Westlicher Daunkogel Skitour – Stubaidelikatesse im Frühling

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Wieder einmal stapfen wir mit Skiern von der Mutterberger Alm hinauf zur gemiitlichen und gut gefiihrten Dresdner Hütte, die trotz ihrer Beliebt-heit ein Bergsteigerheim geblieben ist. Es.ist längst kein Geheimnis mehr, daß die Umgebung der Hütte ein Dorado fiir Frühjahrsfeinschmecker ist und die Tourenmöglichkeiten so mannigfach sind, daß der Entschluß, in welche Richtung man seine Spur legen soll, schwerfällt.

Mit dem Vorsatz, anderntags auf den Westlichen Daunkogel zu gehen, sind wir in München weggefahren. Abends dann, als wir beisammensitzen und in Erinnerungen kramen, die manch schöne Tour wieder lebendig werden lassen, kommen iiber unser morgiges Ziel schon leichte Zweifel auf. Damals, als wir bei einem Bilderbuchwetter auf dem Zuckerhütl waren, nicht mit Skiern, sondern auf Schusters Rappen, hatten wir da nicht ausgemacht, im Frühjahr einmal wiederzukommen? Wie wär’s mit der Schaufelspitze, auf der uns vor Jahren bald der Hitzschlag getroffen hätte, weil wir uns einfach nicht trennen konnten, so schön war es? Dann ist da noch der Schußgrubenkogel, der uns einmal recht hinhielt, da er im letzten Stück doch nicht so ganz einfach gewesen ist, wie wir es uns vorgestellt hatten. Nicht zu vergessen die immer wieder schöne Abfahrt vom Bildstöckeljoch, die, wenn man den richtigen Schnee erwischt, von oben bis unten eine ein-zige Wonne ist. Je länger wir plaudern, um so mehr bröckelt von unserem Daunkogelvorsatz ab, und als es Zeit ist, ins Bett zu gehen, sind wir gar nicht mehr so sicher, wo wir nun morgen landen.

Zu nacht’schlafender Zeit rasselt der Wecker. Geschwind raffen wir unsere Siebensachen zusammen und verschaffen uns im Waschraum die nötige Frische. Wortkarg, wie man zu so friiher Stunde meistens ist, schliirfen wir den Tee und einigen uns, doch den urspriinglichen Plan auszuführen.

Inzwischen ist Leben in die Stube gekommen, und um 1/2 4 Uhr sind die ersten abmarschbereit. Gleich nach der Hütte trennt sich unser Weg von dem der Kameraden, offenbar sind wir die einzigen, die sich für diese Route entschieden haben.

Es ist ein herrlicher Morgen, und auf dem hartgefrorenen Schnee gewinnen wir schnell an Höhe. Drei viertel Stunden etwa sind wir unterwegs, als sich hinter dem Habicht glutrot die Sonne hervorzwängt. Wahrhaftig, das ist wieder ein Sonntag, wie ihn sich Bergsteiger wünschen. So schön ist dieser Sonnenaufgang, daß wir uns eine kleine Verschnaufpause gönnen, um jede Phase dieses Naturschauspiels voll mitzuerleben. Noch trägt der Schnee, und pomadig spuren wir iiber den Daunferner. Erst als wir in den Kessel unter der Scharte kommen, gibt die harschige Oberfläche bei jedem Schritt nach, und es geht nicht mehr so ganz miihelos. Kurz unterhalb der Scharte ist es mit den Skiern eher eine Schinderei als ein Vergnügen, so daß wir sie abschnallen und zu Fuß weitergehen.

Der Gipfelaufbau des Westlichen Daunkogels ist im Sommer unschwierig zu begehen, während er jetzt gar nicht so einladend aussieht. Zuerst geht’s in grundlosem Schnee, der uns bis zu den Hüften verschluda, aufwärts, dann wird der Schnee zwar weniger, das darunter befindliche Eis dafür unangenehmer. Wie gut, daß wir das Seil dabei haben. Winterliche Verhältnisse unterscheiden sich eben doch wesentlich von denen des Sommers. Dabei ist es Ende Juni und eigentlich schon viel eher Sommer als Winter, aber das Jahr 1965 ist eben auch ein besonderes.

Obwohl wir für glasiges Wassereis nichts übrig haben und für 150 Höhenmeter nicht weniger als 1 1/2 Stunden brauchen, ist unsere Freude, als wir auf dem Gipfel des Westlichen Daunkogels (3 300 m) stehen, ungetrübt. Blauer Himmel spannt sich über die im Sonnenlicht gleißenden schneebededuen Spitzen, Kuppen und Grate. Großartig und überwältigend schön ist die Aussicht. Im Norden sind es der Schrankogel und dre Ruderhofspitze mit ihren Trabanten, im Südwesten die Erhebungen der Ötztaler, die immer wieder unsere Blicke auf sich lenken, ganz zu schweigen von den sich unmittelbar vor uns auf-bauenden Gipfeln. Kurzum, wir sind wieder einmal voll beschäftigt mit Schauen und Staunen. Da fällt ein bißchen Mühe wahrhaftig nicht ins Gewicht, wenn man so viel Schönes erleben darf. Darüber, daß wir unsere prächtige Aussichtswarte mit niemand zu teilen brauchen, sind wir nicht traurig. Der Gedanke an den immer weicher werdenden Schnee läßt uns früher, als uns lieb ist, zum Aufbruch rüsten. Vorsichtig tasten wir uns über die unangenehmen eisigen Passagen abwärts und sind froh, als wir sie hinter uns haben. Wie ein leichter Alpdruck ist dieses Eis auf unseren Gemütern gelegen.

Von der Scharte schicken wir noch einen allerletzten Blick in d¡e Runde, dann geht’s hinunter zu den Skiern. Von unserer Anstiegsspur abgesehen, ist der Daunferner vollkommen unberührt, und wir besinnen uns langsam darauf, daß unser Weg nun abwärts führt. Also hinein ins Vergnügen! Was kommt, ist ein Schwelgen in zwar nicht mehr idealem, aber immerhin noch gut zu fahrendem Firn. Kurze Schwnge, weite Bogen, es ist ein Hochgenuß, und viel zu schnell sind wir unten bei der Hine.

Versteht sich, daß das redlich verdiente Mittagessen schmeckt und— schließlich sind wir aus München — ein Bier zischt. Schwer fällt uns der Abschied von dem schönen AV-Haus, seiner prächtigen Umrahmung und vom Skifahren, denn für dieses Jahr wird es wohl endgültig damit vorbei sein.

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