Aiguilles d’Arves – Aiguilles de la Saussaz – Aiguille du Goléon

Führerlose Fahrten
in der
Maurienne und im Reiche der Meije.

Von

Aemilius Hacker und Ing. Eduard Pichl.

Ae. H. Südlich der Romanche liegt das märchenhafte Alpenland des Dauphine.

Ernst und feierlich sind seine tiefeingeschnittenen Hochtäler. Von den eis­starrenden, zerklüfteten Zinnen quellen Hängegletscher, in blaugrünschillernde Seracs aufgelöst, den tollen Kaskaden seiner wildschäumenden Bergströme gleichend, zur eisüberfluteten oder trümmerbedeckten Talsohle. Selten nur erfreuen in tieferen Regionen spärliche Hochwälder oder lieblich grünende Alpenmatten das Auge. Und wie seine Heimat ist das Bergvolk still und ernst, kaum jemals tönt ein Lied von seinen Lippen.

Nördlich von diesem wilden Berglande bohren sich gleich Dolchklingen die Aiguilles d’Arves in den Äther.

An deren furchtbaren Wänden und Graten unsere Klettertüchtigkeit zu er­proben, war unser erstes Beginnen.

Mitternacht des 9. September 1902 verließen Ingenieur Eduard Pichl, Präsident des Österreichischen Alpenklubs, und ich, aus Oberitalien kommend, den treno diretto in St. Michel und stiegen im Hôtel à la gare ab.

Nach Abschluss der Unterhandlungen wegen Beförderung unseres großen Gepäcks nach La Grave en Oisans ging’s schwer bepackt den steilen Abkürzungsweg zum Col du Galibier und durch den langen, den Bergrücken durchsetzenden Straßen­tunnel nach Valloire. Eine bildhübsche schlanke Maid mit schwarzen Sammet­augen und blauschwarzem Haar servierte uns das Diner, und als wir nach kurzer Rast schieden, winkte uns noch lange der Holden Tüchlein den Abschiedsgruß.

In frohster Stimmung wanderten wir talauf zum Weiler la Ravine, überholten dabei Proviantmulis französischer Chasseurs, stiegen dann, den Bach querend, rechts über Trümmer und Rasenhänge zu den weithin zerstreuten Alphütten Au Commendraut empor, deren vorletzte wir vor Eintritt der Dunkelheit erreichten. Butter, Brot und Milch brachte uns der freundliche Senne.

Zum ersten Male kochten wir auf Feuer von Kuhdünger, denn Holz gab’s weit und breit nicht. So arg aber, wie andere dies schildern, fand ich’s weitaus nicht — es ist eben alles nur Gewohnheit!

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