Die Zimba – Rätikon

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ausmachen. Keine Dunstschicht, kein Wölk­chen trübte die unwahrscheinlich durchsichtige Luft. In den Tälern lagen bereits die violetten Schatten der Dämmerung. Aus ungeheuren Tiefen schimmerte dunkel der Stausee von Latschau herauf, und noch tiefer lag das Montafon mit der schäumenden Ill. Was war das doch für ein unvergeßlicher Bergtag damals auf dem Gipfel der Zimba! Ich dachte an die Sage vom Jäger Zimber, der sich einst in den Felsen der Zimba verstieg, als er einen kapitalen Gamsbock verfolgte. Der Jäger kehrte nie zurück. Erst viel später fanden die Erstersteiger der Zimba verbli­chene Knochen: die Überreste jenes kühnen Jägers, der eines grausamen Todes starb. Man kann über diese Geschichte denken wie man will — mir gefällt sie. Sie ist der stolzen Zimba irgendwie auf den Leib geschrieben und umfängt uns mit einem Fluidum mystischer Vergangenheit, ohne die ich mir dieses wilde Kalkriff gar nicht vorstellen könnte.

Heutzutage ist der Normalweg auf die Zimba nicht zu verfehlen. Griffe und Tritte sind blankgeputzt und glänzen wie speckiges Hirschleder. Die Finger und Schuhe unzähliger Kletterer haben hier ganze Arbeit geleistet. Es ist deshalb so gut wie unmöglich, auf dem vielbegangenen Westgrat der Zimba die Orientierung zu verlieren. Im letzten Licht der Sonne kletterten wir hinab. Senkrechte Wandstellen überwanden wir im Dülfersitz. Als wenn es für sie das Natürlichste auf der Welt gewesen wäre, setzte sich unsere Senta ins Seil und ließ sich vertikal hin­untergleiten. Kaltschnäuzig, wortlos, ohne zu zögern, seilte sie sich über diese schauerlichen Ab­brüche hinunter, wo den Nichtbergsteiger das kalte Grausen packen würde. Sie kannte keine Angst, sie hatte vollstes Vertrauen zu uns. Niemals hätte ich gedacht, daß dieses zarte Mädchen eine solch an­strengende Tour durchstehen würde. Sie hatte doch keine Trainingsmöglichkeit in ihrer fernen Stadt.

Woher nahm sie diese Kondition und zähe Aus­dauer?

Die Abendsonne überschüttete die Felsen der Zimba mit bengalischem Licht, aber bald erstarb ihr flam­mendes Leuchten, und der Fels wurde fahl wie Asche. Noch eine Weile sah man im Westen einen rötlichen Schimmer, dann verblaßte auch dieser.

Als wir im Zimbajoch standen, wich die Dämme­rung, und pechschwarze Nacht machte sich breit. Ein unübersehbares Sternenmeer funkelte zu uns herab. Wir rafften unsere Seile zusammen, verstauten sie in den Rucksäcken und tasteten uns im Lichtkegel der Taschenlampen den schmalen Steig in Richtung Heinrich-Hueter-Hütte hinunter. Einsam und stumm ragte über uns die Zimba in den nächtlichen Himmel. Mit etwas Glück fanden wir unsere Zelte. Ein schwacher Geruch von verbranntem Holz und Reisig lag noch in der Luft. Wir packten unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg ins Tal. Manchmal sah ich im Lichtstrahl meiner Taschenlampe unsere Senta, wie sie tapfer zwischen uns talwärts schritt. Dann sah ich ihre weißen Zähne blitzen, und ihre Augen leuchteten. Nun hatte sie ihre Zimba, ihren Berg, wegen dem sie eine solch weite Anreise auf sich genommen hatte, und sie be­dankte sich wortlos bei uns, die wir sie über den Steilfels der Zimba führten.

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