Ararat 1964

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Der Ararat ist in zweifacher Hinsicht interessant: Er ist ein historischer Berg und außerdem der nächste und für europäische Bergsteiger am leichtesten zu erreichende Fünftausender. Von seinem Gipfel hat man übrigens weite Sicht in drei Länder: in die Türkei, nach Persien und Rußland. — Der folgende Bericht von der Besteigung des Ararat im Sommer 1964 soll denjenigen, die diesen Berg ebenfalls bezwingen wollen, eine kleine Anregung und Hilfe sein.

Zu zweit starteten wir Anfang August 1964 von Istanbul aus mit dem Autobus in östlicher Richtung. Nach drei Tagen recht wechselvoller und nie langweiliger Fahrt über Ankara, Sivas, Erzerum und Agri langten wir in Dogubayasit an. Wir hatten rund 1 500 km zurückgelegt und dafür etwa 30 DM bezahlt. Dogubayasit ist hauptsächlich aus Lehmhütten erbaut und der letzte türkische Ort an der Straße nach Iran. 25 km nordöstlich der Stadt er-hebt sich aus der 2 000 m hoch gelegenen Ebene der gletschergekrönte Ararat.

Natürlich fesselte uns dieser Anblick gleich bei der Ankunft. Durchs Fernglas guckend, stellten wir fest, daß ein langgezogener Geröllrücken, der weit oben in die vergletscherte Gipfelregion auslief, den günstigsten Anstiegsweg darstellte. Vor dem Eis am Gipfel war uns auch nicht bange. Schließlich verfügten wir mit Seil, Haken, Karabinern, Steigeisen, Eisbeilen, Eisschrauben usw. über eine respektable Ausrüstung. Nur das Kartenmaterial ließ zu wünschen übrig: Karte 1:1 000 000 — mehr war nicht da. Was die Formalitäten anging, so hatte mein Freund Gerd vom Touristenministerium in Ankara die schriftliche Zusicherung, daß für das Betreten der Region längs der russischen Grenze keine Genehmigung mehr nötig sei. Für die Besteigung des Berges wünschte man uns viel Freude und Erfolg.

Während ich noch etwas Obst als Ergänzung zu unseren Rationen kaufte, ging Gerd zu der dorti-gen Kaserne, um von den Soldaten ein Geländefahrzeug zu chartern, mit dem wir die letzten Kilometer bis zum Fuß des Berges zurücklegen wollten.

Nach langer Zeit kehrte Gerd fluchend zurück. Was war passiert? — Uns wurde nicht nur kein Fahrzeug gegeben, man hatte uns obendrein noch verboten, den Berg zu besteigen. Was half es, daß Gerd bis zum Kommandeur persönlich vordringen konnte, sich als Deutscher ausgab und das Schreiben des Touristenministeriums vorwies! — „Für die Bergbesteigung brauchen Sie eine Sondergenehmigung, die nur das Innenministerium in Ankara ausstellt!“ erklärte ihm ein der englischen Sprache mächtiger Offizier. In der Türkei ist man eben vor Überraschungen nicht sicher. Viertausend Kilometer hatten wir zurückgelegt, und jetzt diese Pleite! Das war zuviel!

Wir waren entschlossen, den Berg trotzdem zu machen. An der Straße, die durch die Ebene nach Iran führt, stand ein Posten. Den mußten wir überlisten, um überhaupt an den Berg heranzukommen. Wir erklärten ihm, wir wollten nach Iran fahren. Er ließ uns ziehen. Das erste Fahrzeug, das die Straße entlang kam, hielt und nahm uns mit. Nach 5 km Fahrt bedeuteten wir dem Fahrer, wir wollten aussteigen. Er musterte uns erstaunt, hielt und ließ uns ‚raus. In der Nähe der Straße versteckten wir unsere überflüssigen Klamotten zwischen Felsblöcken, warteten die Dunkelheit ab und

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