden Dämmerung? Es wird wohl nicht die Dach-traufe sein? Doch, sie war’s. Eine fatale Alternative zu unserer Wetterprognose. Wird’s also ein Hütten-tag mit Plaudern, Kartenspiel, einem halben Dutzend Radio-Wetterberichten, mit Wunschkonzerten und einigen Achteln Roten? Die zwei letzten Unentwegten von gestern waren auf Grund der tristen Witterung talwärts gezogen. Wir harrten aus und hofften weiter, am späten Nachmittag dann wurden wir belohnt. Es riß auf. Jetzt stürmten wir aus der Hütte und keuchten in einer halben Stunde den versicherten Steig hinauf auf das Schartl unterhalb der 2 580 m hohen Hochkedl. Nach einem Tag unfreiwilligen Stubenhockens mußte das ganz einfach so kommen. Jetzt aber getrauten wir uns ohne Um-schweife das Wetter vorauszusagen. Nach Westen und Osten, nach Süden und Norden klarte es auf, die Kälte drückte den Nebel hinunter in die Täler, die untergehende Sonne rötete die letzten, im Westen oben gebliebenen Wolken, und die mit frischem Schnee bemäntelten Gipfel und Grate leuchteten ein letztes Mal im rosafarbenen Licht. Dann hatten wir Eile, noch vor der Finsternis zurückzukehren. Von Iris bis Dunkelviolett zeigte der wolkenlose Himmel sein Farbenspektrum, und die kleine goldene Mond-sichel darüber sammelte die ersten Sterne der Nacht um

  • reißeckgruppe karte
  • einsame wege ortler
  • reisseckgruppe
  • anorack skitouren
  • wandern in der reisseckgruppe
  • hohe leier ostgrat
  • reißeckbahn wetter
  • ostliche daunkogel nordgrat
  • reiseckgruppe
  • reißeckgruppe

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

More from our blog

See all posts
 
 
No Comments