Die Zimba – Rätikon

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Im Osten blinkten die blauen Gletscher der Silvretta, und der Himmel war durchwirkt von zerzausten Föhnstreifen. Es war völlig windstill, und die Sonne brannte schon am frühen Vormittag. Welch herr­licher Bergtag, der damals heraufgezogen war und im letzten Leuchten des Herbstes schwelgte.

Manfred stieg vor, und Bernd sicherte ihn. Aber der Fels war gleich enorm schwierig, wenigstens für meine Begriffe. Manfred probierte endlos lang an einer Stelle herum, er kam einfach nicht darüber hin­weg, kletterte wieder zurück, versuchte es noch ein­mal. Es war vergeblich. Vielleicht waren wir auf dem falschen Weg, oder die Zimba wollte uns nicht, zumindest nicht hier am Ostgrat. Wir beratschlagten. Zum Westgrat hinüberzuwechseln wäre zu zeit­raubend gewesen. Es gab nur noch zwei Möglichkei­ten: Umkehr oder Nordostgrat.

Wir querten unmittelbar unter den Nordostabstür­zen der Zimba. Hier war es kühl und schattig. Ein Hauch von Rauhreif und Neuschnee überzog das Geröll und die spärliche Vegetation. In bläulichem Dunst lag in der Tiefe das Brandner Tal. Hoch über uns ragte der Ostgrat, dieser wilde zerhackte Anstieg zum Gipfel der Zimba. Warum war es uns nicht ge­lungen, über diesen sonnigen Grat zu schreiten? Diesmal führte Franz. In einer steilen, aber griffigen Felsrinne kletterten wir empor auf eine geräumige Plattform. Es folgte ein ziemlich lotrechter brüchi­ger Kamin. Das Gestein durfte man nur mit äußer­ster Vorsicht behandeln, auf die Griffe war kein Ver­laß, sie steckten lose in ihrer Verankerung. Man mußte hier sehr korrekt klettern, viel spreizen und durfte die Felsvorsprünge möglichst nicht berühren. Eine nervöse und unruhige Person hätte hier kata­strophale Verhältnisse geschaffen. War das hier überhaupt der Nordostgrat? Im Schatten lag dieser Anstieg wohl, aber er schien völlig unberührt oder zumindest wenig begangen. Hier glänzten die Griffe nicht wie Speckschwarten, hier mußte man sie putzen und vom Staub befreien.

Die kleine dunkelhaarige Senta aus Nordbayern stieg und kletterte unentwegt hinter uns drein, wie eine Katze kraxelte sie über die Felsen hinauf. Sie sagte kein Wort, lachte nur manchmal und freute sich, daß sie mit uns eine solche Tour machen konnte. Eine andere, die vielleicht etwas weniger Begeiste­rungsfähigkeit besaß, hätte sicher schon längst die Waffen gestreckt, hätte gestreikt und protestiert, wäre sitzen geblieben und keinen Schritt mehr wei­tergegangen. Aber nein, der Senta merkte man we­der die unbequeme Zeltnacht an noch den langen und steilen Anstieg zur Neyerscharte und zum Nordostgrat der Zimba.

An einer bauchigen Platte schlug Franz einen soliden Standhaken. Ich hatte mich in eine Art Lochnische hineingezwängt und sicherte Franz über den Quer­gang. Es war wohl die schwierigste Passage unserer Kletterei. Man mußte auf einem etwa zwei Meter langen Band nach links hangeln, während die Beine im Leeren baumelten. Anschließend hatte man sich mittels Klimmzug auf das Band hinaufzuwuchten. Es war eine kraftraubende und langwierige Arbeit, bis wir alle diese Stelle überwunden hatten und durch eine brüchige Steilrinne zum Gipfel ausstiegen. Der Tag hatte bereits gute Fortschritte gemacht, und die Sonne stand tief am Horizont. Still und einsam war es hier, nur ein paar frische Orangenschalen wie­sen auf die Anwesenheit fremder Bergsteiger hin. Wir saßen im sonnigen Kalkfels beim Gipfelkreuz und erlebten die Zimba im herbstlichen Glanz. Der Firn der Schesaplana schillerte im Gegenlicht, und die kleine Senta war anscheinend gar nicht daran interessiert, wieder ins Tal abzusteigen.

Im Osten standen die Drusentürme unter einem wolkenlosen Himmel, klar und scharf, wie heraus­gemeißelt. Man konnte am Horizont fast jeden Gipfel

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